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Landkreis Günzburg

16.04.2019

Streitbarer Chef verlässt das Staatliche Bauamt Krumbach

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Feierstunde im Krumbacher Stadtsaal 2015: Damals wurde Wilhelm Weirather (rechts) als Leiter des Staatlichen Bauamtes verabschiedet, Jens Ehmke (Vierter von rechts) wurde als sein Nachfolger eingeführt. Jetzt ist Weirather der Nachfolger von Ehmke.
Bild: Peter Bauer

Plus Jens Ehmke wechselt überraschend von Krumbach nach Nürnberg. Sein Vorgänger ist auch sein Nachfolger.

Der bayerische Verkehrsminister beim Aussäen von Blütensamen für einen „Bienen-Highway“ an der B16: Bei Terminen dieser Art ist Hans Reichhart derzeit öfter anzutreffen. Doch bei einem Ortstermin zwischen Günzburg und Gundelfingen stand vor einigen Tagen ein Mann neben ihm, mit dem niemand gerechnet hatte: Wilhelm Weirather. Von 2007 bis 2015 war er Leiter des Staatlichen Bauamtes in Krumbach – und jetzt ist er es wieder. Überraschend ist er auf seine alte Position zurückgekehrt. Sein einstiger Nachfolger Jens Ehmke ist jetzt sein Vorgänger. Weirather, Ehmke und jetzt wieder Weirather? Hintergrund für diese Entscheidung sind offensichtlich auch die kontroversen Debatten um verschiedene bedeutende Straßenprojekte.

Aber ein Außenstehender wird dies, sagen wir, wohl schlichtweg als verwirrend empfinden. Und in der Tat ist eine solche Reihenfolge von Wechseln an der Spitze einer so bedeutenden Behörde wie dem Staatlichen Bauamt ungewöhnlich.

Quer durch die Republik nach Krumbach

Jens Ehmke wurde mit einer neuen Aufgabe an der Landesbaudirektion in Nürnberg betraut. Dies teilte er vor einigen Tagen in einer kurzen Mail mit. Ehmke, 1957 in Langenhorn/Nordfriesland geboren, kam gewissermaßen quer durch die Republik nach Krumbach, wo er 2015 die Leitung des Staatlichen Bauamtes in der Nattenhauser Straße übernahm. Zuvor war er unter anderem Sachgebietsleiter „Betrieb“ an der Autobahndirektion Nordbayern. Doch Ehmkes Familie wohnt in Franken, so ist der Wechsel in den Norden Bayerns für ihn persönlich sicherlich ein Vorteil.

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Ehmke hat in den vergangenen Jahren wichtige Straßenbauvorhaben in der Region maßgeblich auf den Weg gebracht und mitgestaltet. Ein Blick auf diverse Straßenbauprojekte der Region zeigt aber auch, dass es in den vergangenen Jahren zwischen dem Staatlichen Bauamt mit Ehmke an der Spitze und verschiedenen Kommunen immer wieder zu kontroversen Debatten kam. Dies gilt insbesondere für den geplanten umfassenden Ausbau der B 16 im Bereich Günzburg-Gundelfingen-Lauingen. Zuletzt war das Planfeststellungsverfahren für den B 16-Ausbau zwischen Lauingen und Gundelfingen eingestellt worden.

Vorausgegangen war ein Brief von Verkehrsminister Hans Reichhart an das Staatliche Bauamt. Grundlage für das Schreiben Reichharts waren umfassende Gespräche mit dem Dillinger Landrat Leo Schrell und betroffenen Bürgermeistern, die in Sachen Straßenplanung noch großen Klärungsbedarf sehen.

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Ähnlich lief die Diskussion um den B 16-Ausbau in Günzburg. Auch hier hatte das Staatliche Bauamt unter der Federführung von Jens Ehmke eine Planung vorgelegt, die von Günzburger Kommunalpolitikern heftig kritisiert wurde. Unter anderem wurde befürchtet, dass Landwirte von ihren angrenzenden Feldern abgeschnitten würden.

Der Günzburger Oberbürgermeister Gerhard Jauernig beispielsweise bezeichnete die Planung als in Teilbereichen massiv überdimensioniert. Für zusätzlichen Zündstoff sorgte im Mai 2018 ein geplanter Auftritt Ehmkes im Günzburger Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Verkehr, um dort die B 16-Planung vorzustellen. Doch dann hatte sich der Beginn der Sitzung – und damit der Termin für den Bauamtsleiter – offenbar um einiges verzögert, Ehmke verließ das Rathaus. Es folgte ein Briefwechsel zwischen dem OB und Ehmke, in dem beide ihr Unverständnis über den Ablauf äußerten.

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Stadtrat bremst B16-Ausbau

Die Debatten in Günzburg und im Kreis Dillingen zeigen exemplarisch, welche Dimension große Straßenbauprojekte wie ein B 16-Ausbau inzwischen angenommen haben. In der Bevölkerung werden solche Vorhaben zunehmend kontrovers diskutiert, nicht selten bilden sich lokale Initiativen. Die Debatte um den Flächenverbrauch hat an Schärfe zugenommen. Auch vor diesem Hintergrund bringen sich Bürgermeister und kommunale Mandatsträger gegenüber Behörden wie dem Staatlichen Bauamt, das die Planung wichtiger übergeordneter Straßen koordiniert, deutlich in Position.

In einer solchen Gemengelage ist die Luft mitunter richtig dick. Und aus den Reihen kommunaler Mandatsträger war zuletzt immer wieder zu hören, dass Wilhelm Weirather, der von 2007 bis 2015 an der Spitze des Staatlichen Bauamtes stand, mit seinen Moderatorqualitäten an der Spitze des Bauamtes ein einfühlsamer Ansprechpartner gewesen sei.

Weirather war zuletzt Leiter des Sachgebiets Straßen- und Brückenbau bei der Regierung von Schwaben. Weirather wieder zurück an die Spitze des Staatlichen Bauamtes Krumbach? Wie der CSU-Landtagsabgeordnete Alfred Sauter auf Anfrage mitteilte, habe dieser Gedanke konkrete Gestalt angenommen, nachdem sich abgezeichnet hat, dass Jens Ehmke bei der Landesbaudirektion eine neue, interessante Aufgabe wahrnehmen kann. Mit Hans Reichhart an der Spitze des Verkehrs- und Bauministeriums war diese Lösung dann offensichtlich auch schnell realisierbar. Und Sauter betont, dass die Neubesetzung der Amtsspitze in Krumbach mit Weirather keineswegs als Übergangslösung gedacht sei.

In Mittelschwaben verwurzelt

Zurück nach Krumbach? Für Weirather selbst kam all das offenbar zunächst überraschend. Doch nach diversen Gesprächen hat sich der als sehr pflichtbewusst geltende Weirather schließlich dazu bereit erklärt und finanziell wird der Weg von der Regierung zurück ins Staatliche Bauamt für ihn kein Nachteil sein. Zudem ist Weirather in der Region Mittel- und Westschwaben nach wie vor fest verwurzelt. 1958 ist er in Fellheim bei Memmingen geboren. Dort wohnt er noch heute mit seiner Familie. In seiner Freizeit ist er oft mit dem Rad unterwegs. In früheren Jahren war er auch bei Kling Consult beschäftigt.

Große Straßenbauprojekte meistern, aber auch die Mitarbeiter mit Blick auf die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt im Amt halten: Das sieht Weirather als wichtige Aufgaben. Im Staatlichen Bauamt sind rund 100 Mitarbeiter beschäftigt. Zuständig ist das Amt, das die Bereiche Straßenbau und Hochbau betreut, für die Landkreise Günzburg, Neu-Ulm und Dillingen. Der Wechsel an der Spitze wichtiger Behörden in Krumbach erfolgt in der Regel im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im Stadtsaal. Weirather geht davon aus, dass es eine solche Veranstaltung diesmal eher nicht geben wird. „Und die Leute hier kennen mich ja“, sagt er.

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