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Verkehr im Landkreis Günzburg: Wohin mit all den Autos?

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Kommentar Von Christian Gall
15.06.2019

Die Zahl der Fahrzeuge im Landkreis Günzburg steigt immer weiter. Grenzenlos kann dieses Wachstum nicht sein. Es müssen Ideen her, um die Auto-Flut einzudämmen.

Stellen Sie sich vor, Sie leben in einem Ort mit 5000 Einwohnern. Alle vier Jahre wächst die Bevölkerung um neun Prozent – nach vier Jahren wohnen dort 5450 Menschen, nach acht Jahren 5941, nach zwölf 6475 und so weiter. Mit der Zeit wird es eng, denn der Wohnraum wächst nicht automatisch mit der Bevölkerung mit. Ein ähnliches Bild zeigt sich auf den Straßen des Landkreises Günzburg. Innerhalb der vergangenen vier Jahre ist die Anzahl der Fahrzeuge um rund neun Prozent gewachsen. Und es wird immer enger.

Kapazitäten von Straßen lassen sich nicht beliebig erhöhen. Zwar kann eine Autobahn um eine Fahrspur verbreitert werden, doch bei Land- oder Gemeindestraßen ist das baulich oft nicht umsetzbar. Zusätzliche Straßen können die Bestandsstrecken zwar entlasten, doch müssen auch diese erst aufwendig realisiert werden – was nicht nur teuer ist, sondern auch viel Fläche versiegelt.

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Wohin also mit dem ganzen Verkehr? Das ist eine Frage, auf die es keine einzelne Antwort gib, denn die Lösungsvorschläge sind ebenso vielschichtig wie der Verkehr selbst. Der Schwerverkehr etwa könnte noch stärker in der Nacht fließen oder auf die Schiene verlegt werden. Doch Nachtfahrten sind teuer und anstrengend für Fahrer. Und die Schienenkapazitäten der Bahn stoßen bereits jetzt an ihre Grenzen.

Öffentlicher Nahverkehr hat auch seine Nachteile

Den größten Teil der Verkehrsbelastung macht jedoch der Personenverkehr aus. Täglich müssen ganze Heerscharen an Menschen von A nach B kommen. Die Bündelung des Verkehrs erscheint darum sinnvoll – anstelle, dass Dutzende Personen einzeln mit dem Auto fahren, setzt man sie gemeinsam in einen Bus oder Zug. Doch der öffentliche Personennahverkehr hat im Vergleich zum Individualverkehr seine Nachteile: mangelnde Flexibilität, da man sich nach einem Zeitplan richten muss; fehlende Verfügbarkeit, wenn kurzfristig eine Fahrt notwendig ist.

Der Nahverkehr der Zukunft, wie ihn Verkehrsexperten wie BBS-Chef Josef Brandner gestalten wollen, setzt auf eine Mischung von Verkehrsmitteln. Lange Strecken werden in diesen Systemen in der Regel mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt während das letzte Stück zum Ziel, oft als „letzter Kilometer“ bezeichnet, mit Individualverkehr zurückgelegt wird – etwa mit einem kurzfristig verfügbaren Leihfahrrad. Gleichzeitig eröffnet auch der technische Fortschritt neue Möglichkeiten. Dabei muss es nicht nur um autonome Fahrzeuge gehen – alleine die Möglichkeit, dass Fahrgäste einem Busfahrer jederzeit mitteilen können, wann sie welche Fahrt nutzen wollen, ist eine Errungenschaft, die vor einigen Jahrzehnten nicht möglich gewesen wäre.

Wie Elektro-mobil ist der Landkreis Günzburg?

Neue Ideen müssen die Masse des Verkehrs eindämmen

Doch genügt all dies, um die Straßen vor einer völligen Überflutung zu schützen? Vielleicht. Vielleicht gilt es aber auch, die Anzahl der Fahrten grundsätzlich zu reduzieren. Menschen müssen etwa nicht in die Arbeit pendeln, wenn sie zumindest an einigen Tagen in der Woche im Homeoffice arbeiten. Und womöglich ersetzt auch ein Lebensmittel-Bringdienst die Fahrt jedes Einzelnen zum Supermarkt. So oder so – wir müssen uns etwas einfallen lassen, um auch in Zukunft mobil zu bleiben.

Lesen Sie dazu den Artikel: Wie Elektro-mobil ist der Landkreis Günzburg?

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