Newsticker

Auswärtiges Amt warnt vor Reisen nach Madrid und ins Baskenland
  1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Warum die Wirte die Senkung der Mehrwertsteuer nicht an Gäste weitergeben

Krumbach

02.07.2020

Warum die Wirte die Senkung der Mehrwertsteuer nicht an Gäste weitergeben

Ein Außenbereich zur Gästebewirtung und ein mietfreies Objekt sind nach Ansicht von Johannes Diem (links) und Georg Miller wichtige Hilfen für gastronomische Betriebe, die Corona-Krise durchzustehen. Die Mehrwertsteuersenkung begrüßen sie mit Vorbehalten.
Bild: Heinrich Lindenmayr

Plus Viele Gastwirte in Krumbach und Umgebung senken ihre Preise auch nach der Senkung der Mehrwertsteuer nicht. Welche Probleme die Gastronomen haben.

Eine Nacht ohne Schlaf war der Preis, den Johannes Diem für die Senkung der Mehrwertsteuer zu zahlen hatte. Es sei kompliziert und schwierig gewesen, das Buchungs- und Kassensystem von Metzgerei, Hotel und Gasthaus Diem auf die neuen Steuersätze einzustellen, berichtet der Gastronom. Dabei sollte die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer doch allen helfen, Konsumenten und Betrieben. Für die Wirte ist die Lage aber immer noch schwierig.

Vor allem die unterschiedlichen Steuersätze für Übernachtung, Speisen und Getränke hätten die Umstellung unnötig aufwendig gemacht, erzählt Diem. Bei Kombiangeboten wären die differierenden Steuersätze besonders heikel, schlägt Georg Miller vom benachbarten Zitherbäck in die gleiche Kerbe. Ein Frühstück bestehe nun einmal aus Getränken und Speisen und da müsse der Wirt unterschiedliche Steuersätze berücksichtigen. Ein einheitlicher Steuersatz wäre eine gute Lösung gewesen, um den Wirten in den schwierigen Corona-Zeiten zu helfen und bürokratische Hürden zu verringern, darin sind sich Johannes Diem und Georg Miller einig.

Die Krumbacher Gastwirte begrüßen die Senkung der Mehrwertsteuer

Beide begrüßen die Senkung der Mehrwertsteuer als Instrument, durch Corona geschädigte Betriebe zu entlasten und das Konsumklima in Deutschland zu verbessern. Der Bürger sollte aber die großen Unterschiede zwischen den Branchen berücksichtigen. Es gebe Branchen, die durch die Corona-Beschränkungen profitiert hätten, beispielsweise die Lebensmittelmärkte. Andere Branchen, etwa die Bau- und Gartenmärkte, hätten eine Durststrecke gehabt, anschließend aber einen regelrechten Boom erfahren. Solchen Branchen sei es leicht, die Senkung der Steuer an die Bürger weiterzugeben. In der Gastronomie sei die Situation eine andere, erklärt Johannes Diem.

Warum die Wirte die Senkung der Mehrwertsteuer nicht an Gäste weitergeben

Rund 100 Tage verordneter Stillstand seien zu überstehen gewesen. Aber nach dem Lockdown komme das Geschäft nur nach und nach wieder in Schwung und sei noch weit entfernt von den früheren Umsätzen. Die Rückkehr der alten Kunden vollziehe sich schrittweise, sogar von den ehemaligen Stammkunden am Mittagstisch seien einige ausgeblieben. Ähnlich sieht das Georg Miller. Corona habe seltsame Entwicklungen in Gang gesetzt. Beispielsweise hätten etliche Bürger Mehl und Hefe gehortet und angefangen, selbst zu backen. Er habe schon Anfragen gehabt, wie die professionellen Bäcker es hinbekämen, Backware in der immer gleichen Qualität herzustellen. Offenbar hätten die vielen neuen Hobbybäcker damit ein Problem.

Wirte im Raum Krumbach wollen versuchen, alte Preise zu halten

Die schwierige Situation nach dem Lockdown lasse es nicht zu, die Mehrwertsteuersenkung an die Gäste weiterzugeben, zumal auch die Hygienemaßnahmen teuer seien und die Plätze in den Lokalen ausgedünnt werden mussten, meint Johannes Diem. Er habe mit einer ganzen Reihe von Gastwirten gesprochen, beispielsweise mit den Betreibern des Kupferdächle, des Da Piero oder des Adler in Ziemetshausen. Alle beurteilten den Sachverhalt gleich: Man werde versuchen, die alten Preise zu halten, an Preissenkungen sei aber nicht zu denken, wenn man die Krise durchstehen wolle.

Von unterschiedlichen Erfahrungen berichtet Bernd Schramm, Geschäftsführer des Klosterbräuhauses in Ursberg. Der Biergarten werde inzwischen wieder gut frequentiert, wenngleich man von den Umsätzen des Vorjahrs nur träumen könne. Im Innenbereich sehe es deutlich schlechter aus. Die zurückhaltende Konsumlaune beim Bürger und auch Ansteckungsängste führt Schramm als Gründe dafür an, dass die Gaststuben noch recht zögerlich besucht würden.

Mehrwertsteuersenkung nützt bei weiterem Lockdown nichts

Wer einen Außenbereich habe, der sei in Corona-Zeiten deutlich bessergestellt. Mit der Umstellung auf verringerte Steuersätze habe es beim Klosterbräuhaus wenig Probleme gegeben. Vorsichtshalber stünde auf den Speisekarten seines Hauses, dass der jeweils gültige Mehrwertsteuersatz einberechnet sei, sonst hätte man alle Karten neu drucken lassen müssen. Im Buchungssystem sei alles nach Warengruppen geordnet, da sei die Umstellung auf die neuen Sätze einfach gewesen.

Alle gastronomischen Betriebe eint eine gemeinsame Sorge, die ungewisse Zukunft. Einen weiteren Lockdown dieser Größenordnung würde der Großteil der Betriebe nicht durchhalten, eine massive Ausdünnung gastronomischer Anbieter wäre die Folge, ein fataler Verlust für die Kultur in unserem Land.

Lesen Sie dazu auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren