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Ursberg

22.08.2020

Viel Herzblut für Gemüse und Obst in der Klostergärtnerei Ursberg

Ehrenamtlich engagiert sich die 80-jährige Schwester M. Arntraud Stefan CSJ in der Gärtnerei. „Ich mache hier Praktikum“, sagt sie augenzwinkernd.
Bild: Landherr

Plus Wie sich das Team der Ursberger Klostergärtnerei für seine Produkte engagiert und wie mit Nachtschichten die Ernte gerettet wird.

Jetzt – im Sommer – ist Hochsaison in der Klostergärtnerei Ursberg. Hunderte Kilo Gemüse und Salat werden täglich geerntet. Daniel Fetzer erfüllt das mit Stolz und Zufriedenheit: „Es ist schön, wenn man sieht, was aus den kleinen Setzlingen geworden ist, die man vor einigen Monaten eingepflanzt hat“, sagt der 21-jährige, der seit drei Jahren zum Team der Klostergärtnerei gehört. Sein Arbeitskollege Heinz Helfert arbeitet dagegen schon seit 40 Jahren hier. Beide schätzen die abwechslungsreichen Tätigkeiten, die über das Jahr hinweg zu verrichten sind. Ob auf den Feldern, wo Kartoffeln, Salat und Wurzelgemüse angebaut werden oder in den zahlreichen Gewächshäusern, wo gerade Tomaten, Auberginen, Paprika und Gurken wachsen.

Heinz Helfert (links) und Daniel Fetzer schätzen die abwechslungsreichen Arbeiten in der Klostergärtnerei.
Bild: Landherr

Als Helfert hier anfing waren noch vier Schwestern der St. Josefskongregation in der Klostergärtnerei tätig. Heute verrichtet nur noch eine Ordensfrau ihren Dienst bei den Gärtnern – auch wenn sie das in ihrem Alter freilich gar nicht mehr müsste. Schwester M. Arntraud Stefan CSJ ist sozusagen eine Quereinsteigerin. 44 Jahre hat sie als Heilerziehungspflegerin an der Ursberger Förderschule gearbeitet. Jetzt – mit 80 Jahren – unterstützt sie das Team der Klostergärtnerei täglich für ein paar Stunden ehrenamtlich. „Ich liebe die Blumen und die Natur und fühle mich hier sehr wohl“, sagt sie zufrieden. Ihre Arbeit bezeichnet sie augenzwinkernd als „eine Art Praktikum.“

Von der St. Josefskongregation gegründet

Die St. Josefskongregation war es auch, die den Betrieb 1934 gegründet hat. Damals wurden die zahlreichen kleinen Gartenanlagen und Gemüsebeete, die über das Gelände der Ursberger Einrichtungen verteilt waren, zusammengefasst. Der Auftrag lautete damals wie heute: Die Versorgung des Dominikus-Ringeisen-Werks mit Obst und Gemüse.

Aber über die Jahrzehnte hat sich der Betrieb immer weiter geöffnet. Im Jahr 1996 übernahm der Diplom-Agraringenieur Rudolf Herfurtner von Gärtnermeisterin Schwester M. Tilbert Müller CSJ und etablierte mit dem eigenen Hofladen die Direktvermarktung an Privatkunden. Über die Jahre hat es der Hofladen zu überregionaler Bekanntheit gebracht und zahlreiche Kunden aus Nah und Fern decken sich dort mit regionalem und saisonal produziertem Gemüse und Obst ein. Und auch Hobbygärtner kommen angesichts der riesigen Auswahl und Vielfalt an Jungpflanzen, die jedes Jahr in der Pflanzsaison von April bis Juni angeboten werden, regelmäßig ins Schwärmen. Mittlerweile finden sich die Produkte aus Ursberg zudem in einigen Supermärkten zwischen Marktoberdorf und dem Ammersee und zahlreiche schwäbische Gastronomen zählen seit vielen Jahren zur Stammkundschaft in Ursberg.

Mitten in Ursberg liegt die Klostergärtnerei. In den Gewächshäusern reift das Gemüse. Im eigenen Hofladen können sich die Kunden mit frischen Produkten eindecken.
Bild: Landherr

Verkauf im eigenen Hofladen in Ursberg

Kunden des eigenen Hofladens werden oft von Bruni Ritz bedient. Seit über 20 Jahren arbeitet sie im Hofladen. Sie schätzt das tolle Miteinander mit den Kolleginnen und Kollegen und auch mit den Auszubildenden, die in der Klostergärtnerei einen Berufsabschluss erlangen. Denn auch das ist eine wichtige Zielsetzung des Betriebs: Als Teil des Ursberger Berufsbildungswerks und der Werkstatt für behinderte Menschen will die Klostergärtnerei benachteiligten Jugendlichen und Menschen mit Behinderung eine qualifizierte Ausbildung oder einen Arbeitsplatz zu ermöglichen. Zahlreiche junge Menschen konnten so in den letzten Jahrzehnten in ihr Berufsleben starten.

Seit 20 Jahren bedient Bruni Ritz die Kunden in der Klostergärtnerei. Sie schätzt das gute Miteinander.
Bild: Markus Landherr

Zur Ursberger Klostergärtnerei, deren Felder im Mindeltal fast bis nach Thannhausen reichen, gehört auch der Ursberger Obstgarten. Auch er blickt auf eine lange Tradition zurück. Auf den Plantagen an der B300 westlich von Ursberg wachsen auf rund 5000 Obstbäumen Äpfel und Birnen in Bio-Qualität. Auch das Obst wird über den Hofladen vermarktet. Durch Zufall gelang es den Klostergärtnern vor ein paar Jahren, ein Brennrecht zu erwerben. Und seitdem wird ein kleiner Teil der Ernte in der eigenen Brennerei zu hochwertigen Obstbränden veredelt.

Nachschicht um die Ernte zu retten: Mehrere hundert Großfackeln gegen den Frost brannten Anfang Mai im Ursberger Obstgarten.
Bild: Markus Landherr

Auch heuer hoffen die Klostergärtner auf eine gute Ernte. Die musste jedoch hart erarbeitet werden. Anfang Mai, als viele Obstbäume in voller Blüte standen, fiel die Temperatur in zwei Nächten unter den Gefrierpunkt. Mit mehreren hundert Großfackeln, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer Nachtschicht in den Plantagen entzündeten, konnten die zarten Blüten damals gerettet werden.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist dieses Engagement selbstverständlich. Die Pflanzen brauchen eben auch mal nachts, am Wochenende und an Feiertagen Aufmerksamkeit und Pflege. Das ist auch Gärtnermeister Robert Dieminger bewusst, der am 1. Januar 2018 die Leitung der Gärtnerei von Rudolf Herfurtner übernommen hat, der seitdem als „Senior-Chef“ fungiert. Und deshalb sind Dieminger und gesamtes Team auch sehr oft außerhalb der regulären Arbeitszeiten in „ihrer“ Gärtnerei anzutreffen – damit alles wächst und gedeiht.


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