Newsticker
Heiko Maas bringt Regel-Lockerungen für Geimpfte ins Spiel
  1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Tuchel und das „ferne“ Krumbach

Tuchel und das „ferne“ Krumbach

Kommentar Von Peter Bauer
21.08.2020

Plus Mit Thomas Tuchel könnte am Sonntag in Lissabon ein Trainer, der aus Krumbach stammt, die Champions League gewinnen. Doch wer sich in Krumbach auf Spurensuche begibt, der spürt auch eine gewisse Distanz Tuchels zu seiner Heimatstadt.

Ein Sommertag im Jahr 2018 in Krumbach. Der Gast aus Paris wirkt ein wenig verzweifelt. „Gibt es denn hier in Krumbach nicht wenigstens ein Symbol für Thomas Tuchel? Irgendetwas, das man sofort mit ihm in Verbindung bringt?“ David Fioux ist Journalist für die weltbekannte Pariser Sportzeitung L’Equipe. Zusammen mit einem Fotografen ist er extra nach Krumbach gereist, Suche nach Spuren von Tuchels Kindheit und Jugend in der Stadt. Tuchel ist in diesem Sommer 2018 als Trainer des Fußballklubs Paris St. Germain verpflichtet worden. Allein die Tatsache, dass in deren Reihen mit dem Brasilianer Neymar der teuerste Fußballer der Welt kickt, deutet an, was das für eine sportliche Adresse ist. „Und jetzt wollen alle in Frankreich wissen, wer Thomas Tuchel ist und wo er herkommt“, sagt Fioux.

Das Poesiealbum von Martin Bosch, Krumbach, Schuljahr 1982/83. Grundschule Krumbach. Darin befindet sich auch ein Eintrag seines Schulfreundes Thomas Tuchel, heute Fußballtrainer von Paris St. Germain.
Bild: Peter Bauer

Krumbach und Tuchel: Das Bild muss unvollständig bleiben

Der Journalist hat in Krumbach, sagen wir, keine leichte Aufgabe. Thomas Tuchel schottet sein Privatleben bekanntermaßen ab, seine Eltern geben gegenüber den Medien über ihren Sohn seit Jahren keine Auskunft mehr. Dafür haben viele großes Verständnis. Aber für Journalisten macht das ihre Aufgabe natürlich etwas kniffliger – auch für David Fioux bei seinem Besuch in Krumbach. Er spricht mit etlichen Weggefährten Tuchels, aber sein „Krumbacher Bild“ von Thomas Tuchel muss unvollständig bleiben.

Schwierige Spurensuche in Krumbach: Tuchels ehemaliger Sportlehrer Hans Komm (rechts) im Gespräch mit l´Equipe-Reporter David Fioux, der im Sommer 2018 eine Geschichte über Tuchels Kindheit und Jugend schrieb.
Bild: Peter Bauer

Zugleich steht damit die Frage im Raum, wie das denn ist mit Tuchel und seiner Beziehung zu seiner Heimatstadt. Sein letzter öffentlicher Auftritt liegt viele Jahre zurück. Es war eine Autogrammstunde im Jahr 2009. Heimatgefühle? Natürlich war das damals bei seinem Besuch in Krumbach ein Thema. Er habe hier seine Kindheit und Jugend verbracht, seine Eltern seien in Krumbach immer fest verwurzelt gewesen, sagte er dazu. Aber es liege ihm fern, das „Thema melancholisch zu sehen“.

2009 wird Tuchel erstmals Bundesliga-Trainer

Tuchel, damals neuer Cheftrainer des Bundesligisten Mainz, sagte: „Ich lebe meinen Traum“. All das liegt Jahre zurück und diese Zitate sind naturgemäß nur Fragmente eines Gesprächs. Doch sie deuten die Persönlichkeit Thomas Tuchels an. Krumbach, das ist für ihn die intensive Beziehung zu seinem Elternhaus. Doch Tuchel und die Stadt Krumbach selbst: Das ist irgendwie eine „Krumbacher Ferne“.

Aber: Sehr viele Krumbacher werden Tuchel am Sonntag ganz fest die Daumen drücken, dass er „das Ding macht“ – auch wenn Bayern München der Gegner im Champions-League-Endspiel ist. In manchen Gesprächen ist da auch die Frage, wer denn der berühmteste Krumbacher überhaupt sei. Es ist vermutlich schon jetzt Thomas Tuchel. Am Sonntag kann er da sozusagen noch „einen draufsetzen.“ Und dass er sein Herz für Krumbach und den Landkreis dann einmal so richtig zeigt – das wünschen sich viele. Die Tore für den Mann, der aus „Klein-Paris“ nach Paris ging, sind in seiner Heimat ganz weit offen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren