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Krumbach

09.12.2019

Warum der Biber am Krumbächle nicht erwünscht ist

In diese Lebendfalle soll der Biber im Bereich des Krumbächles tappen. Biber können bis zu rund 30 Kilo schwer werden.
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In diese Lebendfalle soll der Biber im Bereich des Krumbächles tappen. Biber können bis zu rund 30 Kilo schwer werden.
Bild: Peter Bauer

Plus Der Bau eines Biberdamms kann problematisch werden. Wie die Untere Naturschutzbehörde reagiert und welche Reise dem Biber vielleicht noch bevorsteht.

Es ist ein seltsamer Blechkasten, der da zuletzt im Süden Krumbachs im Bereich des Krumbächles zwischen dem Rotkreuz-Seniorenheim und der Bahnunterführung stand. Der Erklärung näher kommt man beim Blick auf die Oberseite des Kastens. „Biberfalle GZ 17, Biberfang im Auftrag des Landkreises Günzburg“. Warum „Biberfang“ in diesem Bereich? In der Umgebung am Krumbächle ist deutlich sichtbar, wie aktiv der Biber hier ist. Ein Dammbau ist zu sehen, das Krumbächle ist durch den Biberdamm stellenweise aufgestaut, zahlreiche Bäume sind angenagt. Wenn es Hochwasser gibt, tritt das Krumbächle hier bekanntlich in der Regel sehr schnell über die Ufer. Und wenn das drückende Wasser dann noch das Dammmaterial wegspült, sich dieses unter der nahen Brücke verklemmt und der Durchfluss nicht mehr möglich ist, dann könnte ein Hochwasser hier zu so manchem vollen Keller führen. So habe sich der Landkreis Günzburg, wie Ottmar Frimmel von der Unteren Naturschutzbehörde berichtet, entschieden, den Biber einzufangen.

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Der Biber? Frimmel ist sich sicher, dass es sich um ein Einzeltier handelt. Er wird lebend eingefangen, betont Frimmel. Und später an einer ganz anderen Stelle, wo er keine Probleme bereiten kann, wieder ausgesetzt. Und das könnte für den Biber dann noch eine richtig weite europäische Reise werden. Frimmel berichtet, dass Biber aus Bayern im Rahmen der europaweiten Zusammenarbeit beispielsweise auch in Schottland ausgesetzt werden.

Weitere Informationen zum Thema Biber findet Sie hier:

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Wie ist das mit den Bibern im Kreis Günzburg? Frimmel erläutert, dass es in den Jahren 2013/14 im Kreis eine umfassende Bestandsaufnahme („Kartierung“) gab. Man sah die Größenordnung seinerzeit bei rund 620 bis 700 Bibern. Frimmel meint, dass auch derzeit von dieser Größenordnung auszugehen sei, tendenziell seien es eher noch mehr Biber geworden. Der Bestand sei der geschützten Tiere stabil und habe sich gut entwickelt.

Wenn Menschen über den Biber sprechen, dann können die Standpunkte höchst unterschiedlich ausfallen. Landwirte sind auf ihn mitunter nicht gut sprechen, andere wiederum sehen Biber schlichtweg als putzige Gesellen, die für die heimische Natur eine Bereicherung sind.

Der Landkreis Günzburg hat sich basierend auf der zahlenmäßigen und räumlichen Bestandsaufnahme sozusagen für eine „flexible Biberstrategie“ entschieden. In einigen dafür geeigneten Naturräumen wird dem Biber ganz bewusst Lebensraum überlassen wie etwa in einem Bereich an der Hasel zwischen Niederraunau und Mindelzell. Doch der Kreis schaut, wie Frimmel erläutert, auch darauf, dass Biber nicht zum Problemfall werden. So soll natürlich verhindert werden, dass Biber beispielsweise Gasleitungen anknabbern, ihre Dämme die Hochwassergefahr erhöhen oder angefressene Bäume gar umknicken und etwa auf Bahnlinien fallen. Auch im Krumbacher Süden ist die Bahnlinie vom Krumbächle bekanntlich nicht weit entfernt. In solchen Fällen entscheidet sich die Untere Naturschutzbehörde dann dafür, den Biber mit einer Lebendfalle einzufangen.

Zwei Fallen wurden aufgestellt

So wie jetzt am Krumbächle, in dessen Bereich laut Frimmel zwei Fallen aufgestellt wurden. Mit schmackhaften Rüben, Äpfeln oder Kartoffeln soll der Biber dann in die Falle gelockt werden. Leckerbissen, bei denen Biber in der Regel nicht widerstehen können. Sitzt der Biber dann einmal im Blechkasten, schließt sich hinter ihm die Klappe. Nach Auskunft von Frimmel wird die Falle zweimal am Tag kontrolliert. Solche Einsätze übernehmen die ehrenamtlich für den Landkreis tätigen Biberberater. In Krumbach ist dies nach Mitteilung von Frimmel Daniel Sonntag.

Im Rahmen des Bibermanagements Südbayern werde dann entschieden, wo die lebend gefangenen Tiere wieder sinnvoll ausgesetzt und angesiedelt werden können. Und dann könnte es, wie bereits gesagt, für den Biber noch eine Reise in die schottische Wildnis geben. Allerdings gibt es in Sachen Biberfang auch eine Frist: Laut Frimmel bis zum Beginn der Schonzeit am 15. März.

So darf man gespannt sein, wohin der Lebensweg des Bibers vom Krumbächle noch führen wird. Unklar ist laut Frimmel derzeit, ob es sich um ein männliches oder weibliches Tier handelt. Aber wie auch immer, die „Einzeltiere“ wollen irgendwann eine Familie gründen. Doch vielleicht wird dies im aktuellen Krumbacher Fall erst im europäischen Ausland geschehen.

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