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Krumbach

12.06.2018

Thomas Tuchel, Krumbach und eine französische Spurensuche

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Erinnerungen an Thomas Tuchels Zeit in Krumbach: Tuchels ehemaliger Sportlehrer Hans Komm (rechts) im Gespräch mit l´Equipe-Reporter David Fioux.
Bild: Peter Bauer

Wie der französische Journalist David Fioux die Heimat des gebürtigen Krumbachers Thomas Tuchel, der jetzt Paris trainiert, erlebt.

„Eigentlich ist es wie im Märchen“, sagt Sportlehrer Hans Komm. „2009 hat Thomas noch eine Autogrammstunde in Krumbach gegeben und seinem alten Lateinlehrer, Herrn Helmes, einen Gruß ausgerichtet. Und jetzt ist er der Fußballtrainer in Frankreich, beim Spitzenverein Paris Saint- Germain.“ Doch was ist von dem nun weltbekannten Fußballtrainer in seiner Heimatstadt Krumbach geblieben? Welche Spuren sind da noch? Um eine Antwort auf diese Fragen zu finden, kam der französische Journalist David Fioux mit dem Fotografen Etienne Garnier von Paris nach Süddeutschland und war unter anderem zu Gast in der Redaktion der Mittelschwäbischen Nachrichten.

Seit zehn Jahren arbeitet der 35- jährige Sportjournalist aus Bordeaux bei Frankreichs weltbekannter Sportzeitung „L’Equipe“. Und „seit zwei Wochen lebe ich praktisch mit Thomas Tuchel. Ich telefoniere mit ehemaligen Spielern, Geschäftsführern, dem Fernsehen, Experten und allen, die etwas über Thomas zu erzählen haben. Denn alle in Frankreich wollen wissen, wer ist dieser Thomas Tuchel“, sagt er. Anders als bei Trainern wie Pep Guardiola, die international bekannt seien, könnten sich die Leute Tuchel nicht vorstellen. „Die Leute fragen, was er gemacht hat, was er für einen Charakter hat, wie er lebt.“

Gerhard Ringler, Vorsitzender des TSV Krumbach, Tuchels Heimatverein, und Nachbar von Tuchels Eltern, sowie Hans Komm, sein ehemaliger Sportlehrer am Simpert-Kraemer Gymnasium (SKG) erzählen dem französischen Journalisten den Weg, den Thomas Tuchel in Krumbach gegangen ist.„Gibt es ein Symbol in Krumbach für Thomas Tuchel? Irgendetwas, das man sofort mit ihm in Verbindung bringt? Eine Kneipe, oder ein Ort? Irgendetwas?“ Die Antwort der beiden ist kurz und lautet: „Nein.“

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Am SKG hat Tuchel 1992 sein Abitur gemacht. „Schicki-Micki Thomas“, liest sein Sportlehrer Hans Komm aus der Abiturzeitung vor. „Ja er war schon ein bisschen arrogant. Aber nicht im negativen Sinne. Schicki-Micki wurde er auch genannt, weil er nie in Krumbach fortgegangen ist, sondern wenn, dann die Bars in Ulm besuchte.“ Komm zeigt den französischen Journalisten die Sporthalle des SKG. „Die Halle, in der Thomas seine Abiturprüfung im Volleyball absolviert hat, sieht noch genauso aus, wie damals.“, berichtet er. „Von den Lehrern am SKG kennt niemand mehr Thomas. Da bin ich wirklich der Einzige, der ihn noch unterrichtet hat.“

Auf dem TSV-Sportplatz hat Tuchel regelmäßig trainiert. Jeden Sonntagvormittag hätte er dort mit seinem Papa den Eckball trainiert, erinnert sich der TSV-Vorsitzende Gerhard Ringler. „Immer wieder hat Thomas geschossen, bis der Ball zum Elfmeterbereich kam. Da habe ich damals hinausgeschaut aus dem Fenster und dachte mir oh je, jetzt spielen die immer noch.“ Im Sportplatzbereich hat sich, so Sportlehrer Komm, seit der Zeit Tuchels kaum etwas verändert. Die Vereinswirtschaft von damals, in der Thomas – anders als die anderen – ausschließlich Wasser oder Spezi bestellt hätte, steht immer noch.

