Buchvorstellung

27.04.2019

Treffpunkt Krumbad

Pfarrer Dr. Franz Xaver Schmid erforscht das Wirken von Dr. Baptista Sproll.
Bild: Gschwind

Kardinal Faulhaber besuchte Bischof Sproll zum Gedankenaustausch

Am Palmsonntag 1937 wurde in allen katholischen Kirchen Deutschlands ein Rundschreiben Papst Pius XI. verlesen, das sich mit der Lage der katholischen Kirche in Deutschland befasste. Nach den ersten Worten der Enzyklika, die im Gegensatz zu den sonstigen Enzykliken nicht in Latein verfasst war, trägt das Rundschreiben des Papstes den Titel „Mit brennender Sorge“. Es ist eine mutige Verteidigung des katholischen Glaubens gegenüber dem Nationalsozialismus. Alle Proteste der Bischöfe gegen Konkordatsverletzungen blieben unbeachtet. Das veranlasste Kardinal Michael von Faulhaber und andere Bischöfe, den Papst, um ein deutliches Wort zu bitten. Ein Gespräch im Januar 1937 mit Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli führte zu Beauftragung Kardinal Faulhabers, den Text für ein Rundschreiben zu entwerfen.

Pfarrer Dr. Franz Xaver Schmid, der unermüdliche Sproll-Forscher, konnte nun überzeugend nachweisen, dass der Rottenburger Bischof Dr. Joannes Baptista Sproll einen wesentlichen Anteil an dem Text der Enzyklika hat. Sechsmal haben sich 1936 Bischof Sproll und Kardinal Faulhaber zu einem Gedankenaustausch über die aktuelle Lage der Kirche in Deutschland getroffen. So finden sich in den Tagebüchern Kardinal Faulhabers Einträge von Reisen ins Krumbad, um sich dort mit Bischof Sproll zu treffen. Bereits bei einer Predigt anlässlich der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda im Juni 1934 fand Bischof Sproll klare Worte gegen den Nationalsozialismus und seine Ideologie. Er stellte seine Predigt unter das Motto „Furchtlos und treu“. Während andere Bischöfe noch glaubten, dass das Konkordat von 1933 die katholische Kirche schütze, hatte Bischof Sproll keine derartigen Illusionen mehr.

Pfarrer Dr. Schmid gelingt es mit seinem Büchlein „Verborgener Inspirator“ nachzuweisen, dass sich Kardinal Faulhaber stark an Predigten von Bischof Sproll orientierte, sodass er zu dem Schluss kommt, Bischof Sproll habe einen wesentlichen Anteil an dem Text, den Kardinal Faulhaber verantwortet hat und der schließlich von Kardinal Pacelli vor der Veröffentlichung überarbeitet wurde. Es ist bemerkenswert, dass die Enzyklika in völliger Geheimhaltung entstand. Der Text kam in die Ordinariate, die sich um die Vervielfältigung kümmerten. Mit Boten auf Motorrädern wurde das Rundschreiben in die Pfarreien gebracht, die es wiederum versteckt hielten und teilweise sogar im Tabernakel aufbewahrten. Am Palmsonntag aber wurde das gesamte Schreiben verlesen. Es war erlaubt, wegen der Enzyklika die Palmprozession ausfallen zu lassen. In Berlin sorgte dieser Vorgang für höchste Empörung, denn Hitler und seine engsten Mitarbeiter wurden von dem päpstlichen Schreiben völlig überrascht. Das ganze Spionagenetz hatte versagt. Druckereien, die den Mut hatten, die Enzyklika zu drucken, wurden auf der Stelle geschlossen. Die ausländische Presse nahm von der päpstlichen Verlautbarung Kenntnis, ging aber sehr bald wieder zu anderen Meldungen über. Im Zusammenhang mit der Buchvorstellung in der Ulmer Wengenkirche wurde eine Skulptur des mutigen Rottenburger Bischofs gesegnet, der sich mehr als vier Jahre im Krumbader Exil aufhielt. An der Veranstaltung nahm auch der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg Erwin Teufel teil, der bei seinem Grußwort für die baldige Seligsprechung des Bekennerbischofs eintrat. Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart Dr. Gebhard Fürst hat in einem persönlichen Schreiben Dr. Schmid für sein neuestes Buch – es ist sein siebtes Sproll-Buch – gedankt und ihm viele Leser gewünscht. (Ludwig Gschwind)

, Verborgener Inspirator. Bischof Joannes Baptista Sproll und die Enzyklika „Mit brennender Sorge“ von Papst Pius XI. Kunstverlag Fink, 48 Seiten, 8.50 Euro, ISBN 978-3-95976-197-0

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