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Landkreis

15.06.2017

Was Kinder von den Vätern lernen können

Bogenschießen mit einem selbst gebastelten Bogen. Artur Geis sagt, er habe weitaus weniger Probleme damit, wenn Kinder einen Bogen bauen, als mit den Gewaltdarstellungen in den Computerspielen, die heutzutage im Umlauf sind.
Bild: Sammlung Geis

In einer Gesellschaft, in der sich die traditionellen Geschlechterrollen relativieren, ist die Rolle der Väter für die Entwicklung der Kinder umso wichtiger. Deshalb gibt es im Landkreis seit zehn Jahren ein Vater-Kind-Wochenende.

Eines gleich vorneweg: Väter sind nicht die besseren Erzieher als Mütter – aber anders. Und weil für die Entwicklung der Kinder Papas genauso wichtig sind wie Mamas, gibt es im Landkreis Günzburg mit dem Vater-Kind-Wochenende eine Einrichtung, die die Beziehung der Väter zu ihren Kindern stärken will.

Damals, als das Kooperationsprojekt der Katholischen Jugendfürsorge und der Kommunalen Jugendarbeit im Landkreis Günzburg gestartet wurde, existierten zwar eine ganze Reihe von Mutter-Kind-Gruppen. Spezielle Vater-Kind-Angebote gab es aber nicht. Insofern füllt das gemeinsame Wochenende, das vor zehn Jahren erstmals am Selbstversorgerheim Hühnerhof in Thannhausen stattfand, eine große Lücke. Einmal pro Jahr findet seither ein solches Wochenende statt. Zuletzt ging es öfter ins Allgäu.

„Leider ist es in unserer Gesellschaft immer noch so, dass Kinder mit ihren Vätern weniger Zeit verbringen“, sagt Artur Geis, Leiter der Psychologischen Beratungsstelle des Erziehungs- und Jugendhilfeverbunds Donau-Iller in Günzburg. Trotz aller Emanzipation hat das traditionelle Familienbild noch lange nicht ausgedient. Das Dilemma Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, betrifft demnach auch die Väter. „Männer werden in ihren Jobs oft aufgefressen“, sagt Geis. Da bleibt wenig Zeit, mit dem Nachwuchs spannende Aktionen zu unternehmen. Natürlich ist Zeit nicht die alleinige Voraussetzung für den Aufbau einer guten Beziehung zwischen Vater und Kind, doch ganz zu vernachlässigen ist der Zeitfaktor eben auch nicht. Zumal die Zeit, die Vätern neben dem Beruf bleibt, oft mit der ganzen Familie verbracht wird. Die im Arbeitsalltag ja auch meist zu kurz kommt.

Für die Entwicklung der Kinder sind die Väter sehr wichtig, betont Geis. Sie bringen andere Einflüsse in die Erziehung als die Mütter. Meistens sind Männer dabei etwas körperlicher, sagt Geis. Sie sind lauter, grober, raufen und toben und regen damit andere Sinneskanäle an als die Mütter. In den Kindergärten und Grundschulen herrscht ein deutliches Übergewicht an weiblichen Lehrkräften und Erzieherinnen. Durch ihre Art, die Welt sehr viel lauter und körperbetonter zu entdecken, und Konflikte durch Rangeleien oder Prügel zu lösen, ecken die Buben hier häufiger an. „Die fallen mehr auf“, umschreibt es Geis.

Das Vater-Kind-Wochenende, wie es Geis mit zwei weiteren Betreuern auf die Beine stellt, könne natürlich nicht die mangelnde Zeit, die Väter und Kinder allein miteinander verbringen, übers Jahr hinweg ersetzen. Das ist auch Geis bewusst.

Der Psychologe versteht das Angebot eher als Impuls, bewusster mit der Zeit, die zur Verfügung steht, umzugehen. „Wenn die Männer das mitnehmen, ist schon viel gewonnen“, sagt Geis. Das Programm ist nicht zuletzt deshalb ganz bewusst entschleunigt. Es gibt keine Animationen, keine Handys, keine Computer und auch keine Besuche im Freizeitpark. In erster Linie geht es darum, Zeit gemeinsam zu verbringen. Meist geht es dabei in die Natur oder in den Wald. Es wird gemeinsam gebastelt, etwa ein Schiff oder ein Flos gebaut oder Pfeil und Bogen gefertigt oder einfach nur zusammen Fußball gespielt. Wichtig für den Gesamtcharakter des Wochenendes sei auch der Aufenthalt in Selbstversorgereinrichtungen, erklärt Geis: „Wir kochen und putzen selber, dabei ergeben sich zwangsläufig viele Möglichkeiten, ins Gespräch zu kommen.“ Obligatorisch ist das gemeinsame Lagerfeuer.

Zwei Stunden am Wochenende verbringen die Väter ohne ihre Kinder, um in Gesprächen ihre Vaterrolle zu reflektieren. Die Kinder malen in der Zwischenzeit eine große Vaterfigur auf eine Leinwand und fügen schriftlich hinzu, was sie sich von ihrem Vater wünschen, was ihnen an ihrem Vater fehlt oder was sie gerne mit ihm machen würden. Für die teilnehmenden Väter und Kinder, sei das Wochenende stets ein Gewinn gewesen. Die Väter erlebten oft ganz neue Seiten an ihren Kindern. Und es seien in den vergangenen Jahren immer wieder auch Freundschaften unter den Vätern entstanden.

Werbung braucht Geis für das Vater-Kind-Wochenende schon länger nicht mehr zu machen. Inzwischen gibt es auch viele Väter, die wiederholt dabei sein wollen. „Wir achten darauf, immer eine gute Mischung aus erfahrenen und neuen Teilnehmern hinzukriegen“, sagt Geis. Erfreulich sei die finanzielle Unterstützung des Landkreises, durch die die Beiträge möglichst gering gehalten werden können. Väter zahlen 45 Euro, Kinder lediglich 25 Euro, für ein Wochenende mit Vollverpflegung. „Daran sieht man, dass der Landkreis das auch würdigt“, sagt Geis.

Jubiläumsfeier: Am Samstag, 8. Juli, findet am Hühnerhof in Thannhausen ein Feier- und Aktionstag statt. Während der Vormittag im Zeichen des Rückblicks steht, sind am Nachmittag ab 14 Uhr Aktionen und Spiele für die Öffentlichkeit und interessierte Familien geplant. Am Abend gibt es ein großes Lagerfeuer.

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