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Krumbach

17.01.2020

Vater und Sohn aus Krumbach reisen ans Ende der Welt

Marco und Armin Thalhofer am Salar de Uyuni in Bolivien, dem mit mehr als 10000 Quadratkilometern größten Salzsee der Welt.
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Marco und Armin Thalhofer am Salar de Uyuni in Bolivien, dem mit mehr als 10000 Quadratkilometern größten Salzsee der Welt.

Plus Weltenbummler Armin Thalhofer aus Krumbach hat in Südamerika seinen Sohn Marco getroffen. Gemeinsam sind sie mit ihren Motorrädern auf dem Kontinent unterwegs.

Armin Thalhofer aus Krumbach ist seit Anfang April 2019 mit dem Motorrad unterwegs. Einmal um die Welt soll es gehen. Nach Afrika bereist er seit Oktober Südamerika. Dort hat er sich mit seinem Sohn Marco getroffen, der ihn durch den Kontinent begleitet. Sie haben sich von Buenos Aires in Argentinien zunächst nach Norden durch Uruguay zu den Iguazú Wasserfällen in Brasilien bewegt, um dann über Paraguay und das östliche Argentinien Richtung Süden in Feuerland das „Ende der Welt“ zu sehen. Jetzt arbeiten sich der 53-Jährige und der 23-Jährige wieder Richtung Norden zurück und sind derzeit in Bolivien.

Wie sind Sie beziehungsweise das Motorrad von Afrika nach Argentinien gekommen?

Thalhofer: Ich bin von Kapstadt aus nach Buenos Aires geflogen. Meine Dicke habe ich per Luftfracht dorthin bringen lassen.

Vater und Sohn aus Krumbach reisen ans Ende der Welt

Wie war Ihr Start auf dem Kontinent?

Thalhofer: Der Start war ein wenig holprig. Zuerst hatte mein Bike Verspätung und wir mussten deshalb mehr als eine Woche im Hostel in Buenos Aires verweilen, in dem wir dann noch Hochwasser nach heftigen Niederschlägen hatten. Wir starteten dann bei strömendem Regen und Brasilien hatten wir innerhalb zwei Tagen je einen Platten, bei Marco führte dieser sogar zu einem Sturz, der aber glücklicherweise keine schwerwiegenden Folgen hatte. In Paraguay erwischte Marco dann wohl ein Hitzschlag, nachdem wir an der Grenze von Brasilien nach Paraguay mehr als zwei Stunden in der prallen Sonne bei schwülen 44 Grad warten mussten und zu wenig zu trinken hatten.

Wie sah Ihr Reiseplan dann aus? Durch welche Länder und Landschaften sind Sie gereist?

Thalhofer: Ursprünglich wollten wir uns direkt Richtung Süden aufmachen. An Marcos Geburtstag lernten wir in Buenos Aires einen Uruguayer aus Montevideo kennen, der uns spontan eingeladen hat. Dort entschieden wir uns dann, einen „Umweg“ über das südliche Brasilien zu den imposanten Iguazú Wasserfällen zu nehmen, bevor wir dann über Paraguay wieder nach Córdoba in Argentinien gereist sind. Von dort aus machten wir uns auf direktem Weg nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt. Dort ließen wir es uns auch nicht nehmen, an den südlichsten anfahrbaren Punkt zu fahren und dort unser wohl für immer südlichstes Nachtlager aufzuschlagen. Ein sehr bewegender Moment für uns. Von dort aus hat sich für mich nach fast acht Monaten meine Hauptreiserichtung von Süd auf Nord gedreht. Wir sind dann immer im Wechsel zwischen Argentinien und Chile bis aktuell nach La Paz in Bolivien gereist. Wir haben viele unvergessliche Momente auf dieser Reise erlebt. Raue und windige patagonische Landschaft in Argentinien, ein frühlingshaft blühendes Chile auf der anderen Seite der Anden, beeindruckende und weiter nördlich faszinierend farbige Berg- und Vulkanlandschaften immer gepaart mit unglaublich schönen und verlassenen Plätzen zum wild campen. Im Dezember hatten wir beispielsweise 22 Nächte im Zelt, die meisten davon in wilder Natur.

Auf der Südhalbkugel ist derzeit Sommer. Aber ein Sommer auf Feuerland bedeutet wohl nicht wirklich, dass es dort warm ist. Auf dem Motorrad und vor allem, wenn man teilweise im Zelt übernachtet, spielt das Wetter eine nicht unbedeutende Rolle. Hatten Sie bislang Glück oder gab es auch schon triste Momente?

Thalhofer: Ja, auf Feuerland ist der Sommer nicht wirklich Sommer, wie wir uns diesen vorstellen. Temperaturen von 20 Grad sind eher selten, meist bewegt sich das Thermometer zwischen 10 und max. 15 Grad, wir hatten aber auch Graupel bei nur 3 Grad und das oftmals gepaart mit dem berüchtigten patagonischen Wind. Auf dem Motorrad und beim Zelten spürt man das direkt. Einen tristen Moment erlebten wir bisher nur einmal. Wir campten an einem wunderschönen See, saßen bis nachts um elf mit T-Shirt im Freien. Etwa eine Stunde, nachdem wir uns schlafen legten, kam ein starker Sturm auf. Wir mussten uns mehr als sechs Stunden in unseren beiden Zelten gegen den Sturm stemmen und diese von innen stabilisieren, da alle Heringe aus dem sandigen Boden gerissen wurden. Bei Dämmerung packten wir dann erschöpft so gut es ging zusammen und verließen den Ort ohne eine Minute Schlaf. Das zehrte gewaltig an der Substanz. Sonst hatten wir alles in allem bisher Glück mit dem Wetter und relativ wenig Regentage.

Material und Gesundheit spielen bislang mit?

Thalhofer: Grundsätzlich ja. Wir mussten in Chile an beiden Bikes unsere Simmerringe an den Gabeln tauschen lassen, was aber durch die Beanspruchung mit viel Sand und Staub als Verschleiß zu werten ist. Bei mir musste das vordere Zentralfederbein in Santiago dann auf Garantie getauscht werden. Scheinbar habe ich meiner Dicken manchmal etwas zu viel auf den teils üblen Pisten in Afrika und auch hier zugemutet. Gesundheitlich hatten wir bisher keine ernsthaften Probleme.

Unruhen in Chile und Bolivien

In Argentinien haben Sie die Wahlen im Oktober und eine Inflationsrate, die bei 50 Prozent lag, miterlebt. In Chile hören Proteste und gewaltsame Unruhen, die im Oktober durch eine Erhöhung der Metropreise ausgelöst wurden, nicht auf. In Bolivien musste Präsident Evo Morales im November zurücktreten und floh ins Exil. Auch hier gibt es immer wieder Unruhen. Hatte das Auswirkungen auf Ihre Reise? Haben Sie sich unsicher gefühlt, hatten Sie Probleme oder mussten Sie Pläne ändern?

Thalhofer: Das meiste dazu haben wir aus der Presse oder bei Gesprächen mit Einheimischen mitbekommen, aber nicht wirklich was davon vor Ort bemerkt. Hin und wieder haben wir kleinere Demos erlebt und vor allem in Chile sind in den größeren Städten fast alle Geschäfte und Banken verbarrikadiert. Aber selbst in Santiago war es friedlich und ruhig, als wir dort waren. Und in Bolivien ist es bisher ebenso ruhig. Wir fühlten uns bisher nie unsicher. Die Inflation in Argentinien bemerkten wir vor allem bei unseren täglichen Recherchen. Alle Angaben zu Preisen, die älter als ein paar Monate sind, waren meist deutlich überholt.

Der Pass Agua Negra und Bolivien im Allgemeinen liegen ja sehr hoch. Wie vertragen Sie die Höhe?

Thalhofer: Ja in der Tat, wir bewegen uns seit mehr als einer Woche permanent auf einer Höhe zwischen 3500 und teils deutlich mehr als 4000 Metern. Wir haben überraschend wenig Probleme. Kein Kopfweh, keine Schwindelgefühle und auch kein Unwohlsein. Aber, wenn man sich ein wenig anstrengen muss, merkt man die dünne Luft in dieser Höhe. Als wir La Paz besichtigt haben und in weiten Teilen zu Fuß unterwegs waren, haben wir gemerkt, wie anstrengend das dauernde Auf und Ab ist. So mancher Einheimischer ist an uns an Treppen locker vorbei gegangen, wo wir merklich nach Luft rangen.

Wie erleben Sie die Menschen in Südamerika?

Thalhofer: Für mich ist es hier ganz anders als in Afrika. Hier sind die Menschen zwar auch alle freundlich und viele sind interessiert an unseren Motorrädern und wo wir her kommen, allerdings war es bis kurz vor Bolivien eher „europäisch“ und wir sind hier nicht die exotischen „Außerirdischen“ wie es mir oft in Afrika ergangen ist. Zudem war der Kontakt zu den Einheimischen in Afrika für mich viel intensiver. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich dort meist alleine unterwegs war, die Sprache für mich kein allzu großes Hindernis war und die Menschen hier Touristen in einer viel größeren Anzahl als in den ostafrikanischen Ländern gewohnt sind. Wir treffen hier oft am Tag auf mehr Reisende, als ich in Afrika die fast sechs Monate.

Und wie ist das, wenn Vater und Sohn zusammen reisen? Haben Sie einen gemeinsamen Rhythmus gefunden?

Thalhofer: Unbeschreiblich! 24 Stunden am Tag diese unzähligen schönen Momente gemeinsam erleben zu dürfen, kann ich nicht wirklich in Worte fassen. Für mich ist es ein ganz großes, unbezahlbares Geschenk. Anfangs mussten wir uns etwas aufeinander einspielen. Marco kam ja ausgeruht und voller Tatendrang von daheim und ich hatte nach sechs Monaten on Tour bereits meinen Rhythmus gefunden.

Wie haben Sie Weihnachten und Silvester fern ab der Heimat verbracht?

Thalhofer: Weihnachten haben wir gemeinsam mit neuen Freunden aus der Schweiz und aus England, die wir auf der Reise kennengelernt haben, in Bariloche, Argentinien gefeiert. Wir hatten uns dort über die Tage ein Haus gemietet und jeder war mal mit Kochen dran, so gab es internationale Kost. Silvester haben nur wir beide unser Nachtlager auf einem Pass zwischen Argentinien und Chile auf knapp 3600 Metern aufgeschlagen. Ein gigantischer Sternenhimmel samt Milchstraße war unser persönliches Feuerwerk.

Der Vulkan Lonquimay beeindruckt

Was hat Sie am meisten beeindruckt?

Thalhofer: Wir ticken hier glücklicherweise gleich, sind beide eher Kulturbanausen und erfreuen uns vor allem an der Natur, die uns bisher am meisten beeindruckt hat. Die Anden sind unfassbar gewaltig und vielfarbig, die Vulkane Llaima und Lonquimay, letzterer mit seinem gewaltigen Lavastrom vom letzten Ausbruch 1988, an dem wir 10 Kilometer entlang fuhren, hat zum ersten Mal all meine Erlebnisse in Afrika getoppt. Des weiteren haben wir sehr viele „Langzeitreisende“ getroffen. Beeindruckend wie viele Menschen jeden Alters sich für eine mehr oder weniger lange Reise entscheiden und dafür Job, Karriere und ihr bisheriges Leben zurücklassen. Und der Gesprächsstoff ist da natürlich nahezu unerschöpflich.

Gibt es auch Dinge, die frustrierend waren?

Thalhofer: Bis auf die verzögerte Lieferung meines Bikes, die hohe zusätzliche Kosten zur Folge hatte und zudem noch leicht beschädigt war, nicht wirklich.

Wie viele Kilometer sind Sie bis jetzt gefahren? Wie weit waren Sie gemeinsam unterwegs?

Thalhofer: Seit meinem Start bin ich fast 50000 Kilometer gefahren und saß dabei mehr als 830 Stunden im Sattel. Gemeinsam sind wir nun gut 19000 Kilometer unterwegs.

Die Death Road auf dem Plan

Wie soll es weitergehen? Was planen Sie bis zur Rückreise von Marco im März?

Thalhofer: Von La Paz aus wollen noch über die berüchtigte Death Road und in die ersten Ausläufer des Amazonas-Dschungel und dann über den Titicacasee weiter nach Peru, Ecuador und vielleicht noch nach Kolumbien, wenn die Zeit dafür noch ausreicht. Wir werden sehen, wie weit wir kommen, da es noch so viel zu sehen gibt bis dahin. Die Zeit ist leider nicht ausreichend, um alles zu schaffen.

Mehr zu den vorangegangenen Etappen:

Von Krumbach nach Südafrika: Ein Etappenziel ist erreicht

Von Krumbach aus mit dem Motorrad um die Welt

Mehr zur Tour auf seiner Homepage

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