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Allergien: Heuschnupfengeplagte bleiben im Haus

21.03.2014

Wenn Pollen zu Monstern werden

Der Allergiekalender muss neu geschrieben werden, sind sich die Experten einig. Die Hasel blühe schon seit Dezember, die Birke, die sonst erst im April blüht, setzt bereits im März ihre Pollen frei, sagen Experten.

Heuer ging es mit den Beschwerden schon im Februar los. Warum Betroffene mit einer Behandlung nicht zögern sollten

Krumbach/Günzburg „Geh doch raus an die Sonne“ fordert bei diesem schönen Wetter manche Mutter ihren Sprössling auf. Doch der verkriecht sich trotz des herrlichen Frühlingswetters lieber in seinem Zimmer hinter dem Computer. Hat der Vorschlag dann tatsächlich doch einmal gefruchtet, kann sich die Mutter danach Vorwürfe anhören: „Meine Augen brennen und meine Nase läuft“, klagt der Nachwuchs, der vor lauter Niesanfällen kaum noch reden kann. Der Heuschnupfen hat ihn erwischt. Denn draußen fliegen die bösen Pollen. Vielen machen sie das Leben schwer. Aber sich deshalb im Zimmer zu verkriechen, kann das die Lösung sein?

„Die Allergien nehmen zu“, bestätigt die Krumbacher Allergologin Dr. Ildiko Sugar-Bunk, „vor allem bei jugendlichen Patienten“. Aber auch bei älteren Menschen sei eine Steigerung der Allergien zu beobachten, ist von Herbert Renz, Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde, Innere Medizin und Allergologie in Günzburg, zu erfahren.

Triefnasen, Augenbrennen und Niesattacken sind die typischen Begleiterscheinungen. „Heuer ging es mit den allergischen Beschwerden schon im Februar los“, sagt die Ärztin. Die erste Anlaufstelle sei dann meist die Apotheke, wo es zahlreiche frei verkäufliche Präparate gegen Heuschnupfenbeschwerden gibt. „Bei manchen können diese Medikamente die Beschwerden lindern. Doch andere wiederum haben so starke Probleme, dass sie sich trotz Medikamente kaum im Freien aufhalten“, erklärt Sugar-Bunk.

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Fast das ganze Jahr über müssten inzwischen Allergiegeplagte leiden, sagt Renz. Die häufigste Allergie sei die Gräserpollenallergie. Betroffene sollten den Kontakt zu den Allergieauslösern so weit wie möglich meiden. „Das bedeutet, nur nachts lüften, abends duschen und Haare waschen, im Auto einen Pollenfilter verwenden und wer kann, sollte in der am stärksten betroffenen Zeit verreisen. Atlantik und die Nordseeküste sind pollenarm. Und so gut wie keine Pollen fliegen auf Helgoland“, erklärt Renz.

Eine Hyposensibilisierung kann bei einer Allergie eventuell Abhilfe schaffen. Hyposensibilisierung bedeutet: Durch die steigende Gabe von Allergenen soll es zu einer Gewöhnung an das Allergen kommen, um so die überschießende Reaktion des Immunsystems auf das Allergen zu verhindern. Bei rund zwei Drittel würde die Hyposensibilisierung zu einem deutlichen Erfolg führen, betont Renz. Jedenfalls sei es sinnvoll, eine Allergie zu behandeln. Sonst könne Asthma die Folge sein. Und eine Allergie könne Entzündungen nach sich ziehen, was wiederum zu inneren Vernarbungen führen kann, erklärt der Facharzt.

Bei einer Tierhaarallergie führt Ärztin Sugar-Bunk keine Hyposensibilisierung durch. Bei Versuchen habe es einen Todesfall gegeben. Daraufhin seien die Versuche eingestellt worden. „Hier hilft nur, dem Allergieauslöser aus dem Weg zu gehen“, empfiehlt Sugar-Bunk.

Nicht nur bei Jugendlichen sei eine Zunahme von Allergien zu beobachten, auch ältere Menschen würden inzwischen mehr darunter leiden. Derzeit laufe an der Uni in Ulm ein Forschungsprojekt, bei dem untersucht werde, ob inzwischen mehr Menschen im Alter unter Allergien leiden als früher, erzählt Sugar-Bunk.

Als stark allergieauslösend gilt die Pflanze Ambrosia. Sie kann asthmatische Beschwerden verursachen. Ambrosia stammt ursprünglich aus Nordamerika. Zwischenzeitlich kommt die Pflanze überwiegend aus Südosteuropa zu uns. In manchen Vogelfuttermischungen oder auch verunreinigtem Saatgut kommt es vor. „Die Pollen können aber auch an Autoreifen haften und finden so den Weg zu uns“, erklärt die Ärztin. Sowohl in der Krumbacher Praxis als auch in der Günzburger wird beim Allergietest auch auf Ambrosia getestet. „Bisher haben wir noch keine Ambrosia-Allergie festgestellt“, sagt Renz. In Nordamerika sei sie aber bereits weit verbreitet.

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