Die Kabinen des TSV sind immer noch die, in denen sich Thomas Tuchel zum Training oder zum Fußballspiel umgezogen hätte. „Genutzt werden sie allerdings nicht mehr“, berichtet Komm. Der Sportplatz des TSV, ein Ort, der voller Erinnerungen an Thomas Tuchel steckt. Und doch wundert sich der französische Journalist: „Gibt es hier denn keine Plakate von Tuchel?“ „Nein“, sagt Hans Komm. „Thomas hat mit dem TSV keinen Kontakt mehr. Er ist ja auch kaum mehr hier.“

Immer wieder würde Tuchel, so Komm, zu Veranstaltungen in Krumbach eingeladen werden, „doch er erscheint nicht.“ Zum 75-jährigen Jubiläum des SKG seien „berühmte Persönlichkeiten wie Theo Waigel oder Claudia Roth da gewesen. Thomas nicht, er hat eine Videobotschaft hinterlassen. Ein Satz. Da hätten wir mehr von ihm erwartet. Vielleicht ein Trikot. Aber, naja, ich verstehe es“, sagt Hans Komm. „Wir können uns alle gar nicht vorstellen, was Thomas alles zu tun hat.“

Vor ungefähr einem halben Jahr, hätte er, so Gerhard Ringler, zuletzt seine Eltern besucht. „Ich habe rasengemäht.“ Ringler lacht, als er weitererzählt: „Warum musst du denn jetzt rasenmähen, hat Thomas’ Vater zu mir herübergeschrien. Jetzt kommt doch der Thomas.“

Eine Autogrammstunde im Jahr 2009 sei, so Gerhard Ringler, Tuchels letzter offizieller Auftritt in Krumbach gewesen. Und dass Thomas Tuchel mit Krumbach nicht sehr verbunden ist, sei ja auch normal. „Nach der Schule ist er ja immer gleich nach Augsburg ins Fußballtraining. Und am Wochenende hatte er ja seine Fußballspiele. In Passau, Würzburg, oder Stuttgart. Zu manchen Spielen sind Thomas Eltern bestimmt 240 km einfach gefahren.“

Am Trainingszentrum in Paris würde Thomas Tuchel eine Wohnung suchen, verrät David Fioux. „Die Gegend dort ist wirklich schön. Es sieht fast ein bisschen so aus, wie hier.“ Ist Krumbach in den Augen des französischen Journalisten wahrhaftig das „kleine Paris“, wie eine Krumbacher Legende erzählt? David Fioux schmunzelt: „Paris vielleicht nicht, aber so ähnlich wie andere Kleinstädte in Frankreich. Er blickt auf sein Smartphone, tippt einige Buchstaben in ein Übersetzungsprogramm ein. „Ich suche das Wort auf Deutsch. Moment, jetzt habe ich es: ländlich. Es ist sehr ländlich hier.“

Und eine letzte Frage an den Sportexperten David Fioux bleibt: Ist der Krumbacher Thomas Tuchel der Richtige für Paris Saint-Germain? „Ja, sehr“, sagt er. „Es gibt nur wenige, die einen solchen Verein trainieren können. Ich habe immer wieder gehört, dass Thomas ein Fachmann sei mit hoher Kompetenz und jetzt nach den zwei Wochen, bin ich mir da sicher. Für seine Art werden die Spieler ihn respektieren.“ Auch die Menschen in Frankreich seien von Thomas Tuchel begeistert. „Der Guardiola der Zukunft, sagen viele.“

Als der französische Journalist an einer Wettannahmestelle in der Innenstadt vorbeiläuft und die Außenwand betrachtet: vollgeklebt mit Bildern bekannter Fußballer, wundert er sich erneut: „Eigentlich sollte hier doch auch Thomas Tuchel zu sehen sein.“

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