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Krumbach

30.08.2020

Was die Flüchtlingshilfe Krumbach leistet

In der alten Post in Krumbach waren die Flüchtlinge anfangs untergebracht. Viele haben mittlerweile eigene Wohnungen, manche sind in anderen Unterkünften untergebracht.
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In der alten Post in Krumbach waren die Flüchtlinge anfangs untergebracht. Viele haben mittlerweile eigene Wohnungen, manche sind in anderen Unterkünften untergebracht.
Bild: Angelika Stalla

Plus Wohnungssuche, Bewerbung, Fahrdienste – für die Helfer gibt es noch immer viel zu tun und Unterstützer sind gesucht. Ein Blick zurück in die Zeit, die für viele Flüchtlinge in Krumbach in der alten Post begann.

Eine Wohnung suchen, eine Bewerbung schreiben, eine passende Betreuung fürs Kind finden. Das ist oft schwierig genug. Wenn man dann kein oder nur wenig Deutsch spricht, keine persönlichen Kontakte hat und ungeübt im Umgang mit Behörden ist, wird es nicht leichter. Und wer dann noch als Flüchtling aus einem nicht-europäischen Land kommt, rennt mit diesen Problemen bestimmt keine offenen Türen ein.

Der Verein Flüchtlingshilfe Krumbach versucht zu helfen. Die zehn aktiven Unterstützer kümmern sich derzeit um 250 Leute, die seit 2014 als Flüchtlinge nach Krumbach kamen. Kontakte zu den Flüchtlingen, die schon vorher kamen, gibt es kaum. Aber „wer ist noch Flüchtling?“, fragt die Vereinsvorsitzende Dr. Simone Kastner. Nur mehr wenige befinden sich derzeit in einem Asylverfahren. Die meisten sind anerkannt oder haben subsidiären Schutz, das heißt, sie können für einen bestimmten Zeitraum in Deutschland bleiben. Viele sind mittlerweile berufstätig und haben eine eigene Wohnung. Hilfe im Alltag brauchen sie dennoch.

Evi Komm hilft bei der Wohnungssuche

Unterkunftspatin Evi Komm unterstützt die Flüchtlinge bei der Wohnungssuche. Derzeit sucht sie eine Wohnung für eine Familie mit fünf Personen. Sie begleitet außerdem die Kinder bei deren Transport in die Kita. Beim Schreiben von Bewerbungen helfen, bei Behördengängen oder Arztbesuchen begleiten oder über die Mülltrennung informieren, sind weitere Aufgabenfelder, die regelmäßig anstehen. „Wir brauchen immer Unterstützer“, sagen Simone Kastner und Evi Komm. Für das, was sie eigentlich machen wollten, sei meist keine Zeit da: Das Begleiten der kleinen Integrationsschritte, das Vorlesen, das Deutsch üben. Von ursprünglich 60 Helfern, die sich registrieren ließen, habe der Verein noch 50 Mitglieder. Wirklich aktiv sind zehn, andere springen ein, wenn es wichtig ist, wenn beispielsweise eine Fahrt ansteht. Die Zahl der Helfer habe relativ schnell abgenommen, sagen sie und zeigen Verständnis: „Jeder hat nur begrenzt Zeit“.

Wie die Corona-Krise die Lage verändert hat

Der Lockdown zu Beginn der Corona-Pandemie war eine „schwierige Zeit“, sagt Evi Komm. Die Helfer vom Verein durften nicht zu den Flüchtlingen kommen. Selbst Einkaufen sei zu dieser Zeit für die Flüchtlinge schwierig gewesen, vor allem für diejenigen, die mehrere Kinder haben, die ja nicht mitgenommen werden durften. Simone Kastner erläutert: „Für die Leute was es viel schwieriger als für uns. Wir haben viele Quellen, wo wir uns informieren können. Das haben sie nicht.“ Die Flüchtlinge wussten nur: Da ist etwas Bedrohliches, das heißt Corona.

Am besten Bescheid wussten noch diejenigen, die Kinder in Kindergarten oder in der Schule hatten, die dort informiert wurden. Viele seien gar nicht mehr rausgegangen, saßen im verdunkelten Zimmer. In vielen Kulturen gehe man eben nur raus, wenn man etwas zu tun hat, nennt Kastner einen Grund für den völligen Rückzug. „Spazieren gehen, wie wir das machen, gibt es nicht“, erläutert sie. Ein Lichtblick für die Familien sei es gewesen, als die Spielplätze wieder benutzt werden durften.

Evi Komm erinnerte dies an die Anfangszeiten, als die Neuankömmlinge in der alten Post in Krumbach untergebracht waren. Die Fenster seien dort zugehängt gewesen, „zum Schutz“, wie sie sagt. Die Erwachsenen saßen herum und die Kinder ebenso. Für die sei es besonders schlimm gewesen. Sie wussten nicht, was sie tun sollten, hatten keine Anregungen. Und so hat es dann damals auch angefangen mit dem Helferkreis Asyl, der 2015 unter der Regie von Achim Fißl, dem Integrationsbeauftragten der Stadt Krumbach, entstand und der 2016 zum Verein Flüchtlingshilfe Krumbach wurde.

Die Kinderbetreuung ist noch immer zentrales Thema der Helfer. Sie unterstützen die Flüchtlinge bei der Suche nach einem Kita-Platz und helfen beim Transport zur Betreuung, die nicht immer in Krumbach ist. Einig sind sich die beiden, dass der Besuch der Kita äußerst wichtig ist für die Kinder. „Es ist der erste Schritt zur Integration der ganzen Familie“, sagt Simone Kastner. Dort lernen schon die Jüngsten Deutsch, eine wichtige Voraussetzung für den späteren Schulbesuch. Und auch die Mütter haben in der Zeit, in der die Kinder betreut sind, die Möglichkeit, einen Sprachkurs zu machen.

„Man muss sich an eine andere Mentalität gewöhnen“

Evi Komm und Simone Kastner sind mit ganzem Herzen bei der Flüchtlingshilfe. „Aber man muss sich an eine andere Mentalität gewöhnen“, sagt Evi Komm. Der positive Aspekt dabei: Man werde „selber offener“. Und sie schätze viel mehr, was sie habe, nachdem sie sich mit dem Schicksal der Flüchtlinge auseinandergesetzt habe. „Ich schätze den Frieden“, ergänzt Simone Kastner. Was sie im Umgang mit den Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern gelernt hat: Man kann auch mit Menschen kommunizieren, mit denen man keine gemeinsame Sprache hat. „Es ist viel Arbeit, aber es bereichert“, sagt sie zusammenfassend.

Allerdings müsse man die Schicksale auch aushalten können. Da sind sich die beiden Frauen einig. „Viele kommen nach Deutschland und haben große Pläne. Dann dürfen sie nichts und resignieren irgendwann“, erläutert Evi Komm. Kastner ergänzt, dass vor allem junge Männer, die im Asylverfahren seien und deshalb nicht arbeiten dürften, keine Perspektive hätten.

Was sich im Vergleich zu 2015 verändert hat: Vor allem die Flüchtlinge, die eine Wohnung haben, die verankert sind, könnten nun über ihre Flucht und über ihre Kultur reden, sagt Evi Komm. Kinderärztin Simone Kastner berichtet über interessante Aspekte der Säuglingspflege in anderen Kulturen. In Nigeria etwa würden Säuglinge im ersten Jahr grundsätzlich getragen, afghanische Mamas würden ihr Baby nur im ersten Monat wickeln. Dann werde das ebenfalls getragene Kind „abgehalten“, wenn es muss.

Die meisten Flüchtlinge sind nicht freiwillig hier

Und was man nicht vergessen dürfe: Die meisten Flüchtlinge seien nicht freiwillig hier und haben schrecklich Heimweh nach ihren Familien in der Heimat, sagen die beiden Helferinnen. Sie seien es gewohnt, dass die Familie den Schutz bietet, erläutert Kastner. Komm ergänzt, dass wohl viele zurückgehen würden, wenn in ihrem Land Frieden herrschen würde. Der Aufenthalt in Deutschland ist ihrer Meinung nach ohnehin die beste Entwicklungshilfe. Wer hier einen Beruf lerne, könne das Wissen mit in die Heimat nehmen. Auch das Wissen über unser Wirtschaftssystem sei nützlich. Ein Flüchtling habe ihr einmal gesagt, er würde in seinem Land gerechte Steuern einführen, wenn er könnte. Dann könnten auch dort Schulen und Straßen gebaut werden.

Wer Interesse hat, bei der Flüchtlingshilfe aktiv zu werden, kann sich bei Dr. Simone Kastner informieren. Sie ist unter 0160/92753942 oder per Mail skastner@gmx.de zu erreichen.

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