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Memmingen

21.08.2019

Tierschmuggel wird am Allgäu Airport zum größeren Problem

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2 Bilder
Welpe Luna entdeckten Zollbeamte in einem Koffer am Flughafen in Memmingerberg. Eine Frau hatte sich den Vierbeiner im Urlaub ausgesucht und ihn in ihre Reisetasche gesteckt.
Bild: Stefanie Rauh

Das Memminger Tierheim muss häufig illegal mitgebrachte Tiere am Flughafen beschlagnahmen. Es handelt sich nicht um exotische Arten, sondern um Hunde.

Es ist ein Bild, das manchen Urlauber aus Mitleid handeln lässt: In vielen Ländern werden Hundewelpen am Straßenrand verkauft – oft sind die niedlich wirkenden Tiere in einen viel zu kleinen Käfig gesperrt. Doch wer eines kauft, steht vor einem Problem: Der Import nach Deutschland ist an vielen Flughäfen verboten. Um dies zu umgehen, schmuggeln manche das Tier mit. Sie riskieren hohe Strafen: Bis 50.000 Euro können fällig werden, in krassen Fällen sogar Haftstrafen. Auch am Allgäu Airport in Memmingerberg fliegen Tierschmuggler immer wieder auf. „Viele denken, die drei Stunden wird das Lebewesen schon aushalten. Sie sind sich aber über die Folgen nicht bewusst“, sagt Wolfgang Courage, Vorsitzender des Tierschutzvereins in Memmingen.

Am Allgäu Airport wurden viele Tiere beschlagnahmt

Ein konkreter Fall ist der von Welpe Luna. Die Hündin landete in der Quarantäne des Memminger Tierheims als sogenannter Taschenhund. Zollmitarbeiter entdeckten den kleinen Hund. Sie informierten das Veterinäramt und dieses brachte Luna ins Tierheim. „Je größer der Flughafen wird, desto mehr Tiere werden hier ankommen“, befürchtet Tierpfleger Michael Knoll.

Meldet sich das Veterinäramt, so sind Mitarbeiter des Tierheims innerhalb von zwei bis drei Stunden vor Ort, um das Tier abzuholen. Wenn eines beschlagnahmt wird, reagieren die Besitzer laut Courage oft aggressiv. Um darauf vorbereitet zu sein, gibt die Kriminalpolizei den Mitarbeitern spezifische Schulungen. „Dieses Jahr haben wir viele Beschlagnahmungen“, sagt Knoll.

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Wohin mit den Vierbeinern: Tierheime sind überfüllt

Um die Urlaubszeit steigt die Zahl der Schützlinge im Tierheim um 75 Prozent – denn nicht nur beschlagnahmte Tiere kommen dort an, sondern auch solche, die gefunden oder abgegeben wurden. Gleichzeitig laufen gerade in dieser Phase des Jahres die Vermittlungen schleppend. In Memmingen warten aktuell elf Hunde, 75 Katzen und etwa 25 Kleintiere auf neue Familien. Sogar Wasserbewohner, wie 200 Goldfische, drei Teichschildkröten und Koi-Karpfen, stehen zur Vermittlung aus. „Wir haben sehr viele Katzen und es werden täglich mehr. Außerdem bekommen wir so viele Schildkröten wie noch nie“, sagt Knoll. Täglich rufe jemand an, der ein Tier gefunden hat. Erst kürzlich wurden sogar zwei Pythons und eine weitere Wasserschildkröte nachts anonym vor dem Heim abgestellt.

Besitzer der ausgesetzten Tiere melden sich selten

Einen weiteren Python fand eine Frau in Ottobeuren erst kürzlich in ihrem Garten. „Die Frau war total erstaunt, dass da eine Schlange in ihrem Garten ist“, sagt Johann Sauter, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Ottobeuren. Am Einsatzort fing die örtliche Feuerwehr den tierischen Besuch in der Gartenhecke ein. „Wir haben die Schlange mit einem Haken herausgeholt, sie war ganz brav“, sagt Sauter. Die Feuerwehrmänner verfrachteten die Schlange in eine Altpapiertonne, um sie dann in einen Karton umzusiedeln. Der Einsatz dauerte etwa eine Stunde. Die Polizei brachte das 1,5 Meter lange Reptil schließlich ins Memminger Tierheim. Auch für Courage ist der Schlangenbesuch im Tierheim ungewöhnlich: „Das ist ein Ausnahmefall, wir hatten noch nie drei Pythons gleichzeitig.“ Einen Zusammenhang zwischen den drei Schlangen kann Courage nicht herstellen. Die Einrichtung richte gerade größere Terrarienschränke ein, um für Schlangen gerüstet zu sein. Der Eigentümer hat jetzt zwei Wochen lang die Chance, sich zu melden. Danach wird nach einer neuen Unterbringung für die Reptilien gesucht. „Leider sind die meisten Zoos schon voll und können keine Schlangen mehr aufnehmen“, sagt Courage. „Aber wir werden einen Privatmann finden.“ Königspythons dürfen in Deutschland ohne Genehmigung gehalten werden.

Auch in Memmingen suchen noch viele Hunde ein Zuhause

Jährlich kommen und gehen zwischen 800 und 850 Tiere in der Memminger Einrichtung. Gründe für die Abgabe von Tieren sind unter anderem Urlaub, Trennungen, Geldnöte und Überforderung. Derzeit gibt es im Heim viel zu tun. „Ohne Gassi-Gänger und Ehrenamtliche wären wir Tierpfleger nur noch am Rotieren“, sagt Knoll.

Ein Bild dieser Arbeit können sich Interessierte bei einem Tag der offenen Tür am Sonntag, 8.September, machen. Gegen 11 Uhr findet an diesem Tag die „Wow-Wau-Show“ statt – ein Wettbewerb, bei dem Hundebesitzer ihre Lieblinge präsentieren dürfen.

Im Rahmen dieser Show werden auch Hunde vorgestellt, die auf ein Zuhause warten. Wer sich einen vierbeinigen Begleiter wünscht, kann im Tierheim fündig werden – und das ganz legal.

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