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Krumbach

23.05.2019

Warum Krumbach ohne offizielle Partnerstadt gut leben kann

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Über 60 Jahre in einer funktionierenden Patenschaft verbunden: der Krumbacher Musikverein und die Bürgerkapelle Kaltern.

Krumbach besitzt keine Partnerstadt und das wird auch so bleiben. Wie der Musikverein und zwei Schulen die freundschaftlichen Verbindungen erfolgreich praktizieren.

Als einzige Stadt im Landkreis besitzt Krumbach keine offizielle Partnerschaft mit einer anderen Kommune – weder im In- noch im Ausland. „Eigentlich schade“, wird sich manch einer denken – und doch gibt es dafür gewichtige Gründe. Es sind der Musikverein sowie das Simpert-Kraemer-Gymnasium und die staatliche Realschule, die der Stadt seit Jahrzehnten diese Aufgabe abnehmen und mit großem Erfolg den europäischen Gedanken der Freundschaft und Zusammengehörigkeit praktizieren. Von Bedeutung dabei: Sie tun dies ehrenamtlich, ohne Eigennutz und ohne politischen Hintergedanken.

Kann dies eine offizielle Partnerschaft mit einer etwa gleich großen Stadt ersetzen? Wir fragten Bürgermeister Hubert Fischer: „Ja“ ist seine Antwort. Und weiter: „Ihr Bemühen ist gelebte Freundschaft über Generationen hinweg, denn familiäre Verbindungen sind viel wichtiger als offizielle Treffen.“

Musikvereinsvorsitzender Karl Kling war es, der im Jahre 1957 dem damaligen Stadtrat die Suche nach einem geeigneten Partner in einem der europäischen Nachbarländer abnahm. Wie in der Vereinschronik zu lesen ist, stand am Anfang ein simples Telefongespräch zwischen ihm und dem damaligen Präsidenten der Südtiroler Musikkapellen Paul Kiem. Von ihm erhielt Kling die Telefonnummer des Obmanns der Bürgerkapelle Kaltern: Benedikt Wirth-Anderlan. Schon wenige Wochen später trafen sich die beiden und bereits im Juli weilten die Kalterer Musiker erstmals in Krumbach und zeigten beim Bezirksmusikfest ihr Können. Im September reisten dann 180 Krumbacher in vier Bussen nach Kaltern. Dank des Aufenthalts in privaten Unterkünften entwickelten sich die ersten familiären Verbindungen, von denen noch viele bis heute Bestand haben.

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Vereine haben ihre eigenen Verbindungen ins Ausland

Für den heutigen Vorsitzenden Tobias Ehrmann, der seit 1983 mit seiner Trompete aktiv beim Musikverein mitwirkt, klappt diese Patenschaft auch nach über 60 Jahren perfekt, denn „sie beruht auf Gegenseitigkeit“ ist er überzeugt. Diese Freundschaft beanspruche zwar einen erheblichen zeitlichen Aufwand und zusätzliche Arbeit, aber „das tut man doch gern“.

Er zeigt sich auch dankbar für die Unterstützung aus dem Rathaus, hat aber doch die Feststellung parat: „Das ist unsere Patenschaft und nicht die der Stadt.“ Mit seinen Musikkameraden ist sich Ehrmann einig: Die Zeit sei vorbei, als sich die Deutschen in den Nachkriegsjahren erstmals nach neuen ausländischen Freundschaften sehnten und sich dafür Südtirol besonders anbot. Heute seien solche Fahrten für jeden eine Selbstverständlichkeit. Und doch sind sich alle seine Aktiven klar, dass diese Patenschaft mit Kaltern mehr ist, „nämlich gelebte Freundschaft, die von beiden Seiten gepflegt wird“, wie Ehrmann sagt. Ähnlich sieht es Bürgermeister Fischer, für den diese engen Beziehungen ein „Vorbild“ in Sachen Partnerschaft sind, begründet in einem „herzlichen Austausch zwischen Menschen und Familien und das ist für mich weitaus wichtiger und wertvoller wie so manches offizielle Treffen zwischen zwei Rathäusern“.

Für ihn ebenso „äußerst wertvoll“ ist in diesem Zusammenhang die Arbeit mancher Vereinigungen und Privatpersonen, die sinnvolle Projekte unterstützen. „Auch daraus wachsen Freundschaften.“ Konkret erinnert er an die Hilfssendungen beispielsweise in afrikanische Missionsstationen oder an Schwester Maria im rumänischen Alba Julia.

Austausch mit Besancon

Lob hat der Rathauschef auch parat, für die seit Jahrzehnten praktizierten Schulpartnerschaften des Simpert-Kraemer-Gymnasiums und der Realschule. Für ihn sind sie eine „gute und ganz wichtige Geschichte“, weil sich hier im Besonderen die Jugend aktiv einbringe. Bereits zum traditionellen Schulprogramm gehören beim Gymnasium der Schüleraustausch mit der französischen Stadt Besancon, der seit 1970 „lebt“ und die inzwischen 21 Jahre bestehende Freundschaft mit dem Gymnasium der Grenzstadt Saareguemines (Saargemünd) nahe Saarbrücken. Gut 50 Schüler der zehnten Klassen sind es jährlich, die für eine Woche ins Nachbarland reisen, in Familien untergebracht sind und dort Land und Leute im Rahmen mehrerer Unterrichtstage kennen lernen. Im Gegenzug kommen jedes Jahr die gleichaltrigen französischen Schüler nach Krumbach. Für die Fachbetreuerin Französisch, Petra Angerer-Gschwind, und ihr siebenköpfiges Team werden die Jugendlichen dadurch „Gast und Gastgeber“, was der Verständigung zusätzlich einen erfreulichen Effekt verleihe. Damit nicht genug: Seit 1995 gibt es auch eine Schulfreundschaft mit Sopron/Ungarn und seit 2007 mit Trebic/Tschechien.

Auch gute Verbindungen zwischen den Eltern

Ebenfalls schon 35 Jahre Bestand hat die Schulpartnerschaft zwischen der Krumbacher Realschule und der gleichrangigen Unterrichtsstätte in Laval im französischen Departement Mayenne. Wie Schulleiter Rudolf Kögler sagt, sind es jährlich 15 Schüler, die sich auf Fahrt begeben und beim Gegenbesuch ihrer Jahrgangskameraden die Freundschaft vertiefen. Was den Schulleiter besonders freut: „Es gibt unter den Eltern inzwischen vielfache kameradschaftliche Verbindungen, denn oftmals waren bereits sie als Schüler schon Gäste in Krumbach beziehungsweise Laval.“

Die Erkenntnis von Bürgermeister Fischer daraus: „Solche zwischenmenschlichen Beziehungen unter Schülern und gleichgesinnten Erwachsenen sind für ein geeintes Europa weitaus wertvoller und zumeist langlebiger, wie der Besuch einiger Offizieller im jeweiligen Rathaus.“

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