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Krumbach/Thannhausen

16.11.2017

Warum der rosa Regenschirm im Autohaus steht

Direkt am Fahrzeug ist sie zuhause: Stefanie Schwedow macht ihre Arbeit als KFZ-Mechatronikerin außerordentlich gut. Die Prüfung hat sie mit 1,0 abgeschlossen.
Bild: Silvia Maurer

Stefanie Schwedow hat sich in einen „Männerberuf“ gewagt und macht diesen auch noch besonders gut. Wie die 24-Jährige aus Krumbach zur Kfz-Mechatronik kommt.

„Als Frau in dem Beruf, wenn du sowieso nur so halb ernst genommen wirst, musst du besser sein als die anderen“, sagt KFZ-Mechatronikerin Stefanie Schwedow entschlossen. Ganz konkret bedeutet das in ihrem Fall: Sie schloss im Januar ihre Ausbildung im Autohaus Landherr in Thannhausen mit der Bestnote 1,0 ab und bekam dafür den Staatspreis verliehen. Im Anschluss holte sie beim bayerischen Landeswettbewerb der besten KFZ-Mechatronik-Absolventen den ersten Platz. Am vergangenen Freitag trat sie nun beim Bundeswettbewerb in Freiburg an. Hier machte sie den siebten Platz.

Der Weg zu ihrem „Traumjob“, wie die 24-jährige Krumbacherin heute sagt, war nicht der klassische: Zwar schaute sie sich von ihrem Vater, ein leidenschaftlicher „Hobbyschrauber“, schon immer vieles ab und machte mit 16 bereits ein Praktikum in einer Autowerkstatt. 2011 schien der Weg vom Abitur aber dann erst einmal direkt ins Studium vorgezeichnet. Stefanie studierte in Nürnberg vier Semester Mechatronik. „Ich hab aber schnell gemerkt, dass nur Theorie nichts für mich ist“, erinnert sie sich.

Als der Entschluss, das Studium abzubrechen, erst einmal gefasst war, ging dann alles ganz schnell. Durch ein Praktikum kam sie zum Autohaus Landherr und stieg direkt in die Ausbildung ein. Diese konnte sie aufgrund ihres Schulabschlusses und ihrer Vorkenntnisse von dreieinhalb auf zweieinhalb Jahre verkürzen. „Am Anfang, so die ersten zwei Monate, war es schon ein bisschen knifflig. Vor allem, weil ich mir selbst immer wieder gesagt hab: „Ich muss das alles schnell nachholen“, erzählt sie. Aber dann lief alles reibungslos. Selbst Elektrik, ein Fach, das Azubis schon mal gerne zum Schwitzen bringt, meisterte sie mit Bravour.

Die Berufsschule half Stefanie auch, sich an ihre Alleinstellung als Frau in einem männerdominierten Metier zu gewöhnen. Als sie in die Ausbildung einstieg, war sie dort eine von fünf weiblichen Azubis. Am Schluss war sie dann die Einzige, die den Abschluss gemacht hat. Ausgeschlossen oder gar gemobbt fühlte sie sich aber nie: „Klar war das vielleicht für den ein oder anderen in der Klasse am Anfang komisch, aber ich hab mich total wohlgefühlt.“

Und der Alltag in der Werkstatt im Autohaus Landherr? Wie wohl Stefanie sich hier fühlt, das sieht man daran, dass sie ganz selbstbewusst und demonstrativ einen rosafarbenen Regenschirm an ihrem Werkzeugschrank hängen hat und einen Ohrstecker in Form eines Schraubenschlüssels trägt. Auf dem Schrank liegen neben bunten angemalten Schaltplänen die dazugehörigen Marker. „Ein bisschen Mädchen muss schon sein“, witzelt sie.

Ihre ganz klare, unmissverständliche Kommunikation ist ihr Erfolgsrezept. „Ich gebe es zu, wenn mir zum Beispiel, was zu schwer zum Lupfen ist“, schildert sie. Andererseits kann sie aber auch standfest sein, wenn es darum geht, ernst genommen zu werden. Trotz ihrer vielen positiven Erfahrungen hat sie auch schon das Gegenteil erlebt. Beim Landeswettbewerb stellte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Stefanie und dem letztlich Zweitplatzierten ein. „Ich hatte das Gefühl, nicht das ’Verlieren’ an sich hat ihn gestört, sondern nur, dass er gegen ein Mädchen verloren hat“, schildert sie ihre Erlebnisse. „Aber so ist es halt, da muss man drüber stehen“, resümiert sie. Beim Landeswettbewerb mussten an zwölf Stationen Aufgaben, die an die Gesellenprüfung angelehnt sind, in jeweils 30 Minuten bewältigt werden. Ähnlich lief es auch beim Bundeswettbewerb in Freiburg ab.

Und wie fühlt man sich als Landessiegerin? „Das war einfach ein Bombengefühl“, erzählt Stefanie strahlend. „Bloß der ganze Trubel im Nachhinein, das ist eigentlich nicht so meine Art.“ Man merkt: Sie macht den Job, weil er ihr Spaß macht: „Ich möchte jeden Morgen aufstehen und mir denken können: Cool, ich geh jetzt in die Arbeit!“ Und man merkt auch, sie macht den Job gut, weil sie ihn gut machen möchte. „Das war ja meine freie Entscheidung, das zu machen, und ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht nur, was ich will, sondern auch, was ich definitiv nicht will“, reflektiert sie.

Und um den eigenen Job gut machen zu können, dazu gehört für Stefanie auch, Distanz dazu gewinnen zu können. Am Wochenende ist hierfür absolutes Kontrastprogramm angesagt: Sie arbeitet in einem Krumbacher Café im Service. „Ich genieße das total, die vielen Gespräche mit unterschiedlichsten Menschen – das ist für mich wie Urlaub“, erzählt sie. Am Wochenende Fachzeitschriften wälzen, das schließt sie für sich aus, sie braucht eine klare Trennung zwischen Freizeit und Beruf.

Trotzdem steht die Weiterbildung auf ihrer Agenda, denn auf ihren Erfolgen ausruhen, das kommt für Stefanie nicht in Frage: Für die Meisterschule ist sie ab nächsten März bereits angemeldet. Ihre Motivation: „Man muss ja schließlich weiterhin was für den Kopf tun!“

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