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Ulm

20.08.2017

Szenen einer Ehe-Hölle

Die Frau gibt vor Gericht an, dass ihr Mann sie mehrfach auf dem Wohnzimmerboden vergewaltigte.
Bild: Maurizio Gambarini dpa/lbn (Symbolfoto)

Ein 44-Jähriger aus dem Alb-Donau-Kreis soll seine Frau verprügelt und vergewaltigt haben. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Haftstrafe, doch vor Gericht bleiben Zweifel.

Eine Frau beschuldigte ihren Ex-Mann, sie geschlagen, gewürgt und vergewaltigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Freiheitsstrafe drei Jahren und drei Monaten für den 44-jährigen Angeklagten. Doch jetzt endete der Prozess vor dem Ulmer Schöffengericht mit einem Freispruch.

Der aus Kirgisien stammende Mann, ein Hüne mit Kampfsportausbildung soll im November 2010 seine gleichaltrige Frau in der gemeinsamen Wohnung in einem Ort im Alb-Donau-Kreis zusammen mit den beiden Kindern eingeschlossen haben. Nach Aussage des Opfers sei sie auf dem Wohnzimmerboden mehrfach vergewaltigt worden, wobei die Frau durch Schläge und Würgegriffe erheblich verletzt worden sei. Im Zeugenstand schilderte der heute 17-jährige Sohn, der zu seinem Vater keinen Kontakt mehr hat („Er hat unsere Familie zerstört“), wie er vor sieben Jahren das Geschehen erlebte. Seine Mutter habe nackt auf dem Boden gelegen und um Hilfe gebettelt, während der Vater sie an den Haaren aus dem Zimmer gezogen habe. Die Mutter der Ehefrau schilderte detailreich und schluchzend, wie ihre Tochter ihr verzweifelt gesagt habe, ihr Mann wolle sie umbringen. Sie verwickelte sich aber bei der Schilderung der Vorgänge von 2010 in erhebliche Widersprüche und wurde vom Richter mehrfach darauf hingewiesen.

Die Ehefrau erstattete vor sieben Jahren Anzeige. Vor der Amtsrichterin machte sie wenig später aber überraschend von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, sodass der Prozess zum Erliegen kam. Danach fand das Paar wieder zusammen. Als es Jahre danach wieder zu einem sexuellen Übergriff des Mannes auf seine Frau gekommen sein soll, zeigte sie ihn erneut an. Der Fall kam wieder ins Rollen.

Der Angeklagte sagte im Prozess vor dem Schöffengericht nicht aus, ließ aber durch seine Verteidigerin wissen, dass er seine Frau an jenem Novemberabend zwar geschlagen, aber nicht vergewaltigt habe. Laut seiner Erklärung soll eine Affäre seiner Frau mit einem anderen Mann die Ehekrise ausgelöst haben. An besagtem Abend sei er betrunken und „unendlich traurig“ gewesen.

Seine mittlerweile von ihm geschiedene Frau sagte am ersten Verhandlungstag aus, sie sei durch eine Ehehölle gegangen, als ihr Mann immer häufiger getrunken und in diesem Zustand aggressiv geworden sei. Die Kinder hätten diese Zustände auch mitbekommen. Als der Mann über herfiel, habe sie gedacht, jetzt müsse sie sterben. Im Zeugenstand betonte die Frau, dass sie heute nicht verstehen könne, dass sie damals zu ihrem Mann zurückgekehrt sei. „Das habe ich der Kinder wegen getan, und das war ein großer Fehler.“ Die Kinder wollen heute vom Vater nichts mehr wissen.

In seiner Urteilsbegründung hielt der Vorsitzende Richter die Schilderungen des Sohnes zwar für glaubhaft, den sexuellen Übergriff aber nicht ausreichend belegt. Auch die in sich widersprüchlichen Zeugenaussagen der Großmutter hätten nicht dazu beigetragen, das Geschehen von damals aufzuklären. Dem Richter fehlten bei der Aussage der Geschädigten der „Detailreichtum zum Kernvorwurf“ der Vergewaltigung. Auch die Spurensicherung am Tatort und die damalige ärztliche Untersuchung hätten keine Aufschlüsse über eventuelle Verletzungen gegeben.

So schloss sich das Gericht der Auffassung der Verteidigerin an, die auf die vielen Ungereimtheiten und die vagen und detaillosen Aussagen in diesem Prozess in ihrem Plädoyer hingewiesen und einen Freispruch gefordert hatte. Zwischen dem Angeklagten und seiner Ex-Frau stand schließlich Aussage gegen Aussage, sodass – in dubio pro reo – nur ein Freispruch möglich war und der Angeklagte als freier Mann das Gericht verlassen konnte.

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