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Interview

15.01.2015

Was Amerikaner an Mittelschwaben lieben

April Simpson, 15, war über Weihnachten für zwei Wochen zu Besuch in Krumbach. Dort hat sie auch den Wintereinbruch miterlebt.
Bild: Tabea Becker

Die Amerikanerin April Simpson erzählt im Interview, was sie bei ihrem Besuch in Mittelschwaben am meisten beeindruckt hat. Ein Gespräch über den Zusammenprall zweier Kulturen.

April Simpson, 15 Jahre alt und geboren in Plano, Texas, ist für zwei Wochen über die Weihnachtsferien bei K!ar.Texterin Tabea Becker in Krumbach zu Besuch gewesen. Kennengelernt haben sich die beiden Jugendlichen während Tabeas Austauschjahr in den USA. Sie waren in derselben Pfadfinderinnengruppe. April mag Abenteuer. Der Besuch in Deutschland war für sie eines der besonderen Art. Im Interview erzählt sie, was sie in der Region erlebt hat.

Was waren deine ersten Eindrücke auf dem Weg vom Flughafen nach Krumbach?

April: Es ist alles sehr kulturell hier und heimelig. Man kann regelrecht die Geschichte um sich herum fühlen. Und man lernt, die Schönheit der Natur, die man so in einer größeren Stadt wie Dallas nicht erleben kann, wertzuschätzen.

Was gefällt dir denn an der Natur hier besonders?

April: Die Wälder. Sie sind wie aus einem Roman, hoch und majestätisch.

Du hast, während du hier warst, den Wintereinbruch mit immensem Schneefall miterlebt. Wie war das für dich?

April: Dadurch, dass wir immer in Bewegung gewesen sind, wenn wir draußen unterwegs waren, und gelaufen sind, habe ich meistens nicht gefroren. Es ist wirklich nicht so kalt hier, ich hätte es anders erwartet. Ich bin schon mal in so einem großen Schneesturm gewesen. Das einzig Schlechte daran ist, dass man bei dem Schnee nicht so viel machen kann. Ich bin es gewohnt, jeden Tag etwas zu unternehmen. Hier auf dem Land ist das etwas anders.

Hast du hier schon einige Lieblingsläden gefunden?

April: Ich mag einfach die Supermärkte. Hier sind sie viel kleiner, und alle Menschen sprechen in einer anderen Sprache. Das ist aufregend. Es gibt auch Dinge, die ihr habt, die wir nicht essen. Zum Beispiel die Creme im Kinder Pingui. Abgesehen davon, dass wir in Amerika kein Kinder Pingui haben, kenne ich die Creme so auch nicht. Ich dachte erst, das sei Eiskrem.

Du hast hier verschiedene Kirchen und alte Gebäude gesehen.

April: Sie sind alle wunderschön, auf ihre eigene Art und Weise. Ich habe viele historische, atemberaubende Malereien gesehen. Oder die Skulpturen in den Kirchen. Alle sind einfach nur wunderschön.

Was denkst du so über das Leben eines typischen Teenagers hier in Deutschland? Kann man das mit dem eines amerikanischen Teenagers vergleichen?

April: Ihr habt hier mehr Freiheiten als wir Jugendliche in Amerika. Wir machen zwar genau dieselben Dinge wie ihr auch. Nur machen wir das mit einem einzigen Unterschied: Wenn wir ausgehen und Alkohol trinken, dann brechen wir die Regeln. Ihr nicht.

Was ist deiner Meinung nach besser in Amerika und was ist besser hier?

April: Ihr habt keine Limonade, also nicht die sehr süße, ohne Kohlensäure. Die Burger in Amerika sind besser. Jetzt nicht unbedingt die, die man bei diversen Fast Food-Ketten findet, aber auf jeden Fall die selbst gemachten. Naja, zum Trost: Ich finde, ihr habt die zweitbesten Burger. Was ich ziemlich super finde, ist der Flexibus. Man kann ihn immer rufen und ist damit freier. Was ich vermisse, sind die Eiswürfel, die aus dem Gefrierschrank kommen. Euer Wasser ist auch komisch, es hat Kohlensäure und Mineralien. Unser Wasser hat das beides nicht – und es kommt aus dem Kühlschrank.

Das ist ziemlich in Richtung Essen gegangen. Abgesehen davon: Was denkst du, ist typisch deutsch, und was ist typisch amerikanisch?

April: Typisch amerikanisch sind Burger und Leatherman-Jacken, die hier als College-Jacken bekannt sind. Ich fand es echt interessant, dass diese Art von Jacken hier als Mode getragen werden. Was ist typisch deutsch? Ich muss dabei immer an Essen denken und würde sagen: Würste und Kartoffeln.

Was ich bemerkt habe, als ich in Amerika war, waren die Größenunterschiede: Die Straßen  sind breiter, die Autos größer, die Supermärkte auch …

April: Ja, das stimmt. Da gibt es so einen Spruch: „Everything’s bigger in Texas“ – „Alles ist größer in Texas“. Das ist auf jeden Fall wahr.

Was hältst du denn von der christlich geprägten Kultur hier in Schwaben?

April: Es ist ein bedeutender Teil der Kultur, das habe ich schon bemerkt. Es hat vor Jahrhunderten angefangen. In Amerika hingegen leben sehr viele verschiedene Leute aus allen Teilen der Welt. Dort wäre es niemals möglich, eine Religion zu haben, die so stark überwiegt. In Amerika sind die Leute sehr offen gegenüber anderen Religionen. Mit einer Ausnahme: Du kannst zwar zu deinem Glauben stehen, aber es nicht öffentlich machen. Naja, man kann es schon, aber die meisten mögen das nicht. Sie fühlen sich dann in ihrem eigenen Glauben persönlich angegriffen.

Und was hältst du von der auf Umwelt fokussierten Politik Deutschlands?

April: Ich finde das super, ich denke, dass Amerika davon lernen kann. Wir bekommen mehrere kleine Plastiktüten bei Walmart, um unseren Einkauf einzupacken. Mein Vater ist Teil einer Gruppe, die die Flüsse von Plastikmüll befreit. Sie kommen immer zurück mit Taschen voller Müll, den manche Leute einfach in die Natur schmeißen.

Zwei abschließende Fragen: Hat es dir in Schwaben gefallen und würdest du gerne wieder kommen?

April: Ich beantworte beide Fragen mit ja.

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