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Krumbach

03.05.2016

Von chilenischer Leidenschaft und bunter Vielfalt

Verónica Gonzalez spielt unter anderem das brasilianische Berimbau – ein Instrument, das unter anderem auch im Kampftanz Capoeira zum Einsatz kommt.
Bild: Marc Hettich

Wenn Gefangenschaft dem Vogel seine Farben raubt. Die Botschaft von Verónica Gonzalez im Gemeindehaus.

Die Füße mit den indianisch anmutenden Schuhen wippen rhythmisch im Takt. Die geschlossenen Augen bringen dieselbe Leidenschaft zum Ausdruck, wie der klare Gesang, der zwischen klagender Melancholie und bebender Lebensfreude das evangelische Gemeindehaus erfüllt. Der peruanische Musiker Victor Mamani und der Berufsmusiker Markus Büttner unterstützen die chilenischstämmige Sängerin Verónica Gonzalez beim Geburtstagskonzert zum zehnjährigen Jubiläum des Krumbacher Weltladens. Dabei bringen sie neben Gitarre und Schlagwerk auch exotischere Instrumente wie ein Berimbau, eine Charango und diverse Andenflöten zum Einsatz.

Die seit 1994 in Deutschland lebende Sängerin erzählt zu jedem Lied eine Geschichte. Sie berichtet von ihren Großmüttern – eine Osterinsel-Maori und eine südchilenische Indianerin. Die Vielfalt ihrer Wurzeln spiegelt sich auch in ihrer Musik wieder. Die über 60 Besucher hören an diesem Abend neben indigen-lateinamerikanischer Musik auch Lieder mit arabischen, ukrainischen und irischen Einflüssen. Am Schluss wird sogar gemeinsam mit dem Publikum gejodelt.

Als wichtige Inspiration für sie nennt die Musikerin drei große chilenische Künstler: den Sänger Victor Jara, den Maler Roberto Matta und den Poeten Pablo Neruda. Verónicas Vater war ein Freund Nerudas – sie kannte den großen Dichter persönlich. Wie die drei Künstler waren auch die Mitglieder der Familie Gonzalez überzeugte Faschismus-Gegner – ein Umstand, der viele unter ihnen in Pinochets Gefängnisse brachte. Verónicas Bruder wurde vom Regime ermordet.

Von chilenischer Leidenschaft und bunter Vielfalt

Es verwundert daher kaum, dass Verónica Gonzalez auch gerne für Flüchtlinge spielt. „Ich kann mich aufgrund meiner eigenen Erfahrungen sehr gut in diese Menschen reinversetzen“, erläutert sie. Auch für die indigenen Xingu-Völker am Amazonas macht sie sich stark. Verónica erzählt das indianische Märchen vom in einen goldenen Käfig gesperrten bunten Paradiesvogel. Die Gefangenschaft raubt dem Vogel seine Farben. Durch einen Schamanen befreit, fliegt der Vogel wieder durch die Lüfte und mit jedem Zwitschern gewinnt er eine seiner Farben zurück. Diese Freiheit wünscht sich Verónica auch für die Amazonas-Indianer, deren Lebensraum zerstört und geraubt wird.

Ihr Engagement für ausgebeutete Mitmenschen verbindet Verónica Gonzalez mit den Betreibern des Weltladens. Vereinsvorsitzender Günther Deubler und rund 20 ehrenamtliche Mitarbeiter schauen stolz auf zehn Jahre Weltladen Krumbach zurück. „Der Umsatz seit Gründung hat sich um 40 Prozent gesteigert“, so Deubler in seiner Eröffnungsansprache. Der Laden verkauft fair gehandelte Produkte aus aller Welt.

Am Ende des Konzerts forderte Gonzalez die Weltladen-Mitarbeiter auf, zur Musik zu tanzen. „Je mehr Menschen mittanzen, desto mehr Glück werdet ihr in den nächsten zehn Jahren haben.“ Die große Zahl tanzender und mitklatschender Gäste ist sicher ein gutes Omen. (het)

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