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Landkreis Günzburg

05.08.2016

Wie flexibel