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Thannhausen

24.04.2019

Wie bei Reili aus Bioabfall Kompost entsteht

reili biomüll
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Wenn der Kompost fertig ist, hat sich sein Volumen um rund ein Drittel verkleinert. Aber auch jetzt muss Klaus Reili noch Plastikreste aussortieren, die bei früheren Einsätzen nicht entdeckt worden waren.
Bild: Gertrud Adlassnig

Nach der Einführung der Biotonne hat der Thannhauser Landwirt Klaus Reili eine besondere Chance genutzt. Welche Möglichkeiten Gartenbesitzer bei ihm haben.

„Alles fing mit der Biotonne an“, erklärt Klaus Reili. 1992 machte der Landkreis ernst mit der Mülltrennung: Die Biotonne wurde eingeführt. Doch dazu war eine Logistik im Hintergrund erforderlich, die es bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben hat. „Der Landkreis setzte auf die ortsnahe Verwertung der Bioabfälle ohne lange Anfahrtswege.“ Und so ergriff Klaus Reili, Landwirt, die Chance, sich ein weiteres Standbein zu seinem Betrieb aufzubauen: Er gründete den Komposthof Reili am nördlichen Ortsrand von Thannhausen. „Wer Kompost herstellen will, braucht aber zu dem, was sich in der Biotonne findet, Strukturmaterial. Die Bioabfälle sind viel zu nass.“ Und sie sind außerdem extrem verschmutzt.

Während Reili über Bioabfälle spricht, hat wieder ein Müllfahrzeug seinen Inhalt auf den Hof gekippt. Reili ist verärgert. Der feuchte Haufen bietet weit mehr als Biomüll: Vor allem jede Menge Plastik. Wieder einmal waren Tonnennutzer zu bequem, ihr vergammeltes Gemüse aus der Verkaufsverpackung zu nehmen. Stattdessen wandert der gelbe Brokkoli samt enger Folienumschnürung auf den Sortierplatz der Kompostanlage. Solche „Bescherungen“ lassen sich nicht einmal mit der Sortierzange entfernen. Und auch die zertrümmerte Biotonne nicht, die getrennt von ihrem Deckel mitten im Biomüll steckt. „Es kommt durch das neue Entleerungssystem immer wieder vor, dass eine ganze Tonne im Laster verschwindet und dann bei mir auf dem Hof landet.“ Klaus Reili streckt den Arm aus. Sein Greifer pickt eine Plastiktüte heraus. Er wird noch viele Kunststoffe und Fremdkörper aussortieren müssen, bis der Biomüll für die Kompostierung genutzt werden kann.

Triefende Masse wird in Thannhausen zu wertvollem Kompost

Für den Laien ist es kaum vorstellbar, dass sich die müffelnde triefende Masse in wenigen Wochen in wertvollen Kompost verwandelt haben wird. „Wir machen aus der anaeroben Biomasse ein aerobes Produkt“, erklärt Reili. Doch dazu benötigt er Zusätze – natürliche, keine chemischen! Reili nimmt auf seinem Komposthof auch Gehölzschnitt an. „Der hat stark zugenommen in den letzten Jahren. Die Ursachen sind vielfältig. Es gibt heute sehr viel mehr Vorschriften zur Ortsrand- und Baugebietsbegrünung, aber auch zu Pflege und Rückschnitt.“ Außerdem sei es bei Gartenbesitzern Trend geworden, immer wieder umzugestalten. Alte Sträucher und Bäume landen meist auf dem Komposthof. Das sei früher anders gewesen. „Entweder kam es auf wilde Halden oder wurde zum Heizen verwendet.“ Der Gehölzschnitt wird in der Schredderanlage zerkleinert, das geschredderte Material verschiedenen Nutzungen zugeführt. Dafür hat Reili eine riesige Siebanlage installiert. Nur die feinste Körnung wird bei der Kompostierung dem Bioabfall als Strukturmaterial beigefügt. Grob geschreddertes Holz würde viel zu lange brauchen, bis es verrottet ist. Es kommt in die Hackschnitzelproduktion und wird thermisch verwertet. Inzwischen wurde auf dem Komposthof auch noch eine Anlage zur Herstellung von Rindenmulch in verschiedenen Feinheitsgraden installiert, das Material kommt aus umliegenden Wäldern und vor allem aus den Sägereien.

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Die Garteninhaber bringen auch allen Grünschnitt, vom Gras über Fallobst bis zum ausvertikutierten Moos zu Reili, wo es gut aufgehoben ist, denn alles wird „upgecycelt“: Der Grünschnitt wird dem gereinigten Bioabfall beigemischt.

Das Kompostmaterial aus einer Mischung von Bioabfall, Grünschnitt und Strukturmaterial wird zu langen Schlauen aufgehäuft. Regen darf nicht eindringen. Die Mischung aus Stickstoff und Kohlenstoff entscheidet darüber, wie schnell der Zersetzungsprozess abläuft. Ist der Kohlenstoffanteil zu hoch, dauert die Kompostierung zu lange. Ist er zu niedrig, geht es zu schnell und es entsteht kein qualitativ hochwertiger Kompost. „Sauerstoff, Wassergehalt und Temperatur müssen stimmen. Das kann man natürlich messen, aber ein erfahrener Kompostproduzent kann das sehen, fühlen und riechen“, erklärt Reili.

Gerade einmal acht Wochen

Die Umwandlung von Bioabfall in wertvollen Kompost dauert auf dem Komposthof gerade einmal acht Wochen. „Das kann man aber nur erreichen, wenn immer wieder umgeschichtet wird. Bis der Kompost reif ist, wird er bei uns auf dem Hof 25 Mal umgesetzt.“

Da bei der Kompostierung bis zu 70 Grad Celsius im Inneren entstünden, benötige man keine chemischen Mittel, um Unkrautsamen abzutöten. Durch den Rotteprozess nimmt aber auch das Volumen der Biomasse stetig ab, um rund ein Drittel verringert es sich, sodass die Zwei-Meter-Schlauen immer niedriger werden. In einem Jahr kann Reili rund 500 bis 600 Kubikmeter fertigen Kompost erzeugen. „Aber man benötigt von diesem hochaktiven Stoff auch nur wenig. Da müssen die Hobbygärtner aufpassen. Denn für einen Quadratmeter darf man nicht mehr als eine Schaufel Kompost nehmen, und der darf nur oberflächlich eingearbeitet werden. Erst wenn der Kompost älter wird, verliert er an Aktivität.“

Die Möglichkeiten für Gartenbesitzer

Auf den Komposthof von Klaus Reili dürfen die Gartenbesitzer ihr Schnittgut und ihre Gartenabfälle kostenlos abgeben. „Die Gartenabfälle machen am wenigsten Arbeit. Die kommen so gut wie immer ohne Störstoffe. Aber manchmal, verrät er, gibt es auch Ärger, wenn Leute seine Gutmütigkeit ausnutzen und auf dem Hof hinter seinem Rücken Dinge entsorgen, die er nicht verwerten kann. Das kann Bauholz sein oder ein Wurzelstock. „Aber das ist zum Glück die Ausnahme. Die meisten Leute sind fair und ehrlich.“ Das angelieferte Material wird schließlich zu Komposterde und Hackschnitzeln verarbeitet. Die fertige Komposterde kann dann bei Reili erworben werden, um den Boden im Garten zu verbessern. Die Hackschnitzel werden, so Reili, sowohl in großen Heizkraftwerken zur Strom- und Wärmegewinnung genutzt, als auch zur Abdeckung in Beeten.

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