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Thannhausen

19.08.2020

Warum Kinderärzte einen Wechsel in der Frühförderstelle Thannhausen kritisieren

In diesem Gebäude in Thannhausen in der Rudolf-Diesel-Straße ist die Interdisziplinäre Frühförderung Thannhausen/Krumbach untergebracht. Gegen den Wechsel der bewährten Leiterin machen sich Kinderärzte in der Region stark.
Bild: Annegret Döring

Plus Die langjährige erfahrene Leiterin der Interdisziplinären Frühförderstelle Thannhausen/Krumbach soll ihren Posten räumen und im sonderpädagogischen Schuldienst eingesetzt werden. Die Ärzte befürchten eine Lücke. Wie sie sich für die Leiterin einsetzen.

Große Aufregung herrscht beim Qualitätszirkel der Kinderärzte der Kinder- und Jugendärzte der Landkreise Günzburg/ Dillingen: Die Ärzte erfuhren beiläufig, dass die bewährte Leitung der interdisziplinären Frühförderstelle Thannhausen/ Krumbach des Dominikus-Ringeisen-Werks (DRW), Karin Durant, ab Herbst nicht mehr für die Frühförderung zuständig sein darf. Die Redaktion der Mittelschwäbischen Nachrichten fragte nach den Gründen.

Die Ärzte, die bei den in verschiedenen Altersstufen von Kindern vorgeschriebenen U-Untersuchungen Defizite bei den Kleinen erkennen, haben stets sehr gut mit der Frühförderung und Karin Durant zusammengearbeitet und befürchten, dass mit deren Weggang eine große Lücke bleibt. Entsprechend haben sie sich stark gemacht für Durant und mit Briefen ans Kultusministerium, Landratsamt, an Politiker und die Regierung von Schwaben auf die Situation aufmerksam gemacht. „Es ist eine Katastrophe für uns Kinderärzte, wenn die Frau Durant geht“, sagt etwa Kinderärztin Dr. Simone Kastner aus Krumbach. „Sie hat ein zu förderndes Kind angeschaut, einen Förderplan entwickelt und Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt, wir Ärzte konnten die Verordnungen entsprechend ausstellen und wussten, dass das Hand und Fuß hat“, so Kastner. „Sie hat den Überblick und die Erfahrung, das war einfach genial.“

18 Jahre lang die Frühförderung des Dominikus-Ringeisen-Werks mit aufgebaut

Doch offenbar besteht keine Hoffnung, das Blatt zu wenden und die Fachkraft, die 18 Jahre lang die Frühförderung des DRW war mit aufgebaut hat, zu behalten. „Der staatliche Dienstherr von Frau Durant, die Regierung von Schwaben, hat uns – trotz intensiver Bemühungen unsererseits – stets und verbindlich zu verstehen gegeben, dass er Frau Durant in den Schuldienst zurückversetzen möchte“, heißt es von der DRW-Pressestelle.

In einem Schreiben von Ministerialrat Klaus Gößl, zuständig für das Referat Förderschulen am Kultusministerium in München, an die Kinderärzte heißt es: „Die Leitung einer Frühförderstelle gehört nach dem Bayerischen Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen und der Schulordnung für die Volksschulen zur sonderpädagogischen Förderung allerdings nicht zu den Aufgabenfeldern einer Studienrätin im Förderschuldienst. In Ursberg war das ein lokaler Ausnahmefall, die Regierung von Schwaben hat dies bereits im Jahr 2017 mit den Beteiligten einschließlich des Trägers besprochen und eine Übergangsfrist vereinbart. Wir sind sicher, dass das DRW eine qualifizierte Fachkraft finden wird, die die von Frau Durant aufgebauten Strukturen und Netzwerke fachlich und persönlich gut fortführen wird.“

Einen Nachfolger hat der Träger noch nicht gefunden

Allerdings hat der Träger der Einrichtung, das DRW in Ursberg, noch niemand als Nachfolger gefunden. Nach Auskunft der DRW-Pressestelle habe man die Stelle im März ausgeschrieben. Gesucht wurde ein Master- oder Diplom-Inhaber in Pädagogik, Erziehungswissenschaft, Sonderpädagogik oder Sozialpädagogik/Soziale Arbeit oder Heilpädagogik. Es gab Bewerbungen, doch konnte die Stelle nicht besetzt werden. Man entwickle derzeit eine Interimsleitung aus dem Team der Frühförderung heraus, das aus Heilpädagogen, Psychologen, Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten besteht. Die Frühförderung Thannhausen werde am 1. September nicht ohne Leitung sein, so die Versicherung seitens der Pressestelle. Das für die Frühförderung zuständige Mitglied im DRW-Vorstand, Wolfgang Tyrychter, befand sich zur Zeit der Anfrage unserer Redaktion im Urlaub.

Durants Dienstgeber, die Regierung von Schwaben, teilt mit, dass die Entscheidung zum Stellenwechsel stehe. Das sei auch in einer Übergangsregelung mit dem Träger seit 2017 auf das Jahr 2020 terminiert worden. „Das Beamtenverhältnis wird sicherlich angemessen weiter fortgeführt werden“, sagte Pressesprecher Karl-Heinz Meyer dazu gegenüber unserer Zeitung. Wo Karin Durant eingesetzt werden wird, wollte Meyer unter Hinweis auf das Datenschutzrecht nicht sagen.

Der interdisziplinäre Ansatz wird weiter gewährleistet sein

Im DRW wäre Karin Durant gerne weiterhin als Leitung der Frühförderung willkommen gewesen: „Wir sind mit ihrer Arbeit sehr zufrieden. Dementsprechend haben wir uns bei den staatlichen Stellen bis hin zum Kultusministerium über viele Jahre für ihren Verbleib eingesetzt. Allerdings war keine andere Entscheidung zu erreichen“, so der Pressesprecher. Als Träger der Frühförderung sehe man sich auch nicht in der Rolle, politische Aktionen zu Personalien zu initiieren – auch wenn man die Ärzte- und Elternseite gut verstehen könne. Durant habe fast zwei Jahrzehnte diese für so viele Familien wertvolle und sehr hilfreiche Frühfördereinrichtung geprägt und ihr die Richtung gewiesen. Der interdisziplinäre Ansatz sei weiterhin durch die Konzeption der Frühförderung und das Team gewährleistet. Karin Durant werde an eines der Ursberger Förderzentren wechseln, hieß es seitens des DRW.

Karin Durant selbst wollte ihren Stellenwechsel nicht kommentieren.

Info: In einer Interdisziplinären Frühförderstelle gibt es Förder- und Therapieangebote, Entwicklungsdiagnostik und Beratung für Familien, deren Kinder behindert oder von einer Behinderung bedroht sind oder die Entwicklungsdefizite haben. Dabei werden die Familien als Partner gesehen. Die erste Beratung findet ganz unverbindlich statt.

Therapeutisch um das Kind von null bis sechs Jahren kümmern sich je nach Bedarf , Heilpädagogen, Psychologen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten oder Logopäden. Es gibt auch einen Austausch mit Medizinern. Erkennen die Therapeuten einen Förderbedarf, wird die Förderung über den Bezirk Schwaben und die Krankenkasse beantragt. Diese übernehmen die anfallenden Kosten.

Eine möglichst frühe Förderung vermeidet, dass Defizite in späteren Lebensphasen aufwendig aufgearbeitet werden müssen.

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