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Landkreis Günzburg

20.05.2015

Vermieter zwang Frau zu Oralsex

Ein Mann stand vor dem Günzburger Amtsgericht.
Bild: Alexander Kaya (Archiv)

Lange beschuldigte der Angeklagte sein Opfer. Nach eindringlicher Ermahnung gestand er doch und kam gerade noch mit einer Bewährungsstrafe davon.

Unter dem Vorwand, er müsse Fenster vermessen, kam er zu seiner Mieterin in die Wohnung, schubste sie auf das Sofa, packte sie, zwang sie zum Oralverkehr und fasste sie an intimen Körperstellen an. „Jede Frau liegt mir zu Füßen“ – das soll der Angeklagte laut der von Oberstaatsanwalt Dr. Christoph Ebert vorgetragenen Anklage gesagt und der Frau mit dem Verlust der Wohnung gedroht haben, wenn sie nicht gefügig wäre. Jetzt stand der Vermieter vor Gericht.

Bis fast zuletzt stritt er alle Vorwürfe ab und stellte die Frau als Lügnerin dar. In der Hauptverhandlung vor dem Günzburger Schöffengericht räumte der 50-jährige Mann, der eine Frau zum Oralverkehr gezwungen hatte, die Vorwürfe dann aber doch ein. Er kam mit einer Bewährungsstrafe davon – aber es war äußerst knapp für den Angeklagten.

Nur mühsam rang sich der Mann – ein verheirateter Vater von vier teilweise schon erwachsenen Kindern – zu einem Geständnis und zu einer Entschuldigung bei der Frau durch, die als Nebenklägerin im Gerichtssaal ihrem Peiniger gegenüber saß und nervös ein Taschentuch in den Fingern knetete. Sichtlich schwer fiel es dem Angeklagten, mehr als ein allgemeines Bedauern zu äußern für das, was sich im Februar 2014 im südlichen Landkreis zugetragen hatte.

Nebenklagevertreter Kurt Hank sprach von „krimineller Gewalt“. Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung sei „in gröblichster Weise“ verletzt worden. Zusätzlich gelitten habe die Frau, weil der Angeklagte trotz deutlicher Spurenlage die Tat abgestritten und die Schuld der Frau zugeschoben hatte. „Sie ist bisher immer als Lügnerin dargestellt worden“, sagte Hank.

Vor dem Schöffengericht gestand der 50-Jährige dann zwar, viel mehr als allgemeine Worte wollte er sich aber nicht abringen. „Tut mir leid. Ist was Dummes passiert. Dann entschuldige ich mich halt.“ Mit diesen lapidaren Worten wollten sich weder die Vorsitzende Richterin Franziska Braun noch Oberstaatsanwalt Ebert zufriedengeben. „Vielleicht überlegen Sie mal, wie es der Frau geht“, sagte Braun.

Ebert sagte: „Es geht um Einsperren oder nicht Einsperren“ und wies auf den „einzigartigen“ Paragrafen 46 im Strafgesetzbuch hin, der dank des Täter-Opfer-Ausgleichs eine massive Strafmilderung möglich macht. Diese allerdings muss ein Angeklagter sich verdienen. „Dafür brauche ich einen Menschen, der sich mit erhobenem Haupt seinem Fehler stellt“, sagte Ebert. Der Angeklagte müsse „in seinem tiefen Inneren Abstand nehmen“ von der Straftat.

Nach eindringlicher Ermahnung und nachdem das Gericht in Windeseile noch eine Dolmetscherin für den seit mehr als 30 Jahren in Deutschland lebenden Türken herbeigeholt hatte, war dieser dann bereit, Einzelheiten der Tat zu schildern. Er entschuldigte sich bei der Frau und fügte hinzu: „Jeder macht Fehler.“ Er könne sich nicht erklären, wie es zu dem sexuellen Übergriff gekommen ist. Mit seiner Frau und den Kindern habe er seitdem Probleme. Sein Verteidiger Reinhard Dauer kündigte 500 Euro als ersten Teil einer finanziellen Wiedergutmachung an. Das Schöffengericht folgte schließlich dem Antrag des Staatsanwaltes und verhängte wegen Nötigung in einem besonders schweren Fall eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren mit Bewährung und eine Bewährungsauflage von 2000 Euro unabhängig von der zivilrechtlichen Regelung des Falls.

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