1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Und überall im Land grüßt Charles Aznavour

Vortrag

23.11.2016

Und überall im Land grüßt Charles Aznavour

Copy%20of%20P1020485.tif
2 Bilder
Mit dem Zelt und meistens zu Fuß: Alfred Kalischko und Werner Diesenbacher waren 2011 in Armenien unterwegs.
Bild: Sammlung Kalischko

Alfred Kalischko und Werner Diesenbacher waren wochenlang in Armenien unterwegs. Erzählt wurde das bei den Kulturgesprächen

Was bewegt einen, nach Armenien zu reisen? „Das wissen wir zwei auch nicht“, bemerkte Alfred Kalischko am Sonntag im Haus „Beim Schwung“ in Thannhausen, der mit Werner Diesenbacher dort unterwegs war. Weil es in dem Land noch urtümlich zugeht? Vielleicht. Tatsache sei: „Es verirren sich nur wenige nach da unten.“

Armenien liegt zwischen Georgien, Aserbeidschan, der Türkei und dem Iran. Das schon sehr früh christianisierte Land liegt aber auch im Grenzgebiet der einstigen großen Kulturen: Rom und Persien, den Berg Ararat auf türkischer Seite. Von den rund drei Millionen Einwohnern leben etwa 1,3 Millionen in der Hauptstadt Eriwan. Dort, wo überall auch Charles Aznavour präsent ist. Der französische Chansonnier hat armenische Wurzeln.

36 Buchstaben hat das armenische Alphabet. Kalischko berichtet von den Straßenschildern, die alle armenisch geschrieben sind. Doch nicht die Stadt war das Ziel der beiden Thannhauser, sondern das Land selbst. Das Land der Steine und der Disteln in allen Variationen. Aber auch das Land unbeschreiblicher Landschaften aus Bergen, tiefen Schluchten und Seen, die manchmal erst sichtbar werden, wenn der Nebel sich verzogen hat. Die Bilder am Sonntag von der Reise zeigten es. Zwei Wochen waren sie mit einer Reisegruppe unterwegs, durch teilweise menschenleeres Gebiet, vorbei an den letzten Nomaden der Erde, für die einziges Fortbewegungsmittel entweder der Fuß oder das Pferd sind.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Einem Jungen hatten die beiden Thannhauser einen Block und einen Markierstift geschenkt. Der Block wurde gar nicht beachtet, der Markierstift diente letztendlich dazu, Arme und Gesicht bleibend für die nächsten Monate farblich zu verzieren. „Man steht mit der Sonne auf und legt sich nieder, wenn sie untergeht“, erzählt Alfred Kalischko. Und dies sehr zum Missfallen der Lehrerin aus Düsseldorf, die das geschäftige Treiben von ihm und Werner Diesenbacher morgens um fünf nicht so recht verstehen wollte. Die Bilder zeigen aber auch anderes: Häuser, zumeist aus Holz und mit viel Glas, die dem Verfall preisgegeben sind. In Armenien werde keiner reich. Geld komme, wenn überhaupt, dann, wenn Armenier aus dem Ausland zurückkämen. Traktoren sind selten. Die wenigen, die es gibt, seien noch von Russland übrig geblieben. Allerdings: „Je ärmer das Land, umso größer die Gastfreundschaft.“ Alfred Kalischko berichtet von der Frau, die selbst nichts hatte, der Gruppe dennoch Tee, Kaffee und selbst gebackene „Plätzla“ anbot.

Während das Land im Süden sehr karg ist – „ab 20 Zentimeter über der Grasnarbe hört’s auf“, ist es im Norden bewaldeter. Die Araratebene ist fruchtbar, und von den Kleinbauern habe jeder genügend zu essen. Was übrig bleibe, werde verkauft. Es gebe alles, Obst, Wein und Fleisch. Was die Armenier brauchten, produzierten sie selbst. Und geschäftstüchtig sei so mancher auch. Alfred Kalischko erzählt von der Friedenstaube, die man für umgerechnet einen Euro erwerben und für einen Moment in den Händen halten konnte. Kurzerhand flog der Taubenvogel zurück zu seinem vorherigen Besitzer und schlüpfte nur wenige Minuten später wieder in die Rolle einer neuen Friedenstaube.

Mitgebrachte Bilder zeigen die alte Stadt Etschmiadsin, wo sich das Grab der heiligen Hripsime befindet, und Klöster – an die 25 seien es gewesen, an denen die Reise vorbeiführte. Darunter auch das Kloster Tatew, das bei den Armeniern als eine Art Wallfahrtsort gilt.

Nicht alle Länder hätten profitiert, nachdem sie weg von der UdSSR seien, bemerkt Alfred Kalischko. Dafür zeichne das Land eines aus: „Es pressiert net.“

Für ihn und Werner Diesenbacher war es auch eine Zeit ohne Fernseher, ohne Radio und ohne Handy, mit dem Zelt und zu Fuß. Lediglich ein paar Mal habe man sich ein Bett in einem Hotel gegönnt.

Die karge Landschaft und vor allem die uralte Kultur habe sie interessiert, erzählt eine Besucherin aus Ziemetshausen. „Ich habe Armenien ein weiteres Mal positiv erlebt“, sagt eine Burtenbacherin, die das Land schon einmal besucht hat. Und auch sie bestätigt: „Die Armenier sind einfach entspannt – und sie haben Zeit.“

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Unfall_Oxenbronn_Apr18_5.tif
Landkreis Günzburg

Karambolagen: So schneidet der Landkreis Günzburg in einer Studie ab

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen