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Schattenspiel

18.03.2015

Treffer ins Schwarze

Beim Schattenspiel bleiben die Schauspieler hinter einer Leinwand. Ihre Bewegungen – beziehungsweise ihre Schatten – werden für die Zuschauer durch Lichtprojektion sichtbar. (Archivfoto)
Bild: Alexander Kaya

Theaterpädagogin Margret Wachter bringt Jugendlichen das Schattenspiel bei. Oft erlebt sie, wie sich die Kreativität ungehindert und ohne Scham entfalten kann.

Auf der Bühne küssen sich zwei Mädchen, doch keiner der Zuschauer bemerkt es, denn sie spielen Schattentheater. „Hier kann jeder seinen Ideen freien Lauf lassen“, sagt Margret Wachter. Die Theaterpädagogin aus Günzburg bringt Jugendlichen aus der Region das Schattenspiel bei. Dabei beobachtet sie auch immer wieder, wie frei sich die jungen Schauspieler dabei ausleben.

Kreativität und Ideen spielen bei dieser Form des Theaters eine große Rolle. Denn die Kulisse ist recht einfach und die Technik dahinter ist unkompliziert. Eine Lichtquelle und eine lichtdurchlässige Fläche sind nötig. „Im Notfall reichen auch eine Taschenlampe und ein Bettlaken“, erzählt die Theaterpädagogin, „und schon kann man loslegen.“

In ihren Gruppen gibt Wachter den Jugendlichen ein Thema vor, alles andere überlässt sie ihnen. „Dabei kommen tolle Sachen raus“, erzählt sie. In Erinnerung geblieben ist ihr eine Liebesgeschichte. Zwei Mädchen spielten einen Mann und eine Frau, die sich küssten. Kurz darauf stopfte sich eines der Mädchen ein Kissen unter ihren Pulli – sie war schwanger.

Die Geschichte endete mit einem Herzen, das die Hände formten. Außerdem hat sie schon ein Stück erlebt, in dem ein sexy Tanz mit einem Skelett stattfand und auch eine lustige Striptease-Show hat sich beim Schattentheater schon öfter angeboten.

Dabei geht es laut der Pädagogin nicht nur um die Geschichten und den Spaß, den die Schauspieler dabei haben. Es gehe auch darum, aus sich herauszukommen. „Ich habe schon sehr introvertierte Schüler erlebt, die hinter der Leinwand völlig aufgeblüht sind“, erzählt sie. Außerdem würden die Jugendlichen lernen, miteinander zu reden und aufeinander zu hören – selbst, wenn sie sich sonst nicht so gut verstehen.

Wer nicht die Möglichkeit hat, gemeinsam mit einer Gruppe einen Kurs, wie er bei Margret Wachter stattfindet, zu besuchen, kann auch auf andere Weise zum Schattentheater finden. Angefangen beim Schattenspiel mit den Fingern. Auch aus Papier kann man Kulisse schaffen, zum Beispiel einen Baum, oder einen Raben, der am Zaunrand sitzend finstere Stimmung verbreitet.

Mit der Größe der Gruppe wachsen die technischen Möglichkeiten. Auch hier hat die Theaterpädagogin bereits viel gesehen. Zusammen mit einer Gruppe haben sie verschiedene Lichtquellen so positioniert, dass eine große Achtklässlerin und eine etwas kleinere Fünftklässlerin auf der Leinwand für die Zuschauer exakt dieselbe Größe haben. „Wir können die physikalischen Gesetze problemlos aufheben“, sagt die Pädagogin.

Das hängt mit den Abständen zwischen Lichtquelle und Leinwand zusammen. So können Personen dick, dünn, klein oder groß gemacht werden. Das bietet mehr Platz für Kreativität. „Die Schüler brauchen keine Scham zu empfinden, denn niemand wird sie erkennen können“, erklärt Wachter.

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