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Kreis Günzburg

20.04.2015

Wenn sich Verkehrssünder neue Führerscheine aus Tschechien holen

Bei Deutschen mit einem ausländischen Führerschein schaut die Polizei ganz genau hin.
Bild: Symbolbild, Armin Weigel (dpa)

Tschechien bleibt ein beliebtes „Ausflugsziel“ für Menschen, die ihre Fahrerlaubnis verloren haben. Doch eine dort bestandene Prüfung heißt nicht, dass man bei uns fahren darf.

Der dauerhafte Verlust des Führerscheins hat für Betroffene weitreichende Folgen. Nicht nur wegen der verlorenen Mobilität, auch der Arbeitsplatz kann davon abhängen. Der Weg, um wieder in den Besitz einer Fahrerlaubnis zu kommen, ist in Deutschland lang und schwierig.

Manche Menschen kommen auf die Idee, eine Abkürzung zu nehmen und einen EU-Führerschein in Tschechien zu machen. Doch Vorsicht: Wer sich dabei nicht an die Regeln hält, hat möglicherweise schnell ein Strafverfahren am Hals.

Grundsätzlich ist es durchaus möglich, in Tschechien einen Führerschein zu erwerben und damit in Deutschland Auto oder Motorrad zu fahren, sagt Ralf Wetzel, Leiter des Landkreis-Bürgerbüros und damit auch der Führerscheinstelle: „Wenn Sie zum Beispiel von Ihrem Arbeitgeber für zwei Jahre in die Firmen-Niederlassung nach Tschechien geschickt werden, dort ihre Leidenschaft fürs Motorradfahren entdecken und den Führerschein machen, ist das gar kein Problem.“

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Für Bürger anderer EU-Länder behält ihr dort erworbener Führerschein seine Gültigkeit, wenn sie nach Deutschland umziehen. Gleiches gilt für Deutsche, die nach einem Auslandsaufenthalt zurückkehren. Einzige Einschränkung: Tschechische Führerscheine laufen nach zehn Jahren ab und müssten dann in einen deutschen umgetauscht werden.

Polizisten schauen bei Deutschen mit tschechischem Führerschein genau hin

Keinen Spaß versteht der Gesetzgeber allerdings bei „Führerschein-Touristen“, die deutsches Recht umgehen wollen und nur wegen des Führerscheins nach Tschechien fahren. Damit der Führerschein in Deutschland gültig ist, muss der Inhaber zum Beispiel einen tschechischen Wohnsitz vorweisen können und einen Grund, um ins Nachbarland zu ziehen – wie zum Beispiel einen Arbeitsplatz.

Ein Missbrauch sei im Verdachtsfall leicht nachzuweisen, sagt Ralf Wetzel: „Dazu braucht es keine aufwendige Recherche.“ Das Verwaltungsgericht entscheidet letztlich, ob ein Führerschein in Deutschland gültig ist. Ist er es nicht, wird der Erwischte wegen Fahrens ohne Führerschein angezeigt. Wird er verurteilt, droht Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Haft.

Die Polizisten schauen bei Deutschen mit tschechischen oder polnischen Führerscheinen genau hin. „Ich glaube, dass speziell auch in diesem Bereich ein wirklich sehr guter Wissensstand in der Kollegenschaft vorherrscht“, sagt Björn Bartel von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Schwaben Südwest. Im Bereich der Kemptener Behörde sind die Fälle insgesamt rückläufig: 2013 wurden 27 Autofahrer mit ungültigen tschechischen Führerscheinen aufgegriffen, 2014 waren es 15 und in diesem Jahr bislang drei Fahrer.

Manche Anbieter versuchen, das Problem mit dem Wohnsitz zu umgehen

Bei einer Verhandlung vergangene Woche vor dem Günzburger Amtsgericht sagte ein junger Mann, eine Agentur im Internet habe ihm beim Erwerb des Führerscheins geholfen, inklusive Vermittlung einer Wohnung, in der er sechs Monate gelebt habe. Für diese Dienste will der Mann 2500 Euro bezahlt haben.

Verurteilt wurde er trotzdem – denn er wurde am Steuer erwischt, obwohl er die Fahrerlaubnis noch gar nicht hatte. Der Führerschein aus Tschechien war nämlich fast ein Jahr, nachdem er dort Prüfung und psychologische Untersuchung absolviert hatte, immer noch nicht eingetroffen. „Da läuft eine Sammelklage“, sagte der Mann. Hinters Steuer hat er sich trotzdem gesetzt und erhielt dafür eine Geldstrafe.

Eine generelle Aussage zur Seriosität solcher Anbieter kann die Polizei nicht machen. Es gebe aber Hinweise, dass manche Vertreter dieser Branche „an Scheinwohnsitzen eine Vielzahl an Führerscheinbewerbern melden, um so das Problem mit Wohnsitz zu lösen“, teilt der Polizeisprecher mit. Misstrauen ist also angebracht: Der „Kunde“ trägt das Risiko, dass sein Geld und der neue Führerschein weg sind, wenn sich bei einer Kontrolle herausstellt, dass der Führerschein nicht gültig ist.

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