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Brand

23.04.2019

Wie die Dornenkrone nach Frankreich kam

Die Kathedrale Notre Dame vor dem Brand.

Ein Dorn der Krone Jesu befindet sich in der Patrona Bavariae

Die Dornenkrone, mit der die römischen Legionäre Jesus zu ihrem Spottkönig krönten, wurde neben anderen Gegenständen der Passion in einer eigenen Kapelle des Kaiserpalastes von Konstantinopel aufbewahrt und verehrt. Als 1204 Kreuzfahrer zusammen mit den Venezianern Konstantinopel eroberten, plünderten sie drei Tage lang die Stadt. Sie raubten viele Kostbarkeiten und zerstörten wertvolle Kulturgüter. Diese Eroberung war kein Ruhmesblatt in der Geschichte der Kreuzritter und des christlichen Abendlandes. Unter maßgeblichem Einfluss Venedigs kam es zur Gründung eines lateinischen Kaiserreiches, das zum Ziel hatte, das byzantinische Kaiserreich abzulösen. Allerdings währte das lateinische Kaiserreich nur ein gutes halbes Jahrhundert. Bereits 1261 ging es wieder unter. Konstantinopel jedoch hat sich von dieser Niederlage nie mehr ganz erholt.

In die Zeit des lateinischen Kaiserreiches, das fortwährend unter Geldmangel litt, fällt der Verkauf zahlreicher Reliquien. Dem frommen König von Frankreich Ludwig IX. bot Kaiser Balduin II. von Konstantinopel die Passionsreliquien an. Der Preis für die Dornenkrone und weitere Reliquien war horrend, aber Ludwig IX. wollte sich die Chance nicht entgehen lassen, zumal Frankreich wegen der Friedenspolitik des Königs und einer blühenden Wirtschaft sich eine solche Ausgabe leisten konnte. 1237 war es so weit. In einem wahren Triumphzug wurden die Reliquien nach Paris geleitet. Eine eigene Kapelle sollte die Reliquien aufbewahren. Es wurde die erste gotische Kirche mit großartigen farbigen Glasfenstern. Die Saint Chapelle gilt bis heute als Meisterwerk der gotischen Architektur.

Man muss es als ein Glück betrachten, dass man später die Passionsreliquien in die Kathedrale Notre Dame von Paris gebracht hat, denn während der Französischen Revolution wurde die Saint Chapelle geplündert und noch vorhandene Reliquien vernichtet. Noch heute wird an den Fastenfreitagen die Dornenkrone in Notre Dame verehrt. Der Dichter Paul Claudel schreibt: „Ich für meinen Teil wagte kaum, mich in den Tagen der Fastenzeit unter die zu mengen, die die Dornenkrone küssten.“

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König Ludwig IX. hat einzelne Dornen an befreundete Fürsten und kirchliche Würdenträger verschenkt. Es wäre nun interessant, den Weg zu verfolgen, den jener Dorn von der Dornenkrone Jesu hinter sich hatte, den Kurfürst Maximilian in die Krone der Patrona Bavariae einfügen ließ, die auf dem Marienplatz in München seit 1638 steht. Es gab ja immer wieder besondere Beziehungen der Wittelsbacher nach Frankreich, wenn man etwa an Königin Isabeau aus dem Hause Wittelsbach denkt. Aber es könnte auch sein, dass der Dorn von der Dornenkrone aus der reichen Reliquiensammlung des Kurfürsten von Sachsen Friedrich des Weisen stammt, die ohne Zweifel nach der Reformation zum Verkauf anstand. Auch wenn Reliquien ablehnt wurden, wird man versucht haben, sie zu Geld zu machen.

Kurfürst Maximilian hat den Dorn von der Dornenkrone Jesu in einer silbernen Kapsel der Krone der Patronin Bayerns, die ja auch Mutter der Schmerzen und Trösterin der Betrübten ist, einfügen lassen. Ähnliches hat Papst Johannes Paul II. getan. Er ließ die Kugel, die ihn auf dem Petersplatz töten sollte, in die Krone der Madonna von Fatima einfügen als Zeichen seines Dankes. Weitere Dornen von der Dornenkrone befinden sich in Andia (Italien) und Bari (Italien). Ludwig Gschwind

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