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Abschied

08.05.2020

Wenn der Bürgermeister die Zeitung bringt

Das Wohlergehen der drei Ortsteile, die im Hintergrund abgebildet sind, lag Herbert Kubicek in drei Jahrzehnten als Bürgermeister sehr am Herzen.
Bild: Werner Glogger

Der dienstälteste Bürgermeister im Landkreis Günzburg Herbert Kubicek geht in den Ruhestand und blickt mit einer Broschüre zurück auf 30 Jahre Amtszeit

„Ich habe für 30 Jahre Ihr Vertrauen erhalten, dafür bedanke ich mich bei Ihnen allen und den vielen Wegbegleitern aufs Herzlichste. Ich war immer gerne Bürgermeister. Die Anliegen und Probleme aller Bürger zur Zufriedenheit zu lösen, war für mich stets eine Herausforderung und Verpflichtung zugleich. Mein Amtszimmer stand für jeden offen“. Das sind die prägenden Worte, die Herbert Kubicek an die Einwohnerschaft von Ebershausen und seinen Ortsteilen Seifertshofen und Waltenberg auf nicht alltägliche Weise zum Ende seiner über drei Jahrzehnte währenden kommunalpolitischen Tätigkeit in führender Stellung als Gemeinderat und Bürgermeister richtete.

Da es ihm trotz der Coronakrise ein großes Anliegen war, sich als Bürgermeister zu verabschieden, entschloss sich Kubicek, in einer fast 50-seitigen Broschüre, die er selbst in Auftrag gab, an die Bürger zu wenden. In dem von Fritz Spiegel eindrucksvoll und farblich gestalteten Heft mit dem Titel „Ebershausen 1990 – 2020“ zeigt Kubicek in Wort und Bild verschiedene dörfliche Örtlichkeiten auf, erinnert an kleinere und größere Ereignisse und Projekte während seiner Amtszeit und erwähnt alle seine Vorgänger ab dem Jahr 1806. Unübersehbar ist dabei, dass keine dieser Persönlichkeiten an seine nunmehr 30-jährige Amtszeit heranreicht.

Einige seiner bisherigen Kollegen könnten mit der kommenden Wahlperiode die dreißig Jahre knacken, aber momentan war Kubicek der dienstälteste Rathauschef im Landkreis Günzburg und wird bayernweit nur von wenigen getoppt. Nebenher führt er seit nunmehr 24 Jahren den örtlichen Soldaten- und Kameradschaftsverein, war Schriftführer beim Schützenverein, zehn Jahre Pfarrgemeinderatsvorsitzender, fungierte zwanzig Jahre als Schiedsrichter in verschiedenen Fußballklassen, ist Mitglied und Förderer aller weiteren örtlichen Vereine und Organisationen und war zehn Jahre Schöffe beim Landgericht Memmingen. Seit zwanzig Jahren bringt er die „Mittelschwäbischen Nachrichten“ pünktlich und zuverlässig den Lesern ins Haus.

Wenn der Bürgermeister die Zeitung bringt

Wo begann nun der einzigartige und bedeutende Lebensabschnitt des heute 70-jährigen Kubicek? Seine Eltern mussten wie viele andere nach dem Weltkrieg ihre Heimat verlassen und kamen nach Hasberg, wo der kleine Herbert am 1. September 1949 das Licht der Welt erblickte und mit weiteren sechs Geschwistern aufwuchs. Keine leichte Aufgabe, sich in diesem Kreis zu behaupten. Nicht einfach war auch seine Lehrzeit, die er in München absolvierte und in einem Wohnheim wohnte. Weitere zehn Jahre währte der berufliche Weg als Postbeamter in der großen Stadt. „Ich war froh, dass ich nach mehrmaligen Anträgen auf Versetzung wieder aufs Land zurückkehren durfte, ein Leben in der Stadt und dort eine Familie zu gründen, konnte ich mir nicht vorstellen“ erinnert sich Kubicek, zumal er nach seiner Heirat mit seiner Frau Reingard noch einige Zeit in München wohnte.

Ein Glücksfall bedeutete für ihn die Übernahme der damaligen Poststelle in Ebershausen und dessen Weiterbetrieb für über 20 Jahre.

Nach dem Bau eines Eigenheims 1978 in der Buchenstraße wurde er in der Haseltalgemeinde heimisch und legte durch sein freundliches Wesen, seine Hilfsbereitschaft und damit verbundene schnelle Integration in die Dorfgemeinschaft und Vereine schon den Grundstein für die folgende große Aufgabe: Bereits 1984 wurde er in den Gemeinderat und sechs Jahre später mit einem Stimmenanteil von 98,3 Prozent zum Bürgermeister gewählt.

Mit Gespür für das Machbare brachte er die Entwicklung der Gemeinde voran und veranlasste teils kostenaufwendige umfangreiche Projekte, stets mit großzügiger staatlicher Förderung.

Dazu zählen u.A. Kanalbaumaßnahmen mit 13 Bauabschnitten und 5,4 Millionen DM Gesamtkosten, Ausbau mehrerer Straßenzüge in allen Ortsteilen, Feldwegasphaltierungen, Beteiligung am Bau von Geh- und Radwegen nach Krumbach, Seifertshofen, Kettershausen und Hairenbuch, Grunderwerb für den Sportplatzbau, Bau eines neuen Feuerwehrhauses mit Musikproberaum und Kauf eines Feuerwehrautos, Übernahme der Friedhofsverwaltung von der Kirchenverwaltung, Friedhof- Kirchplatzgestaltung und Renovierung der Kirche Ebershausen und Kapellen in den Ortsteilen, Wassernotverbund, Glasfaseranschlüsse oder Erschließung von fünf Baugebieten und viele kleinere und mittlere Maßnahmen. Allein für die Ausweisung der Baugebiete erwarb die Gemeinde insgesamt 35.000 Quadratmeter Grund und verkaufte sie als Bauplätze. Trotz allem zeigt eine Finanzgrafik, dass die erforderlichen Kreditaufnahmen bis zum Jahr 2010 abbezahlt waren, folgende Maßnahmen aus eigenen Mitteln finanziert und nach und nach Rücklagen mit einem aktuellen Stand von 2,2 Millionen Euro gebildet werden konnten.

Er könne deshalb seinem Nachfolger ein gesundes finanzielles Polster übergeben, obwohl er über die weitere Entwicklung wegen der Coronakrise sehr besorgt ist. Kubicek betont, dass alles vornehmlich mit den von großem Engagement geprägten Gemeinderäten in den fünf Wahlperioden, aber auch mit dem Rückhalt in der Bürgerschaft, auf die er stets bauen konnte, möglich gewesen ist. Allen, die ihn in drei Jahrzehnten begleitet und zu den Erfolgen beigetragen haben, zollte er in seiner Broschüre große Dankbarkeit. Seinen Ruhestand möchte er in vollen Zügen in der Natur genießen, sich mehr seiner Frau, die ihm stets den Rücken freihielt und seinen zwei Enkeln widmen und sich an Haus und Garten erfreuen. Sein Hobby, die tägliche Zustellung der Heimatzeitung, möchte er weiterhin, so lange es seine Gesundheit zulässt, zusammen mit seiner Frau, ausüben. Vermissen wird er hingegen den obligatorischen Spruch am Ende der Gemeinderatssitzungen: „Pack mer zam, geh’n wir zu Claudia auf ein Bier“ (Gasthaus Albrecht). (wgl)

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