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LAZ Kreis Günzburg

24.05.2020

Warum die Leichtathleten sich vor 50 Jahren zusammentaten

Einen wesentlichen Teil zur Erfolgsbilanz des Leichtathletikzentrums Kreis Günzburg trug der Burgauer Bernd Hänschke bei. Er war nicht nur ein exzellenter Hürdenläufer, der zum Beispiel die 100 Meter Hürden in 14,4 Sekunden zurücklegte. Er liebte auch den Zehnkampf, wo er es auf 5721 Punkte brachte.
Bild: Sammlung Pfeiffer

Plus Bei der Gründung des LAZ Kreis Günzburg gab es viele Kritiker. Die sind schnell verstummt angesichts sportlicher Erfolge. Wie die Situation heute aussieht.

„Mit nordschwäbischem Rekord Schwäbischer Vizemeister“, „Schüssler sprintet zum Bayerntitel“, „Persönliche Bestleistung: König ist Bayerischer Meister“, „Sensationeller Siegeszug: LAZ holt sieben Titel“, „LAZ-Staffeln glänzen bei den Südbayerischen Meisterschaften“, „Gerhard Pfeiffer bester Schwabe“, „Den Speer auf Rekordweite geschleudert“, „LAZ-Männer sind Bayerischer Meister“ – die Liste der Schlagzeilen ließe sich noch lange fortsetzen. Geliefert haben diese positiven Nachrichten Sportler aller Altersschichten. Sportler des Leichtathletikzentrums (LAZ) Kreis Günzburg. Die Erfolge sind das Produkt einer Ehe, die vor 50 Jahren geschlossen wurde.

Leichtathletik betreibende Vereine aus dem damaligen Landkreis Günzburg sagten „Ja“ zu einer überregionalen Vereinigung. Im Jahr 1975 heirateten sich in diese auch die Vereine TSG Thannhausen und TSV Krumbach sowie einige Jahre später auch der TSV Niederraunau aus dem damals noch selbstständigen Landkreis Krumbach ein. Im Herbst dieses Jahres nun feiert das LAZ Kreis Günzburg sozusagen „Goldene Hochzeit“ und blickt auf 50 Jahre harmonisches Miteinander zurück.

Georg Simnacher brachte die Vereine an einen Tisch

Brautwerber und Hochzeitslader war seinerzeit Landrat Dr. Georg Simnacher. Er war es, der die Vereine aus dem Günzburger Raum im Jahr 1970 an den Hochzeitstisch geholt und mit ihnen die Weichen für eine äußerst erfolgreiche gemeinsame Zukunft gestellt hat. Am 8. Mai 1970 trafen sich im Landratsamt Günzburg 35 stimmberechtigte Vertreter der leichtathletiktreibenden Vereine aus Burgau, Günzburg, Leipheim und Ichenhausen, um sich das „Ja-Wort“ für einen gemeinsamen Lebensweg zu geben. Es war die erste Vereinigung dieser Art in Bayern. „Vereinsegoismus hintanstellen und mit Gemeinschaftsgeist zu größeren sportlichen Erfolgen kommen“, so formulierte damals Landrat Simnacher das Ziel seiner Initiative. Nach dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“ war es das Bestreben, schlagkräftige Truppen zu bilden, um mit den großen Leichtathletikklubs in München, Augsburg und Fürth, vor allem in den damals populären Teamwettbewerben, mithalten zu können.

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Der amtierende erste Vorsitzende des LAZ Kreis Günzburg, Gerhard Pfeiffer, zeigt auf das Logo der Vereinigung, das aus gegebenem Anlass um den Schriftzug „50 Jahre“ erweitert wurde. Pfeiffer hat das Amt des Vorsitzenden im Jahr 2003 von Landrat Hubert Hafner übernommen, der von 1996 bis 2003 an der Spitze des Leichtathletikzentrums stand.
Bild: Sammlung Pfeiffer

Dass das LAZ ein Lieblingskind des im Jahr 2014 verstobenen Landrats war, zeigt allein schon die Tatsache, dass Simnacher 27 Jahre Vorsitzender dieser Vereinigung war und sich in dieser Zeit stets um die Sorgen und Wünsche aller Athleten – gleich ob klein oder groß – annahm und sich durch Kontakte zu Politik und Wirtschaft unter anderem auch darum bemühte, dass nie ein Loch in der Haushaltskasse entstand.

Kritiker gaben dem LAZ keine Zukunftschancen

Es gab natürlich seinerzeit auch einige Skeptiker, die der Leichtathletik-Ehe keine großen Zukunftschancen gaben und manch Ehekrise befürchteten. Und was den Zweiflern ein besonderer Dorn im Auge war: Die teilnehmenden Vereine mussten einen Teil ihrer Souveränität aufgeben, denn die Athleten starteten nicht mehr für ihren Heimatverein, sondern für das LAZ Günzburg. Doch die Kritik verstummte sehr schnell. Ganz einfach, weil sich sehr bald die Erfolge einstellten. Zudem entlastete das LAZ die Vereine, indem es Zuschüsse für die Startgebühren und Fahrtkosten gewährte.

Einer der besten Läufer des LAZ Kreis Günzburg war Eberhard Wiek (2. von rechts). Er ist heute noch Inhaber von drei LAZ-Rekorden.
Bild: Sammlung Pfeiffer

Einer der damals unter den „Trauzeugen“ war, ist der heute 78 Jahre alte Manfred Skibbe aus Burgau. Der einstige Mittel- und Langstreckler und langjährige Trainer hat die gesamte Entwicklung des LAZ aktiv miterlebt. Er weiß noch um die Abmachung, dass die Athleten bei den Wettbewerben zwar für das LAZ starten und unter diesem Namen auch in der Ergebnisliste auftauchen, bei der Berichterstattung in der Heimatzeitung aber unter dem Namen ihres Heimatvereins präsentiert werden.

Musterknabe Munzinger

Musterknabe in den Anfangsjahren war zweifelsohne der Läufer Hans Munzinger. Er war unter anderem nicht nur Dritter über 3000 Meter bei den Deutschen Hallenmeisterschaften, Deutscher Vizemeister im Waldlauf, Dritter über 10000 Meter bei der DM in Berlin und bei zwei Länderkämpfen im Einsatz, sondern er machte auch auf sich aufmerksam, als er beim Hans-Braun-Sportfest in München in der Zeit von 13:53,6 Minuten über 5000 Meter den Weltklasseläufer Gaston Roealants aus Belgien besiegte. Der Deutsche Leichtathletikverband würdigte diese Leistungen mit der Berufung ins Nationalteam. Übrigens: Mit einer Zeit von 28:40 Minuten über die 10000 Meter-Distanz ist Munzinger heute noch unerreichter Rekordhalter im LAZ.

Hans Munzinger war einer der Topathleten des LAZ, hier beim Olympischen Fackellauf der Sommerspiele 1972 in München.
Bild: Sammlung Pfeiffer

Länderkampf mit Ghana in Burgau

Noch bestens in Erinnerung ist Manfred Skibbe ein sportliches Großereignis aus dem Jahr 1973. Es war ein Länderkampf im Stadion des TSV Burgau mit der 28-köpfigen Nationalmannschaft aus Ghana. Initiiert hat dies der Günzburger Mehrkämpfer Walter Abmayr, der zu dieser Zeit Nationaltrainer in Ghana war. Die enormen Anforderungen, die da auf das LAZ mit Planung und Organisation zukamen, brachten den LAZ-Chef Simnacher nicht aus der Ruhe. „Der hat Jahre vor der Bundeskanzlerin Merkel schon gesagt: Wir schaffen das!“, erinnert sich Skibbe. Und er hat auch noch den Weitspringer Charlton Ehizuelen im Gedächtnis, der den Burgauern deswegen Sorgen bereitete, weil seine Bestweite bei 8,21 Metern lag und somit die Gefahr bestand, dass die Burgauer Weitsprunganlage zu kurz sein könnte. Total überrascht waren beim Länderkampf die Organisatoren von dem enormen Zuschauerinteresse. „Wir rechneten damals mit ein paar hundert Zuschauern, gekommen sind aber so um die 3000“, erzählt Skibbe.

Das LAZ hätte also richtig Kasse machen können, doch, so Skibbe, „wir haben im Eifer des Gefechtes ganz vergessen, Eintritt zu kassieren“. Und da waren auch die jährlichen Vergleichskämpfe in den 70er Jahren mit der Leichtathletikvereinigung Züricher Oberland. Am Samstag wurde tagsüber in den verschiedenen Disziplinen gekämpft und abends dann gemeinsam gefeiert. Tags darauf gab es dann noch ein weiteres Highlight: das „Länderspiel“ Schweiz gegen Deutschland im Fußball. „Da haben die Schweizer aber nie gewonnen“, weiß Skibbe noch ganz genau.

In verschiedenen Disziplinen sehr stark: Tobias Wiedemann. Der Burgauer ist mehrfacher Bayerischer und Schwäbischer Meister.
Bild: Sammlung Pfeiffer

Solche Veranstaltungen und zahlreiche sportliche Erfolge der LAZ-Athleten sorgten dafür, dass sich die Vereinigung über die Grenzen Schwabens und Bayerns einen sehr guten Ruf erworben hat. So ist in einem Jahresbericht folgendes nachzulesen: „Nicht einmal die größten Optimisten hatten mit einem solchen Aufschwung gerechnet. Alle Zweifler und Kritiker wurden eines Besseren belehrt.“

LAZ Kreis Günzburg brachte große Namen hervor

Es gibt viele Namen, die zum Ansehen des LAZ in den 50 Jahren ihren Beitrag geleistet haben. Da sind zum Beispiel die Geher Anton Hab, Hans Steck, Wilhelm Schmid und Monika Bader, der Kugelstoßer, Speer- und Diskuswerfer Dieter Duttke, die Weitspringerin Erna Baumann, der Läufer Josef Weißenhorner, der Hürdenläufer Bernd Hänschke, ein Josef Strehle (Deutscher Juniorenmeister im Speerwurf), sowie aus der „Neuzeit“ ein Manuel Bieglmayer (Deutscher Jugendmeister im Dreisprung) oder ein Paul Walschburger (Deutscher Meister im Block/Wurf). Vor allem aber auch in den Mannschaftswettbewerben lagen die Stärken des LAZ – sowohl früher als auch heute. „Es würde den Rahmen sprengen, diese hier alle namentlich aufzuführen“, betont der heutige Vorsitzende Gerhard Pfeiffer. Den zahlreichen Erfolgen lag natürlich manch schweißtreibende Trainingseinheit zugrunde. Gerhard Pfeiffer und Manfred Skibbe, der ins 58. Jahr als Leichtathletiktrainer geht, wissen nur allzu gut aus eigener Erfahrung, dass es mit bis zu fünfmaligem Training pro Woche nicht getan ist. „Da steckt deutlich mehr dahinter“, betont Skibbe. Manches Wochenende ging mit der Teilnahme an Wettkämpfen und Lehrgängen drauf. „Aber“, so der 78-jährige Burgauer, „es waren schöne Zeiten.“

Die Geher sammelten zahlreiche Titel. Unser Bild zeigt (von links) das LAZ-Team mit Lothar Schmid, Anton Hab, Hans Steck, Hannes Ernst, Manfred Schebesta und „Chef“ Wilhelm Schmid bei einem der 23 Straßengehen in Ichenhausen. Insgesamt hat das LAZ unter der Regie von Schmid 44 Geherveranstaltungen (Halle, Bahn und Straße) organisiert.
Bild: Sammlung Pfeiffer

Trainingslager in der Toskana

Trainiert wurde übrigens auch im Ausland. „Vor allem die Trainingslager in der Toskana waren bei Jung und Alt sehr begehrt, einfach ein Highlight“, betont Gerhard Pfeiffer. Er schwärmt selbst heute noch vom tollen Stadion in Viareggio, den schönen kilometerlangen Wegen im angrenzenden Pinienwald, den knallharten Strandläufen, dem warmen Klima und natürlich dem Kulturangebot und Teilnehmerzahlen von 50 bis 60 Leichtathleten. Zweimal am Tag wurden diese zum Training gerufen. 25 Jahre lang hat Manfred Skibbe ununterbrochen die Trainingslager in der Toskana jeweils in der Osterzeit organisiert.

Die LAZ-Topathleten im Jahr 2007. Unser Bild zeigt (hinten von links) Julia Merkle, Antonia Grötzinger, Wanda Müller, Sabrina Maier, Jennifer Brinkmann, die Trainer Luis Brandner und Manfred Skibbe sowie (vorne von links) Trainerin Ursula Schreinert, Michael Leitner, Jochen Westa, Max König, Christoph Schüssler, Alexander Höffler und Manuel Frick.
Bild: Sammlung Pfeiffer

2013 war eines der stärksten Jahre des LAZ in der „Neuzeit“. „Da gab es sehr viele erfolgreiche Sportler zu ehren, die mit extrem guten Ergebnissen aufwarteten.“ Im Rampenlicht standen hier aufgrund ihrer Leistungen Paul Walschburger, Lukas Wunderlich, Yannick Bals, Anthony Möckel, Chiara Fischer, Johannes Mensch, Simon Auerhammer, Markus Preißinger, Manuela Groß, Daniel Kinzel, Andreas Rott und Matthias Schneider. Trainiert wurden sie von Manfred Skibbe, Luis Brandner, Uschi Schreinert, Frank Kühnl und Gerhard Pfeiffer.

Einer der Gründe, warum das LAZ nie ernsthaft in personelle Existenznöte geriet, lag daran, dass die Leichtathletikfamilie immer um Nachwuchs bemüht war. Die geleistete Nachwuchsarbeit blieb auch an höchster bayerischer Stelle nicht verborgen. Und so zeichnete der Bayerische Leichtathletikverband im Jahr 2010 das LAZ für erfolgreiche Jugendarbeit aus.

LAZ hat mit gleichen Problemen zu kämpfen wie andere Vereine

Und wie sieht die Situation heute aus? Wie bei anderen Vereinen auch, bestehe das Problem, so Pfeiffer, dass man sich in der schnelllebigen Zeit schwer tue, einen langjährigen Aufbau in den Einzelsportarten zu erreichen und Ehrenamtliche für die Leichtathletik zu gewinnen. Der LAZ-Vorsitzende will aber nicht klagen, „zumal es uns trotz der schwierigeren Bedingungen noch immer gelingt, Talente nach vorne zu bringen, die auf schwäbischer, bayerischer und sogar noch höherer Ebene leistungsmäßig mithalten können“. Und so können die derzeit unter dem Dach des LAZ aktiven Athleten des TSV Burgau, TSV Offingen, TSV Niederraunau, VfR Jettingen, VfL Leipheim und der TSG Thannhausen hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.

Am Samstag, 19. September, ist in Krumbach (Sportplatz Schulzentrum) ein Jubiläumssportfest in Form eines Vergleichskampfes mit anderen großen Leichtathletikvereinen geplant. Eine Jubiläumsfeier mit Ausstellung im Vortragssaal der Sparkasse in Günzburg ist für Freitag, 16. Oktober, terminiert.

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