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Landkreis Günzburg

09.08.2019

Waldsterben: Auch im Landkreis Günzburg hat der Forst ein Problem

Klimatische Veränderungen wirken sich auf die Wälder in Mittelschwaben aus. Nicht nur fehlt den Bäumen Wasser – auch Schädlinge breiten sich zunehmend aus und schwächen den Bestand.
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Klimatische Veränderungen wirken sich auf die Wälder in Mittelschwaben aus. Nicht nur fehlt den Bäumen Wasser – auch Schädlinge breiten sich zunehmend aus und schwächen den Bestand.
Bild: Alexander Kaya

Plus Hitze und Schädlinge setzten auch rund um Krumbach dem Forst zu. Durchschnittstemperaturen und die Zahl der Schädlinge steigen rapide an.

Ein Baum hat kein einfaches Leben. Wenn es ihm zu heiß wird, kann er sich kein schattiges Plätzchen suchen. Wenn ihn Insekten plagen, kann er sie kaum vertreiben. Was für Menschen nur eine Unannehmlichkeit wäre, ist für den Wald ein großes Problem. Denn der Baumbestand leidet unter Hitze und Schädlingen – auch rund um Krumbach.

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Der Leiter des Krumbacher Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), Axel Heiß, ist gleichzeitig Leiter des Bereichs Forsten. Er weiß, wie es um die örtlichen Wälder steht. „Der Wald hat ein Problem, allerdings schwankt das regional“, sagt er. In Bayern könne man ein Gefälle feststellen – während im Norden und Osten die Lage ernster ist, ist sie im Süden noch entspannter: „Im Gebiet zwischen Alpen und Donau haben wir den Vorteil, dass es noch regelmäßig zu Niederschlägen kommt.“

Durchschnittliche Temperatur ist deutlich gestiegen

Leiter des Krumbacher Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), Axel Heiß.
Bild: Christian Gall (Archiv)

Doch ein Grund zur Entwarnung ist das nicht – das lässt sich für Krumbach auch anhand von Daten nachweisen. Denn dort gibt es eine Niederlassung der agrarmeteorologischen Wetterstation. Wie Heiß sagt, ist ein deutlicher Anstieg der durchschnittlichen Temperatur festzustellen. Als Referenzwert dienen die durchschnittlichen Wetterdaten der Jahre von 1961 bis 1990. „In unserer Region liegen wir, betrachtet man die vergangenen Jahre, inzwischen eineinhalb Grad über dem Referenzzeitraum. Der Weltklimarat hat ein Szenario beschrieben, dass man mit der Einführung sauberer Technologien den globalen Anstieg der Temperatur bis zum Jahr 2100 auf zwei Grad begrenzen kann. Wenn man das zum Maßstab nimmt, dann haben wir schon einen großen Teil unseres Spielraums aufgebraucht.“

Waldsterben: Auch im Landkreis Günzburg hat der Forst ein Problem

Aber nicht nur bei den Temperaturen lassen sich Veränderungen ablesen, wie Heiß schildert: „Auch die durchschnittliche Niederschlagsmenge hat in den vergangenen Jahren abgenommen.“ Für das laufende Jahr schätzt er, dass der Durchschnitt um 120 Millimeter unter dem Referenzzeitraum liegen wird.

Für den Wald ist all das nicht leicht zu verkraften. Laut Heiß benötigen die Bäume, um genügend Wasser zu bekommen, Phasen mit lang anhaltendem Regen – einen Landregen also: „Bei kurzen Niederschlägen verdunstet viel Wasser auf den Baumkronen, es gelangt nur wenig zu den Wurzeln.“ Direkte Schäden durch Trockenheit seien in unserer Region nicht so stark festzustellen wie etwa in Franken – das liege allerdings auch an den Böden in Mittelschwaben, die durch eine Lehmschicht besser Wasser halten können. Aber durch Trockenheit und Regen ergibt sich ein weiteres Problem – die Anzahl der Schädlinge nimmt zu. „Wir beobachten immer mehr Tiere der Borkenkäferart Kupferstecher, auch die Anzahl der Eichenprozessionsspinner nimmt zu.“ Darüber hinaus sind in der Region auch Lärchenborkenkäfer und Tannenrüssler zu finden.

Auch Krumbachs Stadtförster Axel Dinger bemerkt diese Veränderungen während seiner Arbeit. „Die Zahl der Eichenprozessionsspinner ist extrem gestiegen“, sagt er. Erst in diesem Jahr hatte er ein schmerzhaftes Erlebnis mit den Raupen: „Nach Arbeiten im Wald fingen meine Arme zu brennen und zu jucken an. Offenbar war ich mit Laub in Berührung gekommen, in dem alte abgeworfene Häute der Raupen hingen.“

Krumbachs Stadtförster: Viele Fichten werden verschwinden

Dinger rechnet damit, dass sich der Wald in der Region mittel- bis langfristig verändern wird: „Die Fichte wird zwar nicht völlig von der Bildfläche verschwinden, ihre Zahl wird aber stark zurückgehen.“ Schuld seien die klimatischen Veränderungen – Fichten bevorzugen ein kühleres und feuchteres Klima, als es hier in den vergangenen Jahren vorherrschte. „Eigentlich bräuchten die Bäume nun zwei bis drei nasse und kühle Sommer, um sich zu erholen“, sagt der Förster.

Doch Waldbesitzer stehen den Problemen nicht vollkommen machtlos gegenüber. Laut Heiß sei es entscheidend, auf eine gute Mischung der Bäume hinzuarbeiten: „Es bracht mehr Baumarten, als oft in den Wäldern vertreten sind. Bäume wie die Esche, die eigentlich als robust gelten, werden etwa durch einen bei uns neu auftretenden Pilz geschädigt. Daher sollten in einem Wald viele verschiedene Baumarten angesiedelt werden.“ Waldbesitzer könnten darauf schon bei der Waldpflege achten und bestimmte Baumarten fördern. Eine andere Möglichkeit sei es, Mischwälder aktiv zu gestalten.

Um Waldbesitzer bei derartigen Themen zu unterstützen, wurde vor rund einem Jahr am Amt für Ernährung. Landwirtschaft und Forsten, das für die beiden Landkreise Günzburg und Neu-Ulm zuständig ist, die Stelle eines Forstingenieurs eingerichtet, die von Stefanie Süß besetzt wird. Wie Heiß erzählt, sei mit ihrer Beteiligung für den Herbst dieses Jahres ein Projekt geplant – nämlich die Einrichtung eines Mischwalds in einem abgegrenzten Gebiet. Das können 50, aber auch 200 Hektar Fläche sein. Süß ist auf der Suche nach mehreren Waldbesitzern, die sich auf dieser dann zusammenhängenden Gesamtfläche für das Thema Waldumbau interessieren. Derartige Aktionen müssen gut vorbereitet werden. Denn Arbeiten am Wald haben langfristige Auswirkungen, wie Axel Heiß sagt: „Ein Landwirt kann beinahe jedes Jahr etwas Neues ausprobieren. Unsere Entscheidungen dagegen haben auf Jahrzehnte Auswirkungen.“

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