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08.06.2019

Vielfältige Spuren in Schwaben

Ulrike Bergmann stellte im Chinesischen Saal auf Schloss Edelstetten historische Instrumente vor.
Bild: Lindenmayr

Was Kaiser Maximilian I. den Schwaben hinterließ

Wie benennt man schwäbisch sparsam eine Straße um, sodass weder Aufwand noch Kosten entstehen? Die Maximilianstraße, Augsburgs Prachtmeile, könnte als Vorbild dienen. Bis 1957 bezog sich der Straßenname auf einen bayerischen König. Seither erinnert sie an den 1519 verstorbenen römisch-deutschen Kaiser Maximilian I. Im Jahr des 500. Todestages von Kaiser Maximilian I. widmete sich der alljährlich auf Schloss Edelstetten stattfindende Literarische Salon dem Herrscher, der das Haus Habsburg zur Weltmacht führte. Das hatte seine Berechtigung vor allem auch durch die besondere Nähe des Kaisers zu den schwäbischen Städten, allen voran Augsburg. Allein nach Augsburg kam Maximilian, wie Prof. Wolfgang Wüst im Eingangsreferat ausführte, zu 57 Besuchen. Die Schwaben unterstützten Maximilian militärisch und vor allem auch finanziell, namentlich Jakob Fugger war einer der großen Geldgeber für die Expansionspolitik des Habsburgers. Das Militärische, insbesondere das Aufblühen des Landsknechtswesens unter Maximilian, beleuchtete Dr. Eberhart Birk.

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Der Schwerpunkt des Literarischen Salons lag freilich auf den Spuren, die der Kaiser in der Kunst und Kultur hinterlassen hat. Während seiner Regierungszeit etablierten sich bedeutende Werkstätten für Musikinstrumente und den Buchdruck. Rund 50 Malerwerkstätten gab es seinerzeit in Schwaben und sie seien gut ausgelastet gewesen, berichtete Dr. Markus Würmseher. Der Kaiser habe im Jahr 1500 den Grundstein für den Chorbau von St. Ulrich gelegt und er förderte die Fuggerkapelle, den ersten Renaissance-Bau nördlich der Alpen.

Während seiner Amtszeit entstanden großartige Kunstwerke, beispielsweise der Sterzinger Altar, der Blaubeurer Altar, der Kaisheimer Altar, das Chorgestühl im Ulmer Münster und in St. Martin zu Memmingen. Maximilian erwies sich als großer Förderer von Literatur, schuf selbst aber auch bedeutende Werke, allen voran den an der Artussage orientierten „Theuerdank“. Bei diesem Werk handelt es sich um einen verschlüsselten, autobiografischen Versroman.

Prof. Sieglinde Hartmann stellte bei ihrer Interpretation erhellende Bezüge her zu den befremdlichen Anweisungen des Kaisers, nach seinem Tod den Leichnam zu geißeln, das Herz zu entfernen und zur Grabstätte seiner ersten Gemahlin zu bringen. Maximilian, der zeit seines Lebens darauf bedacht war, Zeugnisse zu seiner Erinnerung zu hinterlassen, ist heute noch an vielen Stellen Schwabens präsent, am lebendigsten wohl in Traditionsveranstaltungen wie dem Kaufbeurer Tänzelfest. Nicht vollendet wurde ein großes Reiterstandbild, das in Augsburg vor St. Ulrich platziert werden sollte. Am Ende der von Prof. Klaus Wolf, dem Vorsitzenden des Vereins Schwäbisches Literaturschloss Edelstetten, organisierten Gedenkveranstaltung trug Ulrike Bergmann, begleitete auf der Drehleier, Auszüge aus des Kaisers Dichtungen vor und rundete somit das Bild eines großen Herrschers ab, der in vielerlei Hinsicht prägend für Schwaben wurde.

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