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Aletshausen

30.11.2017

Warum Schnitzen wie ein Virus ist

Regelmäßig kommen Sarah, Korbinian und Fabian aus Aletshausen (von links) zum „Schnitzerhoigarta“ der Krumbacher Krippenfreunde.
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Regelmäßig kommen Sarah, Korbinian und Fabian aus Aletshausen (von links) zum „Schnitzerhoigarta“ der Krumbacher Krippenfreunde.
Bild: Silvia Maurer

Vor Weihnachten arbeiten drei junge Nachwuchsschnitzer auf Hochtouren. Was Sarah, Korbinian und Fabian an ihrem Hobby gefällt.

Momentan ist viel zu tun: Die Schafherde muss vergrößert werden, die „Heiligen Drei“ sind noch zu zweit, deren Kamel steckt in der Rohfassung und dann gilt es ja auch noch, das ein oder andere Weihnachtsgeschenk zu zaubern. In der Vorweihnachtszeit arbeiten die drei Nachwuchsschnitzer Sarah Matzka (15) aus Aletshausen, Korbinian Herbst (12) und Fabian Baur (13), beide ebenfalls aus Aletshausen, auf Hochtouren. K!artext hat die drei Nachwuchstalente bei der Arbeit bei den Krippenfreunden Krumbach besucht.

Sarah ist am längsten dabei: Sie kam vor zwei Jahren über die Arbeitsgemeinschaft „Schnitzen“, die die Krippenfreunde des Krumbacher Heimatvereins in Kooperation mit der Mittelschule anbieten, dazu. Auf demselben Weg fand ein Jahr später Fabian zu den Schnitzern. Und Korbinian kam über einen Bekannten dazu. Inzwischen treffen sich die drei Freunde jedoch Woche zum „Schnitzerhoigarta“ mit den erfahrenen Schnitzern.

Die drei sind sich einig: Wenn man einmal angefangen hat, kommt man von der Faszination Schnitzkunst nicht mehr weg. „Man könnte sagen, das ist wie ein Virus“, schmunzelt Fabian. Und was macht das Hobby so derart mitreißend? „Die Kreativität“, stellt Sarah fest. „Für mich ist das ein Hobby, bei dem ich etwas Einzigartiges herstellen kann. Und außerdem lernt man, mit Geduld und Fingerspitzengefühl zu arbeiten.“ Trotz der ständig notwendigen Konzentration beruhigt sie das Schnitzen und es macht sie glücklich, wenn sie am Schluss die fertige Figur in ihren Händen hält. Ähnlich sieht das Korbinian: „Man sieht dann einfach, dass man was geschafft hat.“

Und das wird klar, wenn man sich einmal anschaut, in welchen Schritten eine geschnitzte Figur entsteht: Zuerst wird aus einem Stück Lindenholz ein sogenannter „Rohling“ ausgesägt, der noch ziemlich kantig und unförmig ausschaut. In der zweiten Phase schnitzt man dann die Gliedmaßen und die grobe Kopfform. Und erst dann erfolgt der Feinschliff: Oberflächenstruktur, Gesichtszüge etc. „Der Vorteil hier bei den Krippenfreunden ist, dass genügend hier sind, die das schon jahrzehntelang machen. Wir bekommen bei allem Hilfe“, erklärt Sarah. In der kurzen Zeit, in der Sarah, Fabian und Korbinian jetzt dabei sind, haben sie sich schon einen stattlichen Fundus an Figuren und kleinen Kunstwerken erarbeitet. Angefangen hat es bei den Dreien mit dem Bauen einer Kinderkrippe und dem Schnitzen von größeren, einfach gehaltenen Kinderfiguren im allerersten Kurs bei den Krippenfreunden. Dann wurden die Figuren und deren Mimik und Gestik immer feiner. Genau darin liegt für die drei Nachwuchsschnitzer nach wie vor die größte Schwierigkeit: „Das Gesicht ist immer die größte Herausforderung. Das ist für mich manchmal schon noch schweißtreibende Arbeit“, gibt Korbinian zu.

Seitdem die Heilige Familie fertiggestellt ist, erweitern die drei ihre Krippen. Sarah arbeitet aktuell an der Wollung eines Schafs, das heißt, sie schnitzt mit einem speziellen Messer die Wollstruktur heraus. „Wenn man da das entsprechende Werkzeug hat, kann man sich sehr viel Arbeit und Zeit sparen“, erklärt Fabian. Alle drei sind schon sehr gut ausgerüstet. „Weihnachten, Geburtstag und so weiter – immer ging’s ein bisschen aufwärts mit den Messern“, erzählt zum Beispiel Korbinian. „Wie breit, wie fein, rund oder eckig? Da gibt’s unzählig Werkzeug“.

Sarah wird ihr Schaf bald fertig haben, insgesamt braucht sie für eines inzwischen noch drei bis vier Stunden. Fabian präsentiert seine Dekosterne. Davon hat er jetzt in der Vorweihnachtszeit schon einige geschnitzt. Und Korbinian verschenkt dieses Jahr vielleicht ein paar seiner geschnitzten Blumenblüten. „Die muss ich jetzt noch in Massenproduktion bringen“, witzelt er. Bald ist es wieder soweit und die Krippen werden aufgestellt. „Ich musste meine selbst gebaute Krippe schon mit einer Platte drum herum vergrößern, meine Figuren haben nicht mehr reingepasst“, erzählt Fabian stolz. Auch Sarah findet es schön, dass im heimischen Wohnzimmer inzwischen hauptsächlich ihre inzwischen gut bestückte Krippe aufgestellt wird. Und Korbinian, der am kürzesten dabei ist, sieht es pragmatisch: „Mut zur Lücke!“ Er hat festgestellt, dass es sich auch mal lohnt, Familie und Verwandte beim Krippenschauen zu beobachten: „Alle loben die Figuren immer. Ich muss dann schon manchmal schmunzeln, wenn ich so meine eigenen Fehler sehe.“

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