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Krumbach

08.09.2014

Synagogen waren prägend für Hürben und viele Orte in Schwaben

Am Modell der ehemaligen Hürbener Synagoge (von links): Bürgermeister Hubert Fischer, Stellvertretender. Landrat Dr. Josef Langenbach, Willi Fischer vom Heimatverein, Dr. Benigna Schönhagen (Netzwerk Historische Synagogenbauten in Schwaben) und Museumsleiterin Anita Roth.
Bild: Manfred Keller

Eine Ausstellung im Heimatmuseum zeichnet die jahrhundertelange Entwicklung nach. Wie sich die „Erinnerungskultur“ nach dem Holocaust entwickelt hat

„Ma Tovu…Wie schön sind deine Zelte, Jakob…“. Der Titel klingt fremd. Aber er weckt Neugierde. Der Untertitel auf dem Einladungsprospekt klärt auf: Besagte Ausstellung im Mittelschwäbischen Heimatmuseum ist den „Synagogen in Schwaben“ – auch für Krumbach ein besonderes Thema – gewidmet. Die Thematik weckt weiteres Interesse. Beides, persönliche Neugierde und sachliches Interesse werden befriedet, bei der Einladung zum Rundgang durch die ebenso einzigartige wie umfangreich gestaltete Präsentation.

Dabei handelt es sich um eine vom „Netzwerk Historische Synagogenorte in Bayerisch Schwaben“ und dem Jüdischen Kulturmuseum Augsburg Schwaben unter Suzan Hazan und Dr. Benigna Schönhagen, der Leiterin des Jüdischen Kulturmuseums Augsburg Schwaben, konzipierten Wanderausstellung, die dank fleißiger Hintergrundarbeit von Heimatverein Krumbach und Mitarbeit durch das Mittelschwäbische Heimatmuseum für etliche Wochen im Museum Krumbach Station machen kann. Beziehungsreichen Grußworten durch Museumsleiterin Anita Roth, Stellvertretendem Landrat Dr. Josef Langenbach, Bürgermeister Hubert Fischer und Willi Fischer vom Heimatverein gelang die Einstimmung in Thematik und Ausstellung, waren so auch begleitende Ouvertüre für die fundierten Erläuterungen von Dr. Benigna Schönhagen zum Ausstellungskonzept mit einer Fülle an Wissenswertem zum einschlägigen Thema.

Bis zur NS-Zeit gab es im heutigen Regierungsbezirk Bayerisch-Schwaben tatsächlich auffallend viele Synagogen und bemerkenswert früh konnten Juden nach ihrer Ausweisung aus den Städten am Ende des Mittelalters hier auf dem Land eigenständige und repräsentative Synagogen errichten. Das führte zur Ausbildung eines „schwäbischen Synagogentypus“. Ausgehend von ihrer religiösen Funktion zeichnet die Ausstellung die architektonische Entwicklung der Synagogen in fünfzehn schwäbischen Orten nach, in der sich neben liturgischen Vorschriften vor allem das Selbstverständnis der jüdischen Gemeinden und der Grad ihrer Akzeptanz widerspiegeln.

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Ebenso wird dargelegt, wie nach der Zäsur des Novemberpogroms 1938 und dem Ende des Nationalsozialismus mit diesem jüdischen Kulturerbe umgegangen wurde und langsam daraus eine Erinnerungskultur wuchs. Die Ausstellung selbst besteht aus hochformatigen Schaubildern.

Auf knapp zwei dutzend dieser Präsentationsrollups werden sämtliche schwäbische Synagogenbauten beschrieben, von den Anfängen als einfache Betstuben und Haussynagogen, über die ersten eigenständigen Synagogenbauten seit Ende des 17. Jahrhunderts hin bis zum neuen Synagogenbau, zur Moderne in den Städten.

Eine eigene Abteilung ist ebenso der Synagogenkultur durch Zerstörungen und Plünderungen während des Novemberpogroms gewidmet. Mit Ausnahme von Kriegshaber wurden alle Einrichtungen bei dem Exzess zerschlagen. Der letzte Teil der Ausstellung fragt nach dem Umgang mit den Synagogengebäuden, die den Zweiten Weltkrieg überdauert haben. Er dokumentiert die Abrisse und Zweckentfremdungen, zeichnet die späte „Entdeckung“ der ehemaligen Synagogen nach und endet mit einem Ausblick auf aktuelle Konzepte.

Bei der Zeitreise in die Geschichte wird ausdrücklich immer auf wesentliche heimatgeschichtliche Aspekte hingewiesen (siehe dazu den Kasten). So gesehen, erlaubt das anschaulich vermittelte Wissen zu den schwäbischen Synagogen detailliert erweiterte Einblicke in religiöse und kulturelle Grundlagen des Judentums, zeigen aber dezidiert architektonische, wirtschaftliche und politische Besonderheiten auf.

Weitere die Ausstellung ergänzende Artefakte zur Hürbener Synagoge bereichern die Präsentation von Exponaten. Beim neugierig und interessierten Betrachten der aufwendig präsentierten Ausstellung verknüpft sich letztlich bislang bekanntes Wissen mit erweiterten Erkenntnissen zu ereignisgeschichtlichen Hintergründe in Bezug auf jüdische Geschichte: Der informative Streifzug durch die Kulturgeschichte des Landes mündet letztlich in erlebter Heimatgeschichte.

Die Einstimmung auf diese bemerkenswerte Zeitreise gelegentlich der Ausstellungs-Eröffnung gelang einfühlsam Florian Ewald mittels Klarinette und mit passenden Klezmerklängen. Gleichermaßen stilvoll endete der Rundgang mit einer Einladung des Heimatvereins, der den Gästen der Vernissage „koscheren Wein“ vom Berg Hermon darreichte.

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 5. Oktober 2014 zu besichtigen. Das Heimatmuseum ist wöchentlich von Donnerstag bis Sonntag, jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Ein Ausstellungskatalog kann erworben werden.

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