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Tierschutz

10.01.2015

Warum der Star auf den Winter pfeift

Die Kälte scheint dem Star nichts anzuhaben.
Bild: Ramona Horber

Immer mehr Zugvögel verbringen die kalte Jahreszeit in der Heimat. Vogelschützer wollen mit einer großen Zählaktion Veränderungen in den Beständen erkennen

Eines Tages saß er einfach da, der Star. In der Nacht hatte es geschneit. Den wenigen Äpfeln, die noch an dem Apfelbaum in Ramona Horbers Garten in Billenhausen hingen, hatte der Schnee weiße Mützen gezaubert. Wie in einen dicken schwarz-weiß gepunkteten Wintermantel gehüllt, krallte sich der Star mit aufgeplusterten Federn an einem dünnen Ast fest und trotzte der Kälte.

Eigentlich sollte der Vogel buchstäblich über alle Berge und längst viel weiter im Süden in wärmeren Gefilden sein, um dort sein Winterquartier zu beziehen. Doch immer mehr Zugvögel ziehen es vor, die kalte Jahreszeit in der Heimat zu verbringen, sagt Stefan Böhm, Kreisgruppenvorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz (LBV). Zwar sei der Vogelzug in den Genen der Tiere gewissermaßen „vorprogrammiert“ – Experten sprechen von der „Zugunruhe“, die die Vögel im Herbst erfasst –, trotzdem wird dieses Verhalten aber auch von der Witterung beeinflusst und hängt nicht zuletzt davon ab, ob der Vogel noch genug zu fressen findet.

Die warmen Temperaturen im Herbst und milde Winter haben die Zugunruhe bei den Vögeln offenbar etwas entspannt. So beobachtet Böhm vermehrt Buchfinkenweibchen, die den Winter hier verbringen. Bislang blieben nur die Männchen im kalten Deutschland zurück, während die verfrorenen Buchfinkendamen gen Süden flogen. Im Ruhrgebiet wurden sogar vereinzelte Schwalben gesichtet. Böhm kann sich dieses Phänomen nur damit erklären, dass die Temperaturen in diesem städtischen Ballungszentrum hoch genug seien, dass dort ausreichend Insekten überleben, die den Schwalben als Nahrung dienen.

Die Stare können im Zweifel ihr Quartier bei einem starken Wintereinbruch kurzfristig um etwa 200 Kilometer verlegen, erklärt Böhm. Der Star in Horbers Garten muss also nicht derselbe sein, der dort im Sommer hauste. Außerdem sind die Vögel hart im Nehmen. „Ein Star hat kein Problem damit, ein bis zwei Tage ohne Futter zu überleben“, sagt Böhm. Kranke und schwache Tiere könne eine solche Kältewelle allerdings schon dahinraffen: „Der Winter ist eigentlich die Zeit der natürlichen Auslese.“ In diesen Evolutionsprozess greift der Mensch mit Futterhäuschen und Meisenknödel jedoch massiv ein. Doch auch am vermeintlich sicheren Futterhäuschen lauern Gefahren in Gestalt von Raubvögeln und Hauskatzen auf die Vögel.

An der Frage, ob die Fütterung der Vögel gut oder schlecht sei, scheiden sich nach wie vor die Geister. Böhm erklärt, dass inzwischen wissenschaftlich belegt sei, dass die Zufütterung – sogar ganzjährig – kein Problem sei.

Mit der „Stunde der Wintervögel“ – einer Vogelzählaktion, bei der jeder mitmachen kann – wollen der Naturschutzbund Deutschland und der LBV Trends in der Entwicklung der Vogelpopulation erkennen. Etwa welche Arten mehr oder weniger geworden sind. Das lasse sich im Winter leichter erkennen, wenn die Vögel aus den Wäldern auf der Suche nach Futter in die Gärten ziehen. Bislang lassen sich Böhm zufolge kaum belastbare Aussagen treffen. Eine Entwicklung ist Böhm aber aufgefallen. Der Gimpel, der noch vor 25 Jahren ein häufiger Gast an den Futterhäuschen war, ist selten geworden. Noch gilt der Vogel zwar nicht als gefährdet, doch hierzulande sinkt die Population. Warum, darüber rätseln die Experten.

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