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Feier

25.07.2015

Türkischer Pop, amerikanischer Soul

Bei Schülern und Elternbeirat gleichermaßen beliebt: Lehrer Umut Çaltak.
Bild: Marc Hettich

Tanzen wie Michael Jackson, Reden wie Atatürk. Zu Gast bei türkischen Elternbeiräten

Mit buntem Rock, Gitarre und Blumenkranz im langen Haar wirkt sie wie ein Hippiemädchen. Die zwölfjährige Selin Köklücan spielt ihr Instrument sehr routiniert. Alle Augen und Ohren sind bei ihr. Zusammen mit Merve Yavuz (ebenfalls 12) singt sie mit klarer Stimme den türkischen Popsong „Kanatlarim Var Rulumda“ von Nil Karaibrahimgil – gefolgt von Chaka Khans´ „Ain´t Nobody“ (unter anderem bekannt durch das Cover von Jasmine Thompson). Türkischer Pop trifft auf amerikanischen Soul.

Seele hatte nicht nur der Auftritt der beiden Mädchen, sondern auch die vielen anderen ambitionierten Darbietungen beim Jahresabschlussfest des türkisch-muttersprachlichen Unterrichtes im Stadtsaal Krumbach – darunter die Michael-Jackson-Tanzdarbietung des elfjährigen Yilmaz Polat, eine Sketcheinlage sowie der traditionelle Volkstanz einer Mädchengruppe.

Hinter der Bühne herrscht Aufregung. Immer wuselt irgendwo in den Treppen und Winkeln hinter dem Vorhang der Stadtsaalbühne eine Schar Kinder umher. Aufregung und Begeisterung liegen in der Luft. Einige Mamas dirigieren die Kleinen in Position. „Ich bin wahrscheinlich aufgeregter als die Kinder“, verkündet Derya Yüksel lachend. Die zweifache Mutter ist Mitglied im Elternbeirat.

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Der türkische Elternbeirat ist konfessionsübergreifend. Das bedeutet, dass hier Kinder und Eltern sowohl sunnitischer als auch alevitischer Ausrichtung zusammenfinden. Das sehr junge Team des Elternbeirats um Vorsitzende Sükran Yavuzsoy scheint die bisweilen vorhandenen Differenzen spielend zu überbrücken.

Großen Anteil am Zusammenhalt der Gruppe hat der Lehrer Umut Çaltak, der seit November den Unterricht hielt. „Mir ist wichtig, dass die Kinder auch ihre türkische Muttersprache beherrschen. Die Pisa-Studie hat gezeigt: So lernen Kinder auch Fremdsprachen deutlich leichter. Darauf aufbauend ist eine gute Integration möglich“, erläutert der Lehrer. „Umut Çaltak war ein Segen für uns“, zeigt sich Elternbeiratsmitglied Tanja Öksüz begeistert. „Er kann wirklich gut mit Kindern umgehen und hat mit seiner modernen, weltoffenen Einstellung dazu beigetragen, dass sich viele Eltern erst richtig kennengelernt haben. So sind echte Freundschaften entstanden. Wir wünschen ihm von Herzen alles Gute und viel Erfolg“.

Denn Umut Çaltak verlässt ab September Krumbach und geht nach Erding. Ähnlich wie den gegenwärtigen Krumbacher Imam Zekeriyya Karagöz hat ihn das türkische Konsulat für fünf Jahre nach Deutschland geschickt. Während der Imam für die religiösen Belange zuständig ist, hat der Lehrer die Aufgabe, den Kindern die türkische Sprache, aber auch die türkische Kultur nahezubringen. Viele in Deutschland lebende, türkischstämmige Menschen haben das Problem, in Deutschland nicht als richtige Deutsche und in der Türkei nicht als echte Türken betrachtet zu werden. Die eigenen Wurzeln kennenlernen, aber auch die Anpassung an ihr Geburtsland Deutschland nicht vernachlässigen – so soll heutigen Kindern diese Problematik erspart bleiben. „1978 war Herr Ringler schon mein Sportlehrer“, erinnert sich Selcuk Karakus. Der Kulturmittler des Landkreises Günzburg verabschiedete den stellvertretenden Grundschulrektor Georg Ringler in den Ruhestand. Dieser stellte fest, dass es Begegnungen nicht nur in der Schule, sondern auch beim Fußball gab. Schmunzelnd kommentierte er, dass die Ergebnisse beim Fußball bisweilen die besseren gewesen seien. Bürgermeister Hubert Fischer und Integrationsbeauftragter Meinrad Gackowski bedankten sich für das Engagement des türkischen Elternbeirates und betonten die Wichtigkeit guter Bildung als Erfolgsgrundlage. Schulamtsdirektor Josef Seibold zitierte den Reformator und Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk: „Yurtta bar, dünyada bar“: Frieden im eigenen Land, Frieden überall. Leyla Yesilyurt (Vorsitzende der alevitischen Gemeinde Krumbach) und Alper Yilmaz (Vorsitzender Ditib Krumbach) überreichen jedem Kind ein Zeugnis. Schüchtern linsen die Schüler über den Rand ihrer Urkunden. Manches kleine Gesicht erstrahlt vor stolzem Lächeln. Glücklich wirken sie alle. Imam Karagöz verneigt sich respektvoll vor einer Schülerin. Auch ihm ist wohl klar, dass eine umfassende Bildung die beste Grundlage für gute Integration und ein zufriedenes, erfolgreiches Leben in Deutschland ist.

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