1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Warum kommen keine prominenten Kirchenmänner mehr nach Maria Vesperbild?

Maria Vesperbild

05.08.2019

Warum kommen keine prominenten Kirchenmänner mehr nach Maria Vesperbild?

Copy%20of%2020180815_170211.tif
3 Bilder
Der kunstvoll geschmückte Blumenteppich ist Jahr für Jahr ein Höhepunkt an Mariä Himmelfahrt im mittelschwäbischen Wallfahrtsort Maria Vesperbild. Im Bild der Blumenteppich, der im August 2018 zu sehen war.
Bild: Peter Bauer

Heuer ist Weihbischof Wörner an Himmelfahrt zu Gast. Warum der Wallfahrtsdirektor Auftritte von Geistlichen aus der Region schätzt und was er plant.

Wallfahrtsdirektor Erwin Reichart rechnet wieder mit Tausenden von Gläubigen, die am Himmelfahrtstag, 15. August, nach Maria Vesperbild kommen. Das Pontifikalamt wird Weihbischof Florian Wörner aus Augsburg zelebrieren. Mit Blick auf den 15. Augst erinnert sich so mancher in diesen Tagen auch an die zahlreichen prominenten Geistlichen, die im Wallfahrtsort in den vergangenen Jahren zu Gast waren. Gänswein, Marx, Meisner, klingende Namen. Aber in Vesperbild zu Gast war im Jahr 2013 beispielsweise auch der hoch umstrittene damalige Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst. Nicht wenige Außenstehende haben inzwischen den Eindruck, dass der „Promifaktor“ in Maria Vesperbild am 15. August keine so große Rolle mehr spielt, seit Monsignore Erwin Reichart das Amt des Wallfahrtsdirektors von seinem Vorgänger Wilhelm Imkamp (zum Jahreswechsel 2017/18) übernommen hat.

Wie ist das mit dem „Promi-Faktor“ in Maria Vesperbild? Prominenz allein reiche nicht aus. Wichtig sei vor allem, dass die Geistlichen, die nach Maria Vesperbild kommen, auch „etwas zu sagen haben“, erklärt Reichart im Gespräch mit unserer Redaktion.

Eine neue Linie bei der Besetzung

Unverkennbar ist eine neue Linie bei der Besetzung des 15. August, seitdem Reichart Wallfahrtsdirektor ist. Im vergangenen Jahr war beispielsweise Karl Wallner aus Österreich zu Gast. „Kein Bischof“, wie Reichart betont. Doch jemand, der mit seiner Sprache und seiner Botschaft offensichtlich Menschen erreichen kann. Wallner leitete viele Jahre die Philosophisch-theologische Hochschule von Heiligenkreuz. Die Zahl der Studenten stieg in dieser Zeit von rund 70 auf über 300. Heiligenkreuz gilt als das größte Priesterseminar im deutschsprachigen Raum.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Reichart hat zudem von Anfang an angekündigt, dass er den Wallfahrtsort Maria Vesperbild wieder enger an die Diözese Augsburg binden möchte. So kam zu Reicharts „Premiere“ in Sachen Großereignisse in Vesperbild am Pfingstsonntag 2018 der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa, an Pfingsten 2019 war der Augsburger Weihbischof Anton Losinger zu Gast. Reichart und Losinger kennen sich gut aus den gemeinsamen Jahren in Studium und Priesterseminar. „Natürlich war es eine besondere Freude für mich, dass er zum Pontifikalamt nach Maria Vesperbild kam“, sagt der Monsignore.

Weihbischof Florian Wörner.
Bild: Ralph Lienert

Auch Florian Wörner, in der offiziellen Ankündigung der Wallfahrtsdirektion als „junger, dynamischer Augsburger Weihbischof“ umschrieben, kennt Reichart gut. Und dem Wallfahrtsdirektor ist es ein Anliegen, zunächst einmal Geistliche aus der Region für die großen Veranstaltungen in Maria Vesperbild zu gewinnen. Wichtig sei ihm die „Neuevangelisation“, die Verkündigung des Evangeliums in einer Welt, in der der Glaube zunehmend an Bedeutung verliert.

Welcher Weg ist der richtige?

Doch welcher Weg ist da der richtige? Reichart hat seit seiner Amtseinführung als Wallfahrtsdirektor etliche Diskussionsveranstaltungen zu Glaubensfragen organisiert, darunter auch eine Veranstaltung des „Initiativkreises katholischer Priester und Laien in der Diözese Augsburg“. Ein klares Nein zu „Priesterinnen in der katholischen Kirche“: Das war eine zentrale Aussage der Veranstaltung. Nicht wenige bezeichnen Reichart auch mit Blick darauf als „konservativ“. Dies sei ein „unpassender politischer Begriff“, hat Reichart einmal dazu gesagt. Es gehe vielmehr darum, die Überlieferung des katholischen Glaubens zu bewahren.

Wallfahrtsdirektor Monsignore Erwin Reichart.
Bild: Gertrud Adlassnig

Mit seinen von nicht wenigen Gläubigen kontrovers diskutierten Positionen in zentralen Glaubensfragen liegt Reichart weitgehend auf einer Linie mit seinem Vorgänger Wilhelm Imkamp, der seit dem Wechsel in Maria Vesperbild auf Schloss Sankt Emmeram in Regensburg lebt und dort unter anderem für Fürstin Gloria von Thurn und Taxis die Bibliothek betreut und eine Schriftenreihe herausgibt. Doch mit seiner pointierten Art und nicht zuletzt durch seine Auftritte in Talkshows polarisierte Imkamp in seiner Zeit als Wallfahrtsdirektor weit mehr als Reichart.

Imkamp gelang es in seiner Amtszeit immer wieder, sehr bekannte Geistliche für einen Besuch in Maria Vesperbild zu gewinnen. Reichart hat nun die „regionale Komponente“ stärker betont, hält die Auftritte prominenter Geistlicher aber in der Zukunft für denkbar. Stefan Oster, seit 2014 Bischof von Passau, komme nächstes Jahr. Denkbar sei ein erneuter Auftritt von Kardinal Reinhard Marx (er war bereits im Jahr 2009 zu Gast) und Georg Gänswein (Kurienerzbischof und Privatsekretär von Papst Benedikt XVI, 2014 zu Gast), sei erneut eingeladen worden. Und er habe, so Reichart, bislang nicht abgesagt.

Wesentliche Neuerungen am Himmelfahrtstag

Am Himmelfahrtstag soll es in diesem Jahr einige wesentliche Neuerungen geben. Am Blumenteppich werden von Donnerstag, 15. August bis Sonntag, 18. August, jeweils von 14 bis 18 Uhr, an den Werktagen auch von 10 bis 12 Uhr, von Geistlichen Führungen, Gespräche, auf Wunsch auch kleine Andachten angeboten. Der Blumenteppich ist Jahr für Jahr ein besonderer Höhepunkt am Himmelfahrtstag. „Ihn möchten wir den Menschen erklären“, sagt Reichart. Zudem soll am Himmelfahrtstag in Ergänzung zum Angebot der Wallfahrtsgaststätte an zwei Ständen auf den Parkplätzen Verpflegung angeboten werden. 15 Prozent des Erlöses kommen der anstehenden Kirchenrenovierung (innen und außen) zugute. 2,7 Millionen Euro sind veranschlagt. Im Oktober soll es losgehen, im Sommer 2021 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Der Wallfahrtsdirektor freut sich, dass inzwischen bereits rund 220000 Euro an Spenden für die Renovierung zusammengekommen sind.

Das Pontifikalamt mit Weihbischof Wörner beginnt am Donnerstag, 15. August, um 19 Uhr. Anschließend findet die traditionelle Lichterprozession statt.

Mehr zu Wallfahrtsdirektor Reichart und seinen Plänen für Maria Vesperbild erfahren Sie in unserem Interview, das anlässlich seines Amtsantritts entstand:
Maria Vesperbild ist „keine autarke Insel“

Zum Ende der Amtszeit von Wallfahrtsdirektor Wilhelm Imkamp 2017/18 entstand dieses Interview:
Von Zauberbergen und Bücherbergen

Anlässlich des Besuches von Georg Gänswein in Maria Vesperbild entstand im Jahr 2014 dieses Interview:
Die Kluft zwischen Papsteuphorie und Glaubenskrise

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren