Newsticker

Bundesregierung erklärt fast ganz Österreich und Italien zu Risikogebieten
  1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Vor 33 Jahren: Als Wiesenbach einen überheblichen FCA schlug

Spiele, die man nicht vergisst

12.06.2020

Vor 33 Jahren: Als Wiesenbach einen überheblichen FCA schlug

Er kann es auch heute noch: Der 63-jährige Karl-Heinz Heininger zeigt in der nachgestellten Szene, wie er per Flugkopfball das Siegtor gegen den FC Augsburg nach Flanke von Wolfgang Rösch erzielte.
Bild: Alois Thoma

Plus Wie die Kicker der SpVgg Wiesenbach 1987 im Viertelfinale der DFB-Pokal-Qualifikation den Hochmut der Bayernliga-Halbprofis des FC Augsburg bestraften.

Es läuft die 26. Minute der Verlängerung auf dem Wiesenbacher Fußballplatz. Der überragende Spielmacher Wolfgang Rösch setzt sich auf der rechten Seite im Duell eins gegen eins durch und flankt präzise nach innen. Hier löst sich sein Mannschaftskamerad Karl-Heinz Heininger blitzschnell von seinem Bewacher, taucht dem Ball entgegen und befördert ihn per Flugkopfball ins Tor. Eine Szene, die Geschichte schreibt.

Die Gastgeber führen vier Minuten vor Spielenende 1:0, die Anhänger der SpVgg Wiesenbach unter den 1000 Zuschauern sind aus dem Häuschen und können es gar nicht so recht glauben. Es ist nämlich kein normales Punktspiel des A-Klassisten. Nein, Wiesenbach steht an diesem 21. Mai 1987 im Viertelfinale der DFB-Pokal-Qualifikation auf schwäbischer Ebene einem scheinbar übermächtigen Gegner gegenüber: dem mit mehreren Halbprofis angetretenen Bayernligisten FC Augsburg. Als Schiedsrichter Vogt (Sulzberg) die Partie abpfeift, ist die Sensation perfekt: David hat den Goliath besiegt. Ein unvergessliches Fußballspiel mit ungeahntem Ausgang wird von den siegreichen Spielern und deren Anhängern bis in die Morgenstunden im Sportheim gefeiert.

Karl-Heinz Heininger kann sich noch gut erinnern

Der Torschütze bekommt noch heute leuchtende Augen, wenn er von den entscheidenden Sekunden erzählt. „Ich habe die Flanke erwartet, mir vorgestellt, wo ich den Ball hin befördere und ihn dann im Tiefflug dort auch untergebracht, wobei der Augsburger Torwart Burkhardt um Haaresbreite noch dran gewesen wäre“, berichtet Heininger.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Der inzwischen 63 Jahre alte Mittelstürmer kann sich noch gut erinnern, was da vor 33 Jahren los war. Der Jubel über den Sieg, der in den restlichen Minuten mit Mann und Maus und einem überragenden Libero Walter Schwarz verteidigt wurde, kannte keine Grenzen. Dabei hätte den klassentieferen Wiesenbachern bereits ein Unentschieden nach Verlängerung zum Einzug ins Halbfinale gereicht.

Wolfgang Rösch hatte zuvor selbst beim FC Augsburg gekickt

Flankengeber Wolfgang Rösch war über die gesamte Spielzeit einer der herausragenden Akteure. Er war eineinhalb Jahre zuvor von einem halbjährigen und aus seiner Sicht unbefriedigenden Gastspiel (Rösch: „Ich hatte damals zu wenig Ellbogen, um mich entscheidend durchzusetzen“) beim FC Augsburg zu seinem Heimatverein Wiesenbach zurückgekehrt. Weil da aber noch das Ablösespiel vom Wechsel nach Augsburg offen war, verzichteten die Fuggerstädter auf ihr Heimrecht und reisten zum Pokal ins unbekannte Schwarzbachtal.

Wolfgang Rösch (Mitte) war bester Mann beim Sieg gegen den FCA.
Bild: Alois Thoma (Archiv)

Hier erlebten sie dann ihr blaues Wunder. Wolfgang Rösch nennt die Gründe dafür: „Wir hatten damals viele talentierte, junge Spieler in unseren Reihen, die an diesem Tag einfach über sich hinausgewachsen sind.“ Der heute 59 Jahre alte Mittelfeldstratege weiß noch einen weiteren Grund: „Wir hatten Glücksgöttin Fortuna an unserer Seite.“ In der Tat: Allein dreimal landete der Ball an Latte oder Pfosten des von Matthias Thurn gehüteten Wiesenbacher Tores. Trotzdem: Eine deutliche Überlegenheit, wie man es aufgrund des Klassenunterschiedes (die Bayernliga war seinerzeit die dritthöchste Liga) eigentlich erwartet hatte, legte der FC Augsburg nur jeweils zu Beginn der beiden Halbzeiten an den Tag. Den Wiesenbachern kam zugute, dass sie sich nie in der eigenen Hälfte versteckten, sondern immer versuchten, auch nach vorne etwas zu bewegen.

FCA-Spieler gratulieren zähneknirschend zum Sieg

Wiesenbachs Trainer Reinhard Zimmermann sagte nach dem Pokal-Knüller überglücklich: „Ich wusste, dass meine Mannschaft konditionell voll da ist und sich am Gegner zu steigern weiß.“ Er hatte vor dem Spiel eine 0:4-Niederlage noch als „standesgemäß“ erachtet, glaubte mit zunehmender Spieldauer dann aber immer mehr an eine Überraschung.

Als diese dann perfekt war, machte vor allem Augsburgs Torhüter Siegfried Burkhard seinem Ärger Luft. „Er hat die Torwart-Handschuhe weggeschmissen und wie ein Rohrspatz auf seine Vorderleute geschimpft“, erinnert sich Wolfgang Rösch. Ansonsten hätten die Spieler des FCA sportlich fair reagiert und den Wiesenbachern, wenn auch zähneknirschend, zu ihrem Erfolg gratuliert. Dass nach dem Spiel die Tische, die vom Bauerndorfverein für die Städter im Wiesenbacher Sportheim reserviert worden waren, leer blieben, war dann eine andere Sache.

FCA-Spieler sollen gesagt haben: "Die Bauernbuben putzen wir heute weg!"

Als fairer Verlierer zeigte sich jedoch Augsburgs Trainer Heiner Schuhmann, indem er sagte: „Ein großes Kompliment an die Wiesenbacher, die einen tollen Kampf zeigten.“ Nicht so fein ging er mit der eigenen Mannschaft ins Gericht, für deren Blamage es keine Entschuldigung gebe. Sturm und Mittelfeld hätten versagt, nur die Spieler Burkhardt, Gartmann und Holzer hätten eine annehmbare Leistung gebracht, der Rest sei brutal abgefallen, kritisierte er. Das Ausscheiden, so Schuhmann damals, ziehe für jeden Spieler finanzielle Konsequenzen nach sich. Der Trainer warf den Spielern „fahrlässiges Verhalten“ vor, weil sie seine Warnungen vor dem Gegner Wiesenbach nicht ernst genommen hätten, „obwohl ich es ihnen die ganze Woche eingetrichtert habe“. Womit er die Aussagen von Wiesenbacher Zuschauern indirekt bestätigte, die vor dem Spiel von FCA-Spielern Bemerkungen wie „Die Bauernbuben putzen wir heute weg!“ gehört haben wollen.

Dies taten jedoch nicht die Augsburger, sondern eine Woche später der FC Kempten. Im Halbfinale ließ der frischgebackene Meister der Bezirksliga Süd den Wiesenbachern keine Chance und machte deren Hoffnungen auf eine weitere Überraschung mit einem hoch verdienten 4:0-Sieg vor 1800 Zuschauern jäh zunichte.

Die Aufstellungen

SpVgg Wiesenbach Mat. Thurn, J. Heininger, Schwarz, G. Steck, Pöpperl (46. Botzenhardt), Wagner, Niederwieser (85. Max Thurn), W. Rösch, Katzer, K. H. Heinunger, J. Rösch

FC Augsburg Burkhardt, Betz, Becker, Wiest, Holzer, Gartmann, Jaloncha, Fischer (65. Bahl), Wrobl, Seitz, Scheurer

Können Sie sich an ein unvergessliches Fußballspiel einer Mannschaft aus dem Landkreis Günzburg erinnern? Es sollte sich dabei mindestens um ein Benefiz-, besser noch um ein Punkt- oder Pokalspiel handeln. Senden Sie Ihren Vorschlag bitte per E-Mail an redaktion@guenzburger-zeitung.de und vergessen Sie nicht, eine Telefonnummer anzugeben, unter der wir Sie erreichen können.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren