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30 Jahre

21.03.2015

„Stoigässler“ halten weiter zusammen

Die „Stoigässler“ aus der Gründerzeit (von links): Heidi Stricker, Hans Müller, Marianne und Hans Baum, Senzi Rau, Josef Mayer, Gundi und Bruno Horber.
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Die „Stoigässler“ aus der Gründerzeit (von links): Heidi Stricker, Hans Müller, Marianne und Hans Baum, Senzi Rau, Josef Mayer, Gundi und Bruno Horber.

Freundschaftsfahne und Steinmann sind bei dem Stammtisch dabei

„Dau bin i nau, ihr Mand und Weib, stamm aus ra längst vergangna Zeit. I bin au von ra bsondra Strauß, dia gaut vom Bächle bis zum Bahglois naus. Des wissat bloß no alte Leit, d’ Stoigass hat ma früher gsait.“ Dieser Sechszeiler in schwäbischer Mundart ist die erste Strophe der Stoigässler-Hymne, die seit drei Jahrzehnten bei diversen Stammtischen, kulturellen Fahrten in die Umgebung und runden Geburtstagen erklingt. Der Text stammt von Hans Baum, der neben Hans Stricker und Senzi Rau („Klausa Senz“) leider schon zu den Verstorbenen zählt. Ihr Tod ist für die Lebenden Vermächtnis, die Freundschaft unter den früheren Nachbarn zu pflegen, zwar ohne Vereinssatzung, aber doch mit Fahne und kleinem „Stoi-Ma“, die bei jedem Treffen den Tischschmuck bilden.

Beginnen wir mit dem Jahr 1984, dem Gründungsjahr des „Freundschafts-Stammtisches Stoigässler“, der damit heuer sein 30-jähriges Bestehen feiert. Der Straßenname besteht seit 1750, als die damaligen Ratsherren den Beschluss fassten „an der Feldkapelle in der Steingasse“ einen neuen Gottesacker (heute Westfriedhof) zu errichten. Aus dem Jahre 1833 ist bekannt, dass die Steingasse, also die Straße vom Marktplatz bis zum Westfriedhof, in den amtlichen Stadtplan eingetragen wurde, und zwar zusammen mit der Hohenraunauer Gasse (heute Mindelheimer Straße), Raunauer Gasse (Nassauer Straße), Untergasse (Karl-Mantel-Straße) und Mittergasse (Heinrich-Sinz-Straße). Was damals beurkundet wurde, gilt noch heute: Die Babenhauser Straße reicht von der Krumbächle-Brücke bis zum Stadtrand.

Die Stoigässler nahmen es mit der Abgrenzung nicht so genau. Wichtig war für sie die gute Nachbarschaft und das tägliche Gespräch zwischen den Geschäftsinhabern beiderseits der Brücke und hinaus bis zum Gasthof Stern. Man tauschte frühmorgens bei der Ladenöffnung jeweils die Krumbacher Neuigkeiten aus. Daraus entwickelte sich in den Achtzigerjahren eine Freundschaft, die bei der Initiatorin Senzi Rau (Tochter des legendären Schmieds Narziss Klaus) ihre Heimstatt hatte. Es sollte die Größe eines Stammtisches nicht überschritten werden. Heraus kristallisierten sich die Brüder Hans und Albert Müller (Kupferschmied), Karin und Josef Mayer („Bananen-Joe“), Heidi und Hans Stricker (Friseur), Gundi und Bruno Horber (Hypo-Bank), Marianne und Hans Baum (er wohnte an der Abzweigung Nattenhauser Straße) und die noch immer unvergessene „Senzi“ Rau. Die Arbeit als Organisatorin liegt nach ihrem Tod im Jahre 2003 im Alter von 90 Jahren inzwischen bei Heidi Stricker in guten Händen.

Was die Freundschaft und Geselligkeit unter den früheren Nachbarn noch heute ist, auch wenn sie nicht mehr in der Stoigass wohnen, hat Hans Baum in seinem Gedicht schon damals gewusst oder zumindest geahnt: „Wenn manchmal oiner vom Stearawirt zu später Stund rausgschwankat isch, wenn ean dr Rausch in Knia hat zwonga und er ganz näh zu mir isch komma. Ganz leise hau i zu eam gsait, sauf’s nächstemaul it mehr als du verdreischt. En kloina Rempler hau i eam gea, da blaua Fleck hat ma am nächsta Tag no gsea. So gings jahraus und gings jahrei, dia oine fahrat naus, dia andre ins Städtle nei. Blos mit dr Zeit hats allweil mehr pressiert, nau hand se dia schea Stoigass mit Teer zuagschmiert. Seit der Zeit fahrat se wia dia Verruckte hin und her, s’isch nemma schea, s’isch garnix mea. I gang drom wo na, wo’s gmiatlicher isch, i gang zom Stoigass-Stammtisch. Wenns recht isch, bei ui bleib i, am lieabschta bei der Stricker Heidi.“

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