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Krumbach

26.04.2019

Welche Perspektive es für die hausärztliche Versorgung gibt

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Die hausärztliche Versorgung sichern – das ist in ländlichen Räumen eine der zentralen Herausforderungen. Immer mehr zeichnet sich ab, dass der Trend zu größeren Praxiseinheiten geht.
Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Plus Der Trend geht zu Gemeinschaftspraxen. Warum Medizinaloberrat Geuter optimistisch ist, dass die Strukturprobleme überwunden werden können.

Bei diesen Zahlen wird wohl so mancher durchschnaufen. Ein Kollege werde im nächsten Monat 68 Jahre alt, zwei Fachärzte für Allgemeinmedizin noch heuer 66 Jahre. Wenn sie „in Rente“ gehen, dann hätten im Bereich Krumbach/Niederraunau/Aletshausen rund 2000 Patienten pro Quartal zunächst einmal keinen Hausarzt, erläuterte Dr. Hans-Peter Hadry, Koordinator des heimischen Qualitätszirkels der Fachärzte für Allgemeinmedizin. Die Situation für Thannhausen beschrieb Dr. Jörg Jenning als „stabil auf niedrigem Niveau“, aber Fakt sei eben auch, dass vier Praxen in den letzten Jahren geschlossen hätten. Welche Lösungsansätze gibt es, um die hausärztliche Versorgung in einer ländlichen Region wie Krumbach-Thannhausen sicherzustellen? „Der Strukturwandel ist zu schaffen“ betonte Medizinaloberrat Dr. Gunnar Geuter. Der Vertreter des Kommunalbüros für ärztliche Versorgung im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit war auf Initiative von Dr. Christian Nehmer (Neuburg) zu einem Referat nach Krumbach gekommen. Im Gasthof Munding sprach er vor Ärzten des Qualitätszirkels für den südlichen Landkreis Günzburg über die Entwicklung und die Perspektiven der hausärztlichen Versorgung.

Klar sei, dass die Zahl der Einzelpraxen immer mehr abnehme und auch die Übergabe an Einzelpersonen zunehmend schwierig sei. Immer mehr gefragt seien „kooperative Formen“, bei denen Hausärzte auch im Angestelltenverhältnis tätig sein könnten. Insgesamt würde die Zahl der Gemeinschaftspraxen und der medizinischen Versorgungszentren zunehmen. Es gebe „einen Trend zur größeren Einrichtung“. Dort sei es für die Ärzte auch besser möglich, Familie und Beruf in ein Lebensgleichgewicht zu bringen. Flexible Beschäftigungsverhältnisse und Teilzeitarbeit seien hier besser möglich. Kosten und Verantwortung könnten geteilt werden.

Geuter nannte eine Reihe von Zahlen. Es gebe insgesamt deutlich mehr angestellte Ärzte. 2009 seien dies bayernweit noch 443 gewesen, 2017 1441. 5107 Einzelpraxen habe es 2009 in Bayern gegeben, 2017 seien es noch 4380 gewesen. Aber bei den Gemeinschaftspraxen gebe es eine Steigerung von 38 auf 91, bei den Medizinischen Versorgungszentren von 80 auf 140.

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Hier zeichne sich bei der hausärztlichen Versorgung der Weg in die Zukunft ab. Denkbar seien praxisübergreifende und auch gemeindeübergreifende Lösungen. Von staatlicher Seite würden Niederlassungsprojekte mit 60000 Euro gefördert. Wichtig sei aber eine „Initiative vor Ort“. Lösungen müssten „aus Ihrer Mitte kommen“, erklärte Geuter an die Ärzte gewandt.

Konzentration auf Günzburg und Weißenhorn

Geuter sprach auch die Reform des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (in der Region die Konzentration auf Praxen in Günzburg und Weißenhorn) an. Die frühere Regelung des Bereitschaftsdienstes und die hohe Belastung habe viele Mediziner vor einer Niederlassung auf dem Land abgeschreckt. Ziel der Reform sei es auch gewesen, das zu ändern.

Weitere Infos zur heftigen Debatte um den Ärztlichen Bereitschaftsdienst gibt es in diesen Artikeln:

Schwierige Suche nach Ärztedienstlösung für Krumbach

„Eine Verwaltung des Mangels“

Geuter nannte eine Reihe von Beispielen, bei denen Ärzte zu Gemeinschaftspraxen auch über Gemeindegrenzen zusammengefunden haben. Beispielsweise die Gemeinschaftspraxis im Bayerwald, die vier Orte im Bayerischen Wald abdecke. Oder auch das Hausärztezentrum Kaufering bei Landsberg. Hier hätten insgesamt sieben Einzelpraxen für die Orte Kaufering (rund 10000 Einwohner) und Igling (etwa 2500 Einwohner) zusammengefunden. Wichtig sei, dass vor Ort eine Initiative aus dem Kreis der Ärzte komme. Carolin Blank, seit September 2018 Geschäftsstellenleiterin für das Projekt Gesundheitsregion plus im Kreis Günzburg, sicherte die Unterstützung des Landkreises zu. Die Gesundheitsregion plus ist ein regionales Steuerungsgremium für die Gesundheitsversorgung und ab 2020 auch für den Bereich der Pflege.

"Lehrpraxis" für Universitäten

„Lehrpraxis“ für Universitäten: Darin sieht Dr. Maximilian Drexel (Hausärzte im Zentrum in Krumbach) eine Entwicklungsmöglichkeit für Arztpraxen. Pro Semester seien zwei Studenten der Uni Ulm in der Praxis. Insgesamt gebe es an den Universitäten aber nach wie vor eine „negative Einstellung“ zur Allgemeinmedizin. Auch deswegen sei die Einrichtung von Lehrpraxen wichtig. Ministerialoberrat Geuter betonte, dass die Einrichtung von Lehrstühlen für Allgemeinmedizin bayernweit forciert werde. Das Image des „Wald- und Wiesenarztes“ gehöre der Vergangenheit an. Ein Thema der Diskussion war auch das Verhältnis zwischen Allgemeinärzten und Kliniken. Praxen und Kliniken sollten, so Geuter, verstärkt die Zusammenarbeit suchen und an „einem Tisch“ zusammenfinden. Sein Fazit: Die Delle bei der ärztlichen Versorgung könne überbrückt werden, der Strukturwandel sei zu schaffen.

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