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Krumbach

02.04.2019

Stummfilm mit Livemusik: bewegende Veranstaltung in Krumbach

Ohne jegliches Notenmaterial, aber mit sicherem Gespür für passende Registrierung setzte Kirchenmusiker Wolfram Seitz die auf der Leinwand aufgeführten Bilder und Handlungen in Töne und Klänge um.
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Ohne jegliches Notenmaterial, aber mit sicherem Gespür für passende Registrierung setzte Kirchenmusiker Wolfram Seitz die auf der Leinwand aufgeführten Bilder und Handlungen in Töne und Klänge um.
Bild: Claudia Bader

Ein 100 Jahre alter russischer Stummfilm über den Leidensweg Christi wird von Wolfram Seitz eindrucksvoll mit Orgelmusik untermalt.

Musik drückt vieles aus, was in Worten nicht gesagt werden kann. Töne und Klänge können Stimmungen erzeugen und Emotionen entfachen, die nicht zu beschreiben sind. Die Besucher die bei der Stummfilmvorführung „Der Galiläer“ in der Stadtpfarrkirche Maria Hilf dabei waren, erlebten eine bewegende Stunde, die das Leiden und Sterben Jesu nicht nur effektvoll vor Augen, sondern mit dem üppigen Farbreichtum der Orgel sowie intensiven klanglichen Nuancen auch zu Gemüte führte.

Für die tief gehende kirchliche Konzertstunde hatte Organisator Clemens Kraus mit dem Dirigenten der Chorgemeinschaft Liederkranz Krumbach, Wolfram Seitz, einen Meister an der Orgel gewinnen können. Obwohl der an die Oberammergauer Passionsspiele angelehnte Stummfilm des 1895 im ukrainischen Bila Zerkwa (damals zum russischen Zarenreich gehörig) geborenen Regisseurs Dimitri Buchowetzki bereits vor nahezu 100 Jahren mit relativ einfacher Technik gedreht wurde, hat er nicht an Intensität verloren. Der Film entstand 1921 in Deutschland, Buchowetzki war im Zuge der Russischen Revolution zunächst nach Polen, dann nach Deutschland emigriert (er starb 1932 in Los Angeles, USA).

Dass der auf einer Leinwand im Altarraum aufgeführte Leidensweg Jesu, der gläubigen Christen bereits aus dem Religionsunterricht und dem Gottesdienst vertraut ist, so eindringlich wirkte, ist vor allem der Untermalung auf der Orgel zu verdanken. Als Könner am königlichen Instrument setzte der Kirchenmusiker im manchmal rasanten Wechsel von Stimmungen und Gefühlen, die auf der Leinwand aufgeführten Bilder und Handlungen in Töne und Klänge um. Ohne jegliches Notenmaterial gelang es ihm, die Orgel in einer selten erlebbaren Klangvielfalt darzustellen.

Stummfilm mit Livemusik: bewegende Veranstaltung in Krumbach

Musik in Sekundenschnelle improvisiert

Mit scheinbar mehr als zehn Fingern und zwei Füßen improvisierte Seitz in Sekundenschnelle ein changierendes Klangkolorit, das ein breites Spektrum an Empfindungen und Eindrücken zum Ausdruck brachte. Zum Einzug Jesu in Jerusalem ließ die Orgel Jubel und Euphorie der zahlreichen Menschen auf der Leinwand mit kraftvollen Klängen durch den Kirchenraum strömen.

Die aufmerksamen Zuhörer konnten auch die Freude der Kranken, die von Jesus geheilt wurden, nachempfinden. Bedachtsam leise und meditativ gestaltete der Organist die Szene von Jesus und seinen Jüngern beim Abendmahl, ehe bedrohliche Töne auf den Verrat und die Gefangennahme im Garten Gethsemane einstimmten. Mit sicherem Gespür für passende Registrierung brachte Wolfram Seitz auch die Verurteilung Jesu und seinen Leidensweg zum Berg Golgatha in Klängen zum Ausdruck.

Die zum Leinwandtext „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, improvisierte Musik spiegelte Gnade und Erbarmen wider. Als sich der Himmel nach Jesu Kreuzestod verdunkelte, dröhnte die Orgel in dramatische Klangballungen. Nach Sekunden atemloser Stille beendeten Glockenläuten und der von Pater Stanislaw Rutka gespendete Segensgruß die gelungene Einstimmung auf die Passionszeit. Die Spenden der Besucher kommen der Außen- und Orgelrenovierung der Pfarrkirche Maria Hilf zugute.

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