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Handball-WM 2021

12.01.2021

"The show must go on": Das sagen Handballer aus dem Kreis Günzburg zur umstrittenen WM in Ägypten

Gut gemacht: Uwe Gensheimer beglückwünscht Antonio Metzner zu einem Torerfolg im Spiel gegen Österreich. Der 2,07 Meter große Rückraumspieler des HC Erlangen absolvierte am 10. Januar sein erstes Länderspiel. Gestern flog er mit dem deutschen Team zur WM nach Ägypten – mit „Bock auf mehr“, wie er sagte.
Bild: dpa

Plus Am Mittwoch beginnt die Handball-WM in Ägypten - trotz der grassierenden Corona-Pandemie. Auch Handballer in der Region blicken kritisch auf das Turnier.

So umstritten war wohl schon lange kein großes Handball-Turnier mehr. Wenn heute Abend Gastgeber Ägypten die Weltmeisterschaft der Männer gegen Chile eröffnet, schaut die von Corona gebeutelte Sportwelt besonders genau hin. Gerade in Deutschland steht das Turnier in der Kritik. Prominente Spieler wie Steffen Weinhold, Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler (alle THW Kiel) sagten ihre Teilnahme mit Verweis auf die Pandemie aus familiären Gründen ab. Auch Handballer aus dem Landkreis Günzburg schauen sich das Treffen der Weltstars in der Wüste mit gemischten Gefühlen an.

Pascal Buck vom VfL Günzburg versteht die WM-Absagen der Kieler Spieler

Pascal Buck (Rückraumspieler VfL Günzburg): „Wenn man sieht, wie viele Menschen in dieser Corona-Krise um ihre Existenzen bangen, kann man natürlich schon fragen: Muss das sein, dass man jetzt eine Weltmeisterschaft spielt? Als Handballer und Fan freue ich mich trotzdem darauf. Die Kieler Fraktion muss man verstehen. Das gilt auch für die Entscheidung der Handballer, in der Champions League für ihren Verein zu spielen. Da verdienen sie ihr Geld. Ich denke, es ist die schwerste Entscheidung für einen Spieler, nicht für sein Land anzutreten, aber aus meiner Sicht ist sie völlig verständlich.

Da uns der Kieler Block jetzt im Angriff wie in der Abwehr fehlt, wird es die deutsche Mannschaft in Ägypten sehr schwer haben. Die Vorrunde müssen wir allerdings ohne Wenn und Aber überstehen. Die einzige Hürde dürfte Ungarn sein, aber auch da sollten wir bestehen, um alle Punkte in die nächste Runde mitzunehmen. Danach ist viel möglich. Deutsche Mannschaften haben in Turnieren meistens guten Charakter bewiesen und besitzen immer Außenseiterchancen. Die Favoriten heißen aber Norwegen, Frankreich, Spanien und vor allem Dänemark.“

Handball-Urgestein Klaus Hornung aus Ichenhausen hätte gern Zuschauer bei der WM gesehen

Klaus Hornung (ehemaliger Bundesligaspieler aus Ichenhausen): „Ich freue mich darauf, dass endlich mal wieder Handball im Fernsehen kommt. Obwohl Handball ohne Publikum natürlich eine Farce ist. Unabhängig davon, dass ich es völlig absurd finde, so etwas ohne Zuschauer, ohne Theater rundherum auszuspielen. Aber wie heißt es: „The Show must go on“. Jedenfalls dürfte die Wahrscheinlichkeit groß sein, dass Geld das Wichtigste an dieser Weltmeisterschaft ist. Zumal sich kein nationaler Verband erlauben wird, nicht mitzuspielen. Insofern finde ich es sogar gut, dass es in der deutschen Mannschaft ein paar Jungs gibt, die sagen, sie machen wegen Corona nicht mit. Da gibt es meiner Ansicht nach gar nichts zu kritisieren.

Wer will schon sterben an dem Scheiß? Ob diese Spieler zu Hause bleiben oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Und die anderen? Es war doch gar nicht schlecht, was sie gegen Österreich gezeigt haben. Ich denke halt, dass sie für höhere Ziele noch zu grün sind. Aber man ist ja auch schon mal Europameister geworden, ohne im Vorfeld zu glauben, dass man gewinnen könnte. Und vielleicht spielen ja bei den anderen Ländern auch ein paar Stammkräfte nicht mit.“

Handball-WM 2021: Michael Thalhofer vom TSV Niederraunau traut den Deutschen einiges zu

Michael Thalhofer (Co-Trainer TSV Niederraunau): „An sich tut es gut, dass das Turnier stattfindet. Ich glaube, die Leute haben jetzt Lust auf Handball. Und wenn die Hygiene-Konzepte gut sind und die Rahmenbedingungen passen, kann man die WM aus meiner Sicht schon stattfinden lassen. Allerdings habe ich so meine Zweifel, dass in Ägypten alles perfekt umgesetzt wird. Bis vor Kurzem wollte man ja noch vor Zuschauern spielen, das wäre gar nicht gegangen. Da kann ich schon nachvollziehen, dass der ein oder andere deutsche Spieler abgesagt hat. Aber die meisten Stars, auch bei den anderen Teams, sind ja dabei. Deutschland hat auf vielen Positionen Weltklasse, vor allem im Tor und auf Außen. Auch der Rückraum hat sich zuletzt stark verbessert.

Schwachstellen sehe ich in der Abwehr und am Kreis. Eine Topplatzierung ist nur möglich, wenn die Spieler auf diesen Positionen über sich hinauswachsen. Vielleicht sind die Absagen für den ein oder anderen jüngeren Spieler auch eine Chance, aus dem Schatten zu treten. Deutschland ist auf jeden Fall in der Lage, die Topteams zu schlagen. Zu den Favoriten zähle ich aber Norwegen, Frankreich und Spanien. Ich werde mir jedenfalls die deutschen Spiele alle ansehen. Da ist das viele Homeoffice momentan von Vorteil. Schade nur, dass man es nicht, wie gewohnt, in größerer Runde sehen kann.“

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