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10.07.2010

"Was de Ochsa hilft, hilft au' de Leut!"

Dr letzt Bader haut, bereits um de sechz'g Jauhr rom, dr ewiga "Ausk", Freilein Zann, no g'heirat. Zeichnung: Helmut Ackermann
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Dr letzt Bader haut, bereits um de sechz'g Jauhr rom, dr ewiga "Ausk", Freilein Zann, no g'heirat. Zeichnung: Helmut Ackermann

Krumbach/München Neaber em Pfarr' und em Schuallehr' isch dr Bader en eiserem Dorf a wichtiga Perso' g'wea.

En meiner Erinnerung: a Witwer, um de sechz'g Jauhr rom, isch dr Joseph Häutle - so hat sich eiser Bader g'schrieba - allaweil schneideg drhearg'komma. Sei schwazer Schnauzbart und sei groaßa Näs hat viele Wei'sbilder imponiert. 'S Gäsicht, a bißle grob g'schnitta, d' Figur a weng untersetzt, hant seine zierliche Händ weanig zua ehm paßt. Se hättet fascht von ra Hebamm sei könna. Aber wenn's oms zur Ader lau, zom Zah'zieha, zum Doktra und Haurschneida ganga ischt, dau send dia Händ grad recht g'wea.

En seiner Baderstub isch a groaßer Spiagel mit ra u'bändeg wuchtega Holzrahm, der über'm Tisch mit de Rasiermesser, Leaderriema, Soifaschüssala, Bimsel und Haurschera g'hanget ischt, als Easchtes ens Aug g'stocha. Voar em Tisch a Rondstuahl mit ma Leaderkisse. Neaber em Tisch a lackierts Drauhtg'stell mit ra Wasserschüssel aus Blech. Auf'm Boda a emaillierter Wasserkruag. Geganüber, an dr Wand entlang, vier oder fenf Hocker. An de Samstäg und Sonntäg-Morga hat ma beim Bader schwer en Sitzplatz vertwischt. Aber au' an Werktäg, wo i auf'n Haurschnitt g'watet hau, hat's zuagauh könna wia em ma Taubaschlag.

I woiß no wia heit, amal isch dr Wiedabauer en d'Baderstub reig'sturmet.

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Wiedabauer: Bader, mei Sattel-ochs isch krank, dr g'scheckat isch, i woiß it, ob eahn kennscht?! ...

Bader: "I kenn alle Ochsa em Dorf, au' di'!"

Wiedabauer: "Dösch it zum Lacha!, der macht en Buckel, frißt nomma, isch a so voll ... Komm, Bader gib nr ebbes, wau hilft!"

Bader: "Deam flaggat ebbes em Maga! Und dös kommt z' moischt von am Zug! Dau gib i dir iatz a paar Fläschla mit zum Ei'schütta. Dös isch Rizinusös, mit ra Brüah von Roßdischtla und Huaflattichblätter vermischt. Dös muaß eahn dur'rauma. Dau muaß'r wieder a'ständig mischta."

Wiedabauer: "'S Weib kommt zum Zahla, Vergelts Gott, Pfüa Gott, Bader!"

De alt Frau Kächele, dia sich de ganze Zeit ruhig auf ihrem Hocker verhalta g'het hat, isch iatz aufg'sprunga.

Frau Kächele: "Fascht grad so isch bei mir, Bader! En ganz hä'te Leib, scha drei Täg gauht's nomma! Und friera tuats mi!"

Bader: Dös kommt von am Zug! - Was de Ochsa hilft, hilft au' de Leut! Du kriagscht de gleiche Fläschla! - und i kriag von dir a Stückle Rauchfleisch!"

Frau Kächele: "Vor mir aus zwoi Stückla, wenn's bloß hilft!"

G'holfa hat eiser Bader, wo'r haut könna. Er hat Tränkla und Salba herg'stellt, Umschläg und Bäder verordnet, Oisa und Umläuf aufg'schnitta, 's Rheumatesch mit Brennessla austrieba, Wa'za und roate Fleck a'beatet, - a Helfer für Mensch und Vieh!

Beim Zualuaga, wia'r em Holzmacher Luis en Zah zoha hat, isch mir fascht schlecht wora. Der Bröckel von ma Kerle isch em Stuahl mit'm Leaderkisse denng'sessa, d'Händ hat eahm a Ma' aus'm Nauchbaurdorf auf seim Rucka feschtg'hebt, auf seine Füaß isch a Bauraknecht g'hocket, en seim Maul hat dr Bader rommg'fuhrwerket. Wia er nau hus g'wea isch, dr Zah, hat dr Luis nix anders g'schriea, wie "Schlaget dean Spiagel ra, schlaget dean Spiagel ra!"

Er muaß dia Prozedur em Spiagel mita'g'seah hau, und en seim u'bändiga Weahdag hät'r all's hi' macha könna.

En Joseph Häutles Baderstub hat's aber au' nett und unterhaltle sei könna. Beim Rasiera und Haurschneida hant de junge Buuscht und d' Ma' a Zuig verzöhlt, bei deam i d' Oahra am weiteschta aufg'rissa hau.

I bi grad unter der Scher vom Bader g'wea, der mir meine Haur mehr g'ropfet als g'schnitta hat, wia's Freilein Zann, - a alta reicha Jungfer, dia em ganza Dorf als "Ausk" en Nama wegg'het hat, zum Bader rei'g'komma ischt.

"Herr Häutle", hat se g'ausket und halba schriftdeutsch g'schwätzt, "könne Sie mich behandle, ich moin daheim, nicht hier vor ihrer Kundschaft?!"

"Ihr hant doch da guate Dokter en dr Stadt!" hat dr Bader g'spöttlet ond iahr zugleich a bißle en d' Auga gluagat.

"Ja, schon seit meiner Kindheit. Aber der kann mich gern hau! Mit zwanzig mußte ich mich noch ganz ausziehe, mit vierzig grad noch bis zur Gürtellinie, und iatz - a paar Jährlein älter - darf ich evtl. noch die Zunge vorzeiga!"

Eiserem Bader hat dös - a paar Jährlein ältere - Freilein Zann it bloß d' Zung voarzoige derfa. Und ihr, dr ewiga "Ausk" muaß de groaß Näs vom Herr Häutle g'falla hau. Dia zwoi hant g'heiret! Dr Joseph Häutle hat sei Bäuchle verloara, isch grätiger und grätiger wora, und wia nau sei Gattin, 's ehemalige Freilein Zann wieder a mal en dr Baderstub rumzannet haut, isch dr Herr Häutle aus dr Haut g'fahra, hat sich aufg'regt, isch umg'falla und toat g'wea.

Und en eiserem Dorf hat ma seit daumals koin Bader meah g'het.

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