1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Weltpremiere in der Heilig-Geist-Kirche

Günzburg

06.06.2017

Weltpremiere in der Heilig-Geist-Kirche

Von ihm selbst geleitet, brachte Wolfram Seitz seine „Missa Guntia“ in der Heilig-Geist-Kirche in Günzburg zur Erstaufführung.
Bild: Helmut Kircher

Die Erstaufführung der „Missa Guntia“, komponiert von Wolfram Seitz, beeindruckt in Günzburg die Zuhörer.

Er hat gerade mal seinen Studienabschluss – mit Auszeichnung – am Salzburger Mozarteum hinter sich und wagt sich stante pede an die Neuschöpfung einer Messkomposition. Geht das denn? Geht! Warum? Weil es „naheliegend“ war, und „der Chor es wollte“, Punkt. Und er, Wolfram Seitz, 28, Kirchenmusiker, Chorleiter, Organist und Kompositionsneuling mit beachtlichen Vorversuchen, was wollte er? Nun, jedenfalls keine „sensationelle“ Exhumierung eines zweitrangigen Werkes aus der Feder eines drittrangigen Kleinmeisters, sondern eine durch musikalisch säkulare Vielfalt zum Ausdruck gebrachte Messe-Neukomposition.

Die liegt jetzt vor. „Missa Guntia“ betitelt sich die quasi druckfrische Partitur eines jugendlichen Stürmers und Drängers, die er am Pfingstsonntag am Ort seiner Tätigkeit, der Günzburger Heilig-Geist-Kirche, unter Mitwirkung des Heilig-Geist-Ensembles, vier Gesangssolisten und des Orchesters Camerata Ulm zum ersten Mal ihrer sakralen Legitimation zuführte

Ein Messordinarium mit zeitgemäßen Vorzeichen. Über weite Strecken klingt es danach, lebt von ineinanderfließenden Gegensätzen. Kann aber auch Althergebracht. Doch weder schöpft es übermäßig aus stockkonservativ römisch-katholischem Kolossalbarock, noch ist sein tönender Inhalt direkt modernistisch „cool“. Ein Flair sakraler Liberalität ist es, das durch den Kirchenraum schwebt. Das Erstaunen auslöst. Wie da einer, ohne mitkomponierte Scheuklappen, effektvoll sämtliche Register zieht, um Tradition mit Moderne zu versöhnen. Substanzvoll, ohne Widerhaken, ohne auf altmodisch verzopfte Strickmuster zu bauen. Zeitgenössische Neudefinition, expressive Unruhe hört man heraus, vereinigt im nahtlosen Verbund mit polyphon unschwelgerischer Barockseligkeit. Strengchristliche Background-Erhabenheit, auf asketisch moderne Einschläge aufgebaut.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Hut ab vor Wolfram Seitz

Knapp gehalten das von irdischem Chor- und Orchestergewebe umschlungene Kyrie. Von schillernder Spannkraft, von berührender Tiefe das wehmütig umflorte Gloria-„Qui tollis“ im kompakten Gesamtklang einer in strahlendes „Amen“ mündenden Chorfuge. Die in das chorisch erfrischend aufgeladene Klanggewebe eingebundenen Gesangsolisten verschmolzen mit ihren Credo-Bekundungen und dem instrumentalen Timbre der Camerata Ulm zum vokalen Gebet. Der sphärisch lichte Sopran von Danuta Debski wie ein Gruß vom Himmel, betörend schlank und makellos unfrömmelnd Altistin Barbara Sauter, kompakte Bassqualität ausstrahlend Frederic Jost und mit tenoral schlanker Jugendlichkeit Jakob Nistler.

Auch das unpathetisch ergreifende Sanctus und Agnus Dei boten keine Gelegenheit, einer verlorenen Unschuld enthemmter Barockseligkeit nachzutrauern. Eine gemäßigt moderne kirchenmusikalische Erneuerungsbewegung ließ, im Ganzen gesehen, dem Vorwurf strengchristlicher Altbackenheit keinen Raum, forderte hingegen statt himmelwärts frömmelnder Naivität neue Hörgewohnheiten.

Hut ab vor einem Wolfram Seitz, der, bis zum machtvoll Zuversicht verströmenden, durch alle Klangversionen durchdeklinierten Dona nobis, seinem musikalisch eigenständigen Suchen und Finden Prägung verlieh. Durch Aufspüren jenes Glanzes, der nicht so sehr im Funkeln und Glitzern schubladisiert ist, sondern vielmehr in moderner Vielfalt und neuzeitlicher Kantabilität von innen strahlt.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Kinderzentrum__0309.tif
Krumbach

Das Krumbacher Kinderzentrum blickt auf zehn Jahre zurück

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen