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Deisenhausen

30.12.2017

Versteckte Überraschungen in Deisenhausen

Hans Fischer, Josef Wiedemann und Florian Hopfenzitz bei Arbeiten auf der Empore.
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Hans Fischer, Josef Wiedemann und Florian Hopfenzitz bei Arbeiten auf der Empore.
Bild: Franz Hopfenzitz

Warum die Sanierung in der Deisenhauser Pfarrkirche teurer als geplant ist und der Auftraggeber trotzdem zufrieden ist.  

Manch einer der sich schon mal daran gemacht hat, ein altes Gebäude zu renovieren bzw. zu sanieren kann es bestätigen: Das blaue Wunder lässt nicht lange auf sich warten. Ein selbiges erlebten auch die Kirchenverwaltung der Pfarrkirchenstiftung St. Stephan in Deisenhausen und die vielen freiwilligen Helfer, die sich in den letzten vier Monaten dafür aufgeopfert haben, die Pfarrkirche sicherheitstechnisch auf den neuesten Stand zu bringen. Die Sicherungsmaßnahmen sind inzwischen abgeschlossen (wir berichteten) und man kann die Beteiligten - Auftraggeber und Auftragnehmer sowie Helfer - nur allzu gut verstehen, wenn sie angesichts der zahlreichen unvorhergesehenen Überraschungen jetzt aufatmen.

Nicht nur Kirchenpfleger Franz Hopfenzitz, der dieses Amt seit 1996 innehat, war in den letzten vier Monaten immer wieder mal geneigt, ein Stoßgebet gen Himmel zu schicken. „Man hat zu Beginn einer solchen Maßnahme immer eine spezielle Vermutung, dass mehr kommt als angenommen, aber man kann es vorher nicht abschätzen. So zeigte die Standsicherungsprüfung anfänglich nur Schäden in eher begrenztem Umfang auf; doch die dann erfolgte flächendeckende Betrachtung erweiterte das Schadensbild erheblich“, erklärt der Kirchenpfleger. Und so kam es, dass die Bauleitungen Hartinger Consult ( Thannhausen) und Kling Consult ( Krumbach) während der Restaurierung zusätzlich den einen oder anderen Schwachpunkt aufdeckten, den es zu beseitigen galt. Paradebeispiel hierfür lieferte die Empore: „In die Unterkonstruktion der unteren Empore müssen punktuell Verstärkungen eingebracht werden, damit die Empore - nach heutigen statischen Anforderungen künftig auch Spitzenbelastungen (zum Beispiel Christmette, große Hochzeiten bzw. Beerdigungen) gewachsen ist. Zu dieser Maßnahme muss das Emporengestühl ausgebaut und der Emporenboden komplett geöffnet und entschuttet werden.“ So hieß es im Maßnahmenkatalog vor Baubeginn. Während der Arbeiten jedoch stellte sich heraus, dass nicht nur zwei, sondern alle acht ins Außenmauerwerk ragende Balkenköpfe defekt sind.

Manches vorsorglich durchgeführt

Allein aufs Gottvertrauen, dass sie trotzdem noch viele Jahre tragfähig bleiben, wollten und durften sich die Verantwortlichen nicht verlassen. Also mussten die schadhaften Stellen mit Stahlträgern, die entweder seitlich befestigt oder nach dem Einfräßen von Schlitzen direkt im Balken versenkt wurden, behoben werden. Verschiedene Maßnahmen (etwa im Freskenbereich der Kirchendecke) wurden dann auch noch vorsorglich durchgeführt. Einerseits um die Sorgfaltspflicht zu erfüllen und mögliche Schäden nach menschlichem Ermessen auszuschließen, andererseits um die nächste große Sanierung (man geht bei einem Gotteshaus wie St. Stephan von einem Zeitraum von 40 bis 50 Jahren zwischen Großmaßnahmen aus) zeitlich möglichst lange hinaus zu schieben.

Solche und ähnliche Sisyphusarbeiten liefen natürlich auch ins Geld, was zur Folge hatte, dass die Kirchenverwaltung den erweiterten Maßnahmen und damit auch dem veränderten finanziellen Rahmen wiederholt ihren Segen erteilen musste, was, so berichtet Franz Hopfenzitz, mitunter auch mal bei „Sitzungen so zwischen Tür und Angel“ geschehen musste. Dies, um auszuschließen dass die Arbeiten ins Stocken geraten.

Wie bereits berichtet haben rund 20 handwerklich geschickte Helfer, vorwiegend Mitglieder der Kirchenverwaltung und putzwillige Frauen, alle Arbeiten, die irgendwie in Eigenleistung erbracht werden konnten, in rund 300 Stunden um „Gotteslohn“ ausgeführt. Zu den engagiertesten „Handlangern“ zählte zweifellos Hans Fischer aus Nordhofen, „der neben hohem eigenem Arbeitseinsatz als Leiter der praktischen Arbeiten die Eigenleistungseinsätze vorzüglich koordiniert hat“, so der Kirchenpfleger.

Kirchenpfleger Franz Hopfenzitz und dessen Gremiumsmitglieder waren aber nicht nur heilfroh ein fleißiges Helferteam hinter sich zu wissen, sondern sie schätzen auch die Zuverlässigkeit der beteiligten Firmen. „Sie haben hervorragende Arbeit geleistet“, lobte Hopfenzitz die Restauratoren Amann (Weißenhorn), die Schlosserei Brückner (Deisenhausen), den Gerüstbauer und Malerei Fackler (Boos), den Schreinerei Hopfenzitz (Nordhofen) und Zimmerei Rausch (Wattenweiler).

Wie bei den baulichen, so war es auch bei den finanziellen Aspekten nicht mit einem „Der Hergott wird’s schon richten!“ getan. Und so waren und sind Geldgeber natürlich willkommen, um die rund 100.000 Euro Kosten für die umfassenden Sicherungsmaßnahmen stemmen zu können. Da sind zum einem die freiwilligen Spender, die bisher 10.000 Euro auf das Spendenkonto eingezahlt haben. Dies ist umso beachtlicher, wenn man weiß, dass erst im vergangenen Jahr die Pfarrkirche drei neue Glocken erhalten hat, die mit Spendengeldern aus privater Hand bzw. der Gemeinde Deisenhausen in Höhe von 70.000 Euro zu den Gesamtkosten von 84.000 Euro finanziert wurden.

Und da ist der 170 Mitglieder zählende „Förderverein Rokoko-Kirche St. Stephan Deisenhausen e. V.“, dessen Vorsitzender seit der Gründung im Jahr 1989 Franz Hopfenzitz ist.

Der Verein hat sich, wie schon bei anderen Maßnahmen, bereit erklärt, ein Drittel des letztendlich von der Kirchenverwaltung zu tragende Defizits zu übernehmen. Momentan sieht es so aus, als würden auf den Auftraggeber rund 40.000 Euro entfallen. Neben den bereits eingegangenen Spenden sowie der 5.000-Euro-Zusage der Gemeinde Deisenhausen wird noch finanzielle Unterstützung durch den Landkreis Günzburg, Bezirk Schwaben, das Bayerische Landesamt für Denkmalspflege und die Bayerische Landesstiftung erwartet.

Die Anträge hierfür wurden bereits vor Maßnahmebeginn gestellt. Die Bischöfliche Finanzkammer Augsburg ihrerseits wird 60 Prozent der Gesamtkosten übernehmen.

Die Katholische Pfarrkirchenstiftung St. Stephan hat zur Finanzierung der Sicherungsmaßnahmen Spendenkonten eingerichtet: Raiffeisenbank Schwaben Mitte eG, IBAN: DE85 7206 9736 0002 6446 49, BIC: GENODEF1BLT; Sparkasse Günzburg-Krumbach, IBAN: DE13 7205 1840 0000 0700 37, BIC: BYLADEM1GZK; Eine steuerlich verwertbare Spendenbescheinigung wird umgehend erteilt.

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