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08.10.2009

Wenn jeder Cent umgedreht wird

Krumbach In Berlin reden sich die Politiker heiß, wenn es um den Vorstoß der FDP geht: Zukünftig sollen steuerfinanzierte Sozialleistungen von den Finanzämtern als Bürgergeld ausgezahlt werden. Das bedeutet eine einfachere Alternative zu Hartz IV. Die Empfänger der Sozialhilfe können dem politischen Ringen nur wenig abgewinnen: Für sie zählt jeder Cent. Besonders deutlich wird das im Rot-Kreuz-Lädle in Krumbach.

Dort gibt es gebrauchte Bekleidung für Damen, Herren und Kinder sowie Accessoires und Spielzeug. Alles zu einem vertretbaren Preis: Die Jeans für vier Euro, der Pullover kostet drei Euro oder ein T-Shirt ist für zwei Euro zu haben. Doch selbst das ist für manche noch zu viel: Eine Mutter musste zum Beispiel jüngst zurückstecken, weil es für sie wichtiger war, zuerst ihre Kinder mit Kleidern zu versorgen, erinnert sich die ehrenamtliche Mitarbeiterin Ellen Katzemich. "Das ist tragisch, wenn jemand nur mit einigen Euro in der Hand dasteht." Nochmals um die Hälfte verbilligt erhalten Hartz-IV-Empfänger die Textilien, wenn sie einen Berechtigungsschein haben. Der wird immer dienstags im Lädle in der Luitpoldstraße ausgestellt. Petra Tophofen, die Leiterin Soziale Dienst beim Roten Kreuz, warnt davor, die Berechtigungsschein-Inhaber abzustempeln: "Hier wird niemand blöd angeschaut." Zumal im Lädle jeder willkommen ist. Und jeder einkaufen kann.

Beispielsweise ist die Oma anzutreffen, die für die schnell aus den Kleidern wachsenden Kinder einkauft. Oder die modebewussten Jugendlichen, die für den Wiesn-Besuch noch eine günstige Tracht suchen. Das Lädle ist eine Art Boutique, in der Kleiderspenden - zum Teil auch Markenartikel - an den Mann oder die Frau gebracht werden. Von "Kleiderkammer-Charme" kann keine Rede sein, sagt Tophofen. Schließlich nehmen die zwölf Helfer nur gute Textilien an - alles andere wandert in den Container.

Vor genau einem Jahr wurde das Lädle eingerichtet, damit speziell sozial benachteiligte Menschen in einem ansprechenden Ambiente einkaufen können. Es werden keine gewinne erwirtschaftet. Deshalb kann das Geschäft nicht mit fest angestelltem Personal auf Lohnbasis geführt werden - helfende Hände sind deshalb immer gefragt.

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