Newsticker

US-Forscher: Weltweit eine Million Corona-Tote seit Beginn der Pandemie
  1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Wegen Herbst und Ernte: Experten warnen vor „Bauernglatteis“ auf Straßen

Landkreis Günzburg

07.09.2020

Wegen Herbst und Ernte: Experten warnen vor „Bauernglatteis“ auf Straßen

Bild: Hauke-Christian Dittrich, dpa

Plus Die Erntesaison hat für die Landwirte begonnen – das ist auch auf den Straßen in der Region zu spüren. Für die Auto- und Radfahrer kann das im Herbst gefährlich werden.

Am Mais scheiden sich die Geister. Für die Landwirte ist er eine ergiebige Futter- und Nutzpflanze, ein idealer Energieverwerter. Die Freude über die zahlreichen Felder mit der hochgewachsenen Pflanze und ihren gelben Kolben hält sich bei den Auto- und Radfahrern hingegen zumeist in Grenzen. Viele stören sich im Sommer an der schlechten Sicht in Kurven und an Kreuzungen – und jetzt im Herbst, in Zeiten der Ernte, an verdreckten Straßen und Radwegen. Dort es ist unübersehbar, die Erntesaison hat begonnen. Und das kann für den Verkehr sogar gefährlich werden, warnen Experten.

„Insbesondere während der Maisernte gilt wieder besondere Vorsicht“, berichtet Straßenmeister Stefan Rogg vom Staatlichen Bauamt Krumbach. Ackerboden, der durch die Erntefahrzeuge auf die Straße getragen wird, könne zu einer gefährlichen Rutschpartie für Auto- und Radfahrer werden. Das sei besonders jetzt im Herbst gefährlich, denn um diese Jahreszeit kämen auch noch schlechte Sichtverhältnisse hinzu, erklärt Rogg: „Nebel, Regen, die tief stehende Sonne oder Erntearbeiten in der Dunkelheit erhöhen die Gefahr.“ Deshalb nimmt der Straßenmeister des Staatlichen Bauamts besonders die Landwirte in die Pflicht.

Für die Verschmutzung auf den Straßen haften die Landwirte

Nach Angaben des Landwirtschaftsamt Krumbach gibt es im Landkreis Günzburg rund 62000 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche. Das entspricht einer Fläche von 84800 Fußballfeldern. Brennpunkte, an denen die Straßen besonders dreckig sind, gebe es im Landkreis zwar keine, sagt Rogg. „Es geht uns auch nicht darum, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen – aber wir haben in den vergangenen Jahren vermehrt festgestellt, dass es die Landwirte mit der Sauberkeit der Straßen nicht mehr so genau nehmen.“ Denn generell sei es so, weiß der Straßenmeister, dass der Verursacher einer Gefahrenstelle die Verantwortung trägt. Wird etwa eine Verschmutzung nicht rechtzeitig beseitigt, muss die Polizei und die Straßenmeisterei anrücken. Die Kosten für deren Einsatz und für die Reinigung werden in solchen Fällen dem Verursacher der Verschmutzung in Rechnung gestellt. Und im schlimmsten Fall passiert ein Unfall. Im Klartext heißt das: Der Landwirt haftet für die Sauberkeit der Straße.

Wegen Herbst und Ernte: Experten warnen vor „Bauernglatteis“ auf Straßen

Um etwaige Säuberungseinsätze und die damit verbundenen Kosten zu vermeiden, und auch um die Verkehrssicherheit während der Erntezeit so gut wie möglich zu gewährleisten, müssen sich Landwirte an ein paar wichtige Punkte halten, berichtet Rogg. Vor Erntebeginn sollte der Landwirt deutlich sichtbar ein Schild aufstellen, das auf die Schleudergefahr und die verschmutzte Fahrbahn hinweist. Etwa 200 Meter vor der Gefahrenstelle in beide Richtungen ist Rogg zufolge ausreichend: „So kann ein Verkehrsteilnehmer rechtzeitig reagieren.“ Die entsprechenden Schilder (Gefahrenzeichen 114 und Zusatzzeichen 1006-35) seien überall frei im Handel oder im Internet erhältlich.

Für Auto- und Radfahrer ist der Herbst gefährlich

Eine gesonderte verkehrliche Anordnung ist dem Straßenmeister zufolge nicht nötig: „Das ist mit den Verkehrsbehörden so abgestimmt.“ Selbst angefertigte Schilder seien nicht zulässig. Ebenso sei ein Warndreieck aufzustellen nicht ausreichend. Falls wegen Besonderheiten der Strecke, etwa unübersichtlichen Kurven oder Kuppen, weitere verkehrsregelnde Maßnahmen, etwa eine Geschwindigkeitsbeschränkung, nötig ist, muss der Landwirt nach Angaben von Rogg eine entsprechende Anordnung der Straßenverkehrsbehörde einholen.

Der Straßenmeister sagt aber auch ganz deutlich: „Auch die Auto- und Radfahrer müssen gerade zur Erntezeit im Herbst besonders gut aufpassen.“ Vor dem sogenannten „Bauernglatteis“ warnt indes auch der ADAC – gerade in ländlichen Gegenden. „Passen Sie ihre Geschwindigkeit an die Witterungsverhältnisse an und lenken und beschleunigen Sie gefühlvoll“, rät Verkehrsexperte Wolfgang Lieberth vom ADAC. „Die Winterräder sollten Sie ebenfalls zeitnah montierten lassen, denn bei Temperaturen unter sechs Grad bieten diese ein deutliches Sicherheitsplus gegenüber der Sommerbereifung.“ Auch die Sichtverhältnisse können im Herbst wegen Regen und Nebel ein Problem sein. Vorausschauende Fahrweise, ausreichend Abstand und angepasste Geschwindigkeit sei Pflicht. Der Verkehrsexperte rät, den Abstand der Leitpfosten zur Orientierung zu nutzen, denn dieser beträgt in der Regel 50 Meter. Auf Straßen, die durch Waldgebiete und vorbei an Feldern führen, ist im Herbst zudem besondere Vorsicht geboten, der Grund: erhöhte Wildwechselgefahr. Mit abnehmendem Tageslicht sind Wildtiere morgens später und abends früher aktiv.

Das könnte Sie auch interessieren:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren