Newsticker

Corona-Ausbruch in Niederbayern: 166 Infizierte in Konservenfabrik von Mamming
  1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Weltenbummler Armin Thalhofer: „Die besten fünf Monate meines Lebens“

Interview

05.05.2020

Weltenbummler Armin Thalhofer: „Die besten fünf Monate meines Lebens“

In den argentinischen Anden war die Welt für Armin Thalhofer noch in Ordnung. Corona war weit weg. Im Moment legt er eine Zwangspause in Krumbach ein.
Bild: Thalhofer

Plus Globetrotter Armin Thalhofer reiste mit dem Motorrad um die Welt, als sie noch in Ordnung war. Wegen Corona macht er eine Zwangspause in der Heimat.

Eigentlich sollte die Reise noch ein Jahr dauern. Corona hat ihr jedoch ein jähes Ende gesetzt. Armin Thalhofer aus Krumbach bereist seit April 2019 mit seinem Motorrad die Welt. Afrika und Südamerika hat er schon hinter sich. In Ecuador trennte er sich am 11. März von Sohn Marco, um allein weiterzureisen. „Da war die Welt in Südamerika noch in Ordnung“, berichtet der 53-Jährige. Doch dann ging es Schlag auf Schlag. Die einzelnen Länder schlossen ihre Grenzen und verhängten Ausgangssperren. Aus Kolumbien gelang ihm die Ausreise in letzter Minute. Sein Motorrad, „Dicke“ genannt, ist noch dort. Er ist derzeit in Krumbach.

Hat Corona Ihre Reise beendet?

Thalhofer: Ich hoffe nicht. Ich sitze quasi auf gepackten Taschen und möchte so bald wie möglich meine Reise fortsetzen. Ich sehe das im Moment eher als hoffentlich kurzen Heimaturlaub.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Armin Thalhofer aus Krumbach schätzt nun die Annehmlichkeiten des Alltags

Wie war das Nachhausekommen?

Thalhofer: Irgendwie komisch. Es ging ja alles sehr schnell und ungeplant vonstatten. Es lagen nur ein paar Tage zwischen der Entscheidung abzubrechen und der Ankunft in Krumbach. Jetzt bin ich nach einem Jahr wieder daheim und kann niemanden so richtig begrüßen und treffen. Selbst mit meinen Eltern kann ich mich nur auf Distanz unterhalten. Aber ich bin momentan gut bei Freunden untergebracht und schätze die kleinen Annehmlichkeiten des Alltags hier, wie ohne Bedenken Wasser aus der Leitung trinken zu können.

Dachten Sie vorher jemals an einen Abbruch ihrer Reise?

Thalhofer: Zu keinem Zeitpunkt. Ich hatte mich bereits nach kurzer Zeit an meinen neuen Alltag des Reisens gewöhnt. Am meisten Bedenken hatte, als Marco wieder nach Hause ging. Ich war mir nicht sicher, ob ich dann wieder alleine reisen wollte, ob mir die Gespräche fehlen würden, ob es dann nach einem Jahr nicht genug wäre. Aber ich habe mich schnell wieder an meinen Allein-Reise-Rhythmus gewöhnt und hatte auch wieder mehr Kontakte mit Einheimischen. Zudem standen mit Mittel- und Nordamerika und Australien viele weitere spannende Länder auf meiner Agenda. Ich freute mich auf etwas mehr Zivilisation und darauf, permanent Englisch sprechen zu können. Auch war ich schon sehr auf Asien, den letzten großen Abschnitt meiner Reise, gespannt.

Jordanien war für Thalhofer die positivste Überraschung seiner Weltreise

Sie sind durch zwei Kontinente gereist. Welches Land war die größte Überraschung?

Thalhofer: Die größte Überraschung war Jordanien. Ich hatte das Land eigentlich nur zum Transit auf dem Schirm. Da ich aber für Ägypten noch zusätzliche Dokumente benötigte und warten musste, reiste ich zwei Wochen durch dieses faszinierende Land. Neben der Landschaft überraschten mich die Menschen dort mit einer Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft, wie ich diese noch nie erlebt hatte. Wie auch später im Sudan hatte ich besonders in diesen beiden Ländern den Eindruck, dass sich Menschen freuen, wenn man ihr Land besucht. Ich habe keinen Satz jemals mehr gehört als „Welcome to Jordan“ beziehungsweise „Welcome to Sudan“.

Wo hat es Ihnen am besten gefallen? Welche Landschaften haben Sie in dem Jahr, in dem Sie unterwegs waren, am meisten fasziniert?

Thalhofer: Afrika war als Kontinent absolut faszinierend. Von den arabischen Wüstengebieten über das gänzlich andere Äthiopien runter in die Länder Schwarzafrikas mit unterschiedlichen Landschaften, ebenfalls sehr freundlichen Menschen und einer faszinierenden Tierwelt ist das kaum noch zu toppen. Namibia ist dort mit seinen meist unglaublich farbigen, kargen und dünn besiedelten Weiten mein absoluter Favorit. In Südamerika waren es vor allem die südlichen Anden in Argentinien und Chile, die mich fesselten. In Bolivien war der Salar de Uyuni und die schier unendliche Weite des Altiplano, wo wir uns rund drei Wochen auf einer Höhe zwischen 3500 und 5000 Metern bewegten, absolut beeindruckend.

Grenzübergänge in Nordafrika waren nicht immer einfach für Armin Thalhofer

Nicht in allen Ländern ist der Umgang mit Behörden und Polizei leicht. Wurden Sie häufig kontrolliert oder hatten Sie Probleme?

Thalhofer: Kontrolliert wurde ich trotz der zahlreichen Checkpoints auf beiden Kontinenten mit Ausnahme Ägyptens eher selten. Wenn, dann waren die Polizisten oder Militärs meist freundlich und vor allem in Afrika oftmals mehr an meinem Motorrad und meiner Reise interessiert. Lediglich die Grenzübergänge in den nördlichen Ländern Afrikas waren nicht immer einfach, vor allem zeitraubend. Und in Ägypten wurde ich oft mehrmals am Tag kontrolliert und zeitweise sogar eskortiert. Aber sonst konnte ich mich immer frei bewegen.

Sie haben immer wie die Einheimischen gegessen. Was hat besonders gut geschmeckt?

Thalhofer: Ich habe in der Tat sehr viel local food probiert und es bis auf Peru auch gut vertragen. Dort musste ich meine kulinarische Neugier mit zahlreichen Toilettengängen büßen. Geschmeckt hat mir fast alles, vom äthiopischen Sauerteigfladen mit Ziegenfleisch über Springbock oder Kudu hin zu Quinoa- und Reisgerichten mit Gemüse. Absoluter Favorit waren für mich jedoch die Steaks in Argentinien.

Und das Motorrad? Wie viele Kilometer sind Sie gefahren? Wie viele Reifen haben Sie verbraucht?

Thalhofer: Im Gesamten bin ich bis nach Kolumbien 57.500 Kilometer gefahren. Außer den regelmäßigen Wartungsarbeiten und Verschleißteilen wie Bremsbeläge war lediglich mein vorderes Zentralfederbein in Chile defekt. Reifen habe ich vorn nun den vierten und hinten den sechsten montiert.

"Ich bin ruhiger und gelassener geworden."

Hat Sie die Reise verändert? Kommt man als anderer Mensch zurück?

Thalhofer: Ich glaube nicht, dass mich die Reise grundsätzlich verändert hat. Allerdings bin ich ruhiger und gelassener geworden und habe auf viele Dinge einen anderen Blick. Wenn man vor allem die Auswirkungen des Klimawandels und die Armut in vielen Ländern hautnah erlebt und sieht, wie glücklich und vor allem gastfreundlich die Menschen dort sind, hinterfragt man viele Umstände des bisherigen Lebens. Ich denke, die meisten von uns nehmen sich und materielle Dinge zu wichtig anstatt mehr Wert auf ein Miteinander und Hilfsbereitschaft zu legen. Aber vielleicht liegt ja in der Corona-Krise eine Chance auf ein verändertes Bewusstsein.

Was würden Sie anders machen, wenn Sie noch einmal starten würden?

Thalhofer: Nichts grundsätzliches, außer noch weniger Gepäck.

Welche Optionen haben Sie jetzt?

Thalhofer: Das hängt davon ab, wann und wo ich wieder starten kann. Im besten Fall kann ich in zwei oder drei Monaten meine Reise in Mittelamerika fortsetzen. Dauert es länger, muss ich vielleicht mein Motorrad in die Heimat verschiffen lassen und von hier aus mit angepassten Routenplänen die Reise fortsetzen. Sollte es in absehbarer Zeit gar nicht mehr gehen, wäre es sehr schade, aber keine Katastrophe. Ich hatte ein fantastisches Jahr, davon die besten fünf Monate meines Lebens gemeinsam mit meinen Sohn, vollgepackt mit Erlebnissen, die mir keiner mehr nehmen kann. Somit ist in der Mitte meiner geplanten Reise mein Glas halb voll, nicht halb leer. Aber wenn irgendwie möglich, möchte ich den Rest auch noch füllen. Mir fehlt das Reisen mit meiner Dicken, ich habe starkes Fernweh.

Das könnte Sie auch interessieren: Von Corona-Krise eingeholt: Krumbacher Weltenbummler sitzt in Südamerika fest

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren