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Breitenthal

17.05.2019

Wie ein Breitenthaler zum hochgeachteten Hirnforscher wurde

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Professor Dr. Dietmar Schmucker aus Breitenthal erhielt in Berlin die Humboldt-Professur der gleichnamigen Stiftung, verbunden mit einem Preisgeld von fünf Millionen Euro, dem in Deutschland höchst dotierten Forschungspreis.
Bild: Sammlung Schmucker

Plus Dietmar Schmucker erhielt jetzt Deutschlands höchstdotierten Förderpreis. Warum er künftig in Bonn arbeitet.

Als Schüler des Krumbacher Simpert-Kraemer-Gymnasiums war Dietmar Schmucker bereits bei "Jugend forscht" erfolgreich. Aber dass er später ein international hoch angesehener Hirnforscher sein würde - das ahnte damals wohl niemand. „Professor Schmucker ist ein international führender Hirnforscher. Er hat wichtige Grundlagen der genetischen Kodierung von Synapsenbildung im zentralen Nervensystem entdeckt und wird die Neuro-Wissenschaften am Standort Bonn entscheidend verstärken.“ So bewertet Professor Dr. Waldemar Kolanus, Geschäftsführender Direktor an der Bonner Universität, die bisherige Tätigkeit von Dietmar Schmucker, der im November 1964 in Krumbach geboren ist und seine Schul- und Jugendzeit in Breitenthal verbrachte, wo seine Eltern noch immer wohnen.

Immer wieder ist das Krumbacher Simpert-Kraemer-Gymnasium bei "Jugend forscht" erfolgreich. Hier gibt es mehr Infos zu diesem Thema:

Krumbacher SKG-Schüler siegen wieder auf Landesebene

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Erfolg auf ganzer Linie für Schüler des Simpert-Kraemer-Gymnasiums

Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn hat den 54-jährigen Neuro-Biologen für eine Humboldt-Forschungsprofessur vorgeschlagen. Der Grund: „Schmucker hat Bahnbrechendes zum konzeptionellen und technischen Fortschritt der Hirnforschung geleistet und gilt als einer der weltweit führenden Experten im Bereich der molekularen Neuro-Wissenschaft.“ Jetzt war es soweit: Professor Dr. Dietmar Schmucker wurde von der Alexander von Humboldt-Stiftung ausgewählt und erhielt im Verlauf eines Festakts in Berlin die Professur für den Bereich „Molekulare Neurowissenschaft“, verbunden mit einem Preisgeld von fünf Millionen Euro, das der Universität Bonn für zukunftsweisende Forschungen zugute kommt.

So werden Wissenschaftler aus dem Ausland gewonnen

Es handelt sich dabei um den in Deutschland höchst dotierten Forschungspreis, dessen Ziel es ist „renommierte deutsche Wissenschaftler aus dem Ausland zu gewinnen und sie langfristig zur Weiterforschung an deutschen Hochschulen zu verpflichten“. Mit ihm wurden weitere neun Wissenschaftler/innen ausgezeichnet, deren Forschungsbereiche von der Biochemie über experimentelle Kernphysik bis zur politischen Ökonomie und angewandte Mathematik reichen. Die Preise umfassen jeweils 3,5 beziehungsweise 5 Millionen Euro. Die Preise überreichten der Präsident der Humboldt-Stiftung Hans-Christian Pape und die Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek. Wer mit einer solchen Auszeichnung nach Deutschland zurück kommt, „soll etwas bewegen“ betonte der Präsident und weiter: „Sie sind gekommen, um zu verändern und sollen frischen Wind in unser System bringen.“ Für Professor Schmucker gelte es nun, an der Bonner Universität ein „grundlagenorientiertes neurowissenschaftliches Zentrum mit aufzubauen und deren bisherige Bedeutung als Leuchtturm zu erhöhen.“

Schmucker, der sich noch immer als Breitenthaler fühlt und zur Heimat enge Beziehungen pflegt, ist seit Ende 2009 Professor an der belgischen Universität Leuven und leitet dort ein großes Projekt zur „entwicklungsbiologischen Erforschung neuronaler Verschaltungen“. Seine Meinung dazu: „Im Gehirn des Menschen bestimmen nur einige tausend unterschiedlicher Gene über Billiarden von Synapsen (laut Duden: die Verbindung zwischen Zellen und Reizübertragung), mit denen die Nervenzellen untereinander verknüpft sind.“ Seine zentrale Frage dazu lautet: Welche molekularen Mechanismen sorgen für eine derartige Komplexität des menschlichen Gehirns? Momentan sucht er die Antwort modellhaft an Fruchtfliegen, Fröschen und Mäusen und arbeitet schon bisher mit Forschern der Uni Bonn, dem deutschen Zentrum für neuro-degenerative Erkrankungen und dem Forschungszentrum Cäsar in Bonn zusammen. Sein Fazit bisher: „Diese Vernetzung der Neuro-, Zell- und Immunbiologie sind ein viel versprechender Ansatz, sich für die zukünftigen Herausforderungen zu wappnen.“

Der berufliche Werdegang des Wissenschaftlers begann mit seinem Biologiestudium an der Universität Ulm. Anschließend studierte er an der Ludwigs-Maximilians-Universität München, die Promotion folgte im Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen. Dazwischen absolvierte er an der Kyoto-Universität (Japan) ein neunmonatiges Freistudium. Anschließend folgten ab 1996 fünf Jahre Tätigkeit als Postdoc an der Rockeveller-University New York und an der University of California in Los Angeles, bevor er dem Ruf an die berühmte Harvard-Medical-School in Boston zuerst als Assistent in seinem eigenen Labor und später als Associate-Professor wirkte. Seit 2009 ist er Professor an der belgischen Universität Leuven, die er im Herbst verlässt, um an seinen neuen Tätigkeitsort Bonn zu wechseln.

Erste Forschungen machte er am Krumbacher Simpert-Kraemer-Gymnasium

Gefragt ist Schmucker inzwischen als Referent auf unterschiedlichsten Medizin-Meetings und Fachtagungen in aller Welt. Seine Vorträge fanden in China ebenso Anklang wie mehrfach in den USA und vor allem vor Experten aus dem gesamten europäischen Raum. Schon jetzt liegen ihm weitere Einladungen vor, unter anderem Ende Juni bei Bundespräsident Walter Steinmeier. Gern verweist er bei solchen Anlässen auf seine ersten Forschungserfolge im Krumbacher Simpert-Kraemer-Gymnasium. Für den damaligen Schülerwettbewerb „Jugend forscht“ hatte er seine Abitur-Facharbeit eingereicht, wurde Bester in der Fachgruppe Physik und beteiligte sich am Landesentscheid. Sein Thema: „Die Wirkung von Röntgenstrahlen auf Keimung und Wachstum von Weizenkörnern.“

Im SKG fühlte er sich „vorbildlich betreut“ und ist noch heute dem damaligen Studiendirektor Walter Czech dankbar. Zehn Jahre später, also 1996, wurde der junge Wissenschaftler für seine Doktorarbeit zum Thema „Entwicklung eines einfachen visuellen Systems während der Frühentwicklung von Taufliegen“ mit der Otto-Hahn-Medaille des Max-Plank-Instituts ausgezeichnet. Wie sich zeigt, hat es Schmucker bei seinen Forschungen noch immer mit Fliegen als Versuchsobjekte zu tun.

Stolz über die neuerliche Auszeichnung sind zu Recht die Eltern. Wie er selbst sagt, hat er ihnen „viel zu verdanken“. Für Konrad und Barbara Schmucker war die gewährte Unterstützung eine „Selbstverständlichkeit“ und die Freude ist groß, wenn er wieder einmal in Breitenthal auftaucht. Von Bonn aus dürfte ihm das leichter fallen, wie bisher aus den USA oder vom belgischen Leuven.

Vater Konrad Schmucker weiß, dass er und seine Frau nicht zu viel erwarten dürfen, denn „Dietmar ist mit seiner Wissenschaft verheiratet“. Die Mutter bestätigt dies: „Er hat schon als Gymnasiast meine Blumenschalen an den Fenstern für seine Forschungen missbraucht und Weizenkeimlinge mit verschieden hoher Dosis bestrahlt.“ Zwei Hobbys des ehemaligen Breitenthaler Ministranten sowie aktiven Fußballers und Schützen verraten seine Eltern aber doch: Joggen und Tanzen.

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