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Sagen

12.12.2020

Von den kleinen Helferlein im Günztal

Dieses Foto aus dem Buch „Sagen aus dem Landkreis Krumbach“ zeigt die Hoidele aus dem Günztal.

Was es mit den Hoidele und Wichtele, die an vielen anderen Orten im Landkreis im Haushalt halfen, auf sich hat

Es gab eine Zeit, da konnten sich die Hausfrauen abends beruhigt niederlegen, obwohl sie die anstrengende Tagesarbeit nicht ganz geschafft hatten. Und diese war zahlreich in jenen Tagen, fernab jeder Mechanisierung, wie wir sie heute kennen. Sobald die Dunkelheit hereingebrochen war und alle Bewohner fest schliefen, schlichen nämlich kleine Helferchen in die Häuser der Menschen und suchten nach dem, was noch zu erledigen war. Hoidele oder Wichtele nannte man die zwergenhaften Gestalten, die sich Nacht für Nacht an das Werk machten. Zu Gesicht bekommen hat kaum jemand die Männchen mit langem, weißem Bart und roter Mütze. Wenn es der ein oder andere Neugierige dennoch einmal versuchte, konnte das ein jähes Ende nehmen, wie eine Sage aus Breitenthal berichtet: Waschen, Backen, Putzen, Flicken, Nähen, Bügeln, Kehren und vieles mehr erledigten die Hoidele nach Sonnenuntergang. Allerdings durfte sie keiner bei ihren Tätigkeiten beobachten.

Eines Tages trat die Hausfrau jedoch mit einer Lampe in der Hand nächtens auf den Flur und ertappte die kleinen Männchen, wie sie gerade dabei waren, die Stiege zu putzen. Vor lauter Schreck stolperten und stürzten die Hoidele mit Schreien und Stöhnen die Stufen hinab und wurden fortan nicht mehr gesehen. Sowohl im Heim der neugierigen Frau als auch anderswo im Ort mussten die Menschen ab diesem Zeitpunkt ihre Arbeiten ohne die kleinen Helferlein erledigen.

Ein Blick nach Deisenhausen zeigt, dass die Hoidele über einen ganz eigenen Ehrenkodex verfügten: Auch dort beehrten die Wichtelmännchen die Bevölkerung, indem sie allerlei Tätigkeiten übernahmen, für die sonst kaum Zeit blieb. So freute sich auch die dortige Müllerin ob der willkommenen Hilfe und beschloss, die Hoidele für ihre aufopferungsvolle Unterstützung zu belohnen. Eines Tages stellte sie vor dem zu Bett gehen Mehl und Hühnereier bereit, in der Hoffnung, den Helferchen damit eine Freude zu bereiten. Nun, da diese kamen, bemerkten sie sehr wohl die dargebrachten Gaben. Allerdings nahmen sie an, das wäre die Auszahlung und ihre Arbeit somit nicht mehr länger erforderlich. Ohne noch mal den Finger zu rühren, nahmen die Hoidele das Mehl und die Eier und verschwanden für immer. Auch aus anderen Orten, vor allem im Günztal sind derartige Geschichten überliefert. In Ober- und Unterbleichen, wie auch in Kettershausen erzählt man die Sagen über die gutmütigen Wichtelmännchen aus dem Erdreich. Denn dort sollen sie tagsüber gelebt haben, in unterirdischen Gängen und Höhlen, die sie nur bei Dunkelheit verlassen hätten. Volkskundlich lässt sich hier natürlich ein Bogen spannen. Hoidele kennt man auch außerhalb unserer Gefilde: In Köln unterstützten die Heinzelmännchen die Menschen bis auch jene schließlich durch Neugierde entdeckt wurden und nicht mehr kamen. In Norwegen erfüllten die Nisse, in Schweden die Tomte einst diese Aufgaben, während im englisch-schottischen Sprachraum die Brownies, ebenfalls wertvolle Helfer im Alltag der Menschen, im Haushalt selbst wohnten.

Obwohl die Hoidele, Wichtele und wie man sie auch immer nennen mag, aus der Wahrnehmung unserer Zeitgenossen verschwunden sind, boten die kleinen Gestalten dennoch Vorbilder für so manche Vorgartenzierde: Der deutsche Gartenzwerg mit Vollbart, Zipfelmütze und Arbeitsgerät ist nämlich genau den Vorstellungen der einstigen legendären Erdbewohner nachempfunden. Auch die Werbeträger des Zweiten Deutschen Fernsehens, die Mainzelmännchen gelten nicht nur sprachlich als Verwandte der Kölner Heinzelmännchen.

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