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Krumbach

27.11.2019

Vom sehr langem Haar zum kinnlangen Bob: Melina spendet ihr Haar

Melina aus Burtenbach lässt ihr Haar im hat sich von ihren langen Haaren getrennt und dafür einen schicken Bob bekommen.

Melina aus Burtenbach lässt ihr Haar für Perücken für kranke Menschen schneiden und spendet es. In einem Krumbacher Friseursalon ging es ihr an die Mähne.

Menschen, die das Schicksal einer schweren Erkrankung trifft, verlieren oft ihre Haare, was besonders für Frauen eine zusätzliche seelische Belastung darstellt. Die Krankenkasse kommt zwar für eine Perücke auf, aber nur aus Kunsthaar oder einer Mischung aus Kunst- und Echthaar. Die teuren Echthaarperücken, die normalerweise aus gekauften Haaren hergestellt werden, müssen die Betroffenen aus eigener Tasche zahlen. In Hamburg hat sich deshalb der Verein Werkstatt für Haarkunst gegründet, der Perücken aus gespendeten Haaren knüpft, was sich deutlich auf den Endpreis der Zweitfrisur auswirkt.

Die junge Burtenbacherin Melina hat über ein zufällig angeklicktes Youtube-Filmchen von der Möglichkeit erfahren, beim Friseur abgeschnittenes Haar zu spenden. Die Schülerin mit ihren fast hüftlangen Haaren hatte sich schon länger mit der Idee getragen, sich die Haare abschneiden zu lassen. „Der Youtube-Film hat mich fasziniert und mich nicht mehr losgelassen. Ich fand die Idee gut, wenn die Haare noch zu etwas nütze sind, denn in die Tonne werfen wäre Verschwendung. „Sie thematisiert eine Haarspende im Familienkreis und erhält von Eltern und Geschwistern generell Unterstützung. „Aber meine Mutter hat mich gewarnt, erst zum Friseur zu gehen, wenn ich mir ganz sicher bin, dass ich meine Haare kürzer haben will. Die Idee der Spende fand auch sie gut.“

Zu Zöpfen gebunden bleiben die Haare in Wuchsrichtung geordnet und können später weiterverarbeitet werden.
Foto: Martina Unglert

Bei ihrer Friseurin in Burtenbach stieß sie mit ihrem Anliegen auf offene Ohren, aber diese selbst sammelt keine Haare, konnte der Schülerin aber eine Adresse nennen: Unglert in der Karl-Mantel-Straße in Krumbach, wo die 16-Jährige auch zur Schule geht. „Das, erklärt Friseurmeisterin Martina Unglert, „ist leider noch nicht überall so. Viele Friseure belächeln die Idee, aber inzwischen machen doch immer mehr Kollegen mit und leiten gespendete Haare an mich weiter.“ Martina Unglert kam über einen Zeitungsartikel zum Haarespenden.

Haarspenden gehen von Augsburg aus nach Hamburg

Im Herbst 2017 las sie von einer ehrenamtlich tätigen Frau, die Haarspenden sammelt und diese zweimal im Jahr persönlich von Langerringen südlich von Augsburg nach Hamburg bringt, wo sie zu Echthaarperücken verarbeitet werden. „Im Januar 2018 habe ich Kontakt mit Frau Eisenbarth aufgenommen, die mich sofort für das Projekt begeistern konnte.“ Inzwischen konnte sie schon an die 200 Haarzöpfe für die Haarkunstwerkstatt abgeben. Unglert und ihr Team weisen deshalb die Kunden auf die Möglichkeit hin, ihre Haare zu spenden. „Derzeit werden besonders graue oder grau melierte Haare dringend gebraucht, aber natürlich sind alle Haarfarben und -qualitäten willkommen. Es spielt auch keine Rolle, ob die Haare Naturfarbe haben oder gefärbt sind.“

Melina aus Burtenbach lässt ihr Haar im Friseursalon von Martina Unglert in Krumbach für Perücken für kranke Menschen schneiden und spendet es.
Foto: Martina Unglert

Eine Spende ist schon ab einer Abschnittlänge von 20 Zentimetern möglich. „Beim Schneiden muss man sicherstellen, dass nach dem Schnitt alle Haare in Wuchsrichtung liegen. Wir teilen deshalb je nach Menge die Haare in einen, zwei oder drei Teile, die als Pferdeschwanz oder Zopf oben und unten abgebunden werden. Der Schnitt erfolgt im trockenen Haar, denn es wäre sehr schwierig, die abgeschnittenen Haare ausreichend zu trocknen.“ Unglert, hat selbst noch im Rahmen ihrer Ausbildung gelernt, Perücken zu knüpfen und weiß, wie wichtig hier Sorgfalt ist.

So war es auch bei Melina, die noch ihre Schulabschlussfeier abgewartet und sich danach bei Martina Unglert gemeldet hat. Jetzt trägt sie einen kinnlangen Bob. „Das ist schon noch etwas ungewohnt. Immerhin habe ich meine Haare fünf Jahre wachsen lassen, im Wettstreit mit meiner Freundin, die hat jetzt natürlich gewonnen.“ „Ach warte mal fünf Jährchen, dann sind sie wieder lang“, foppt sie ihr Bruder. Aber das stört Melina nicht, sie ist auch mit der neuen Frisur überzeugt, das Richtige getan zu haben.

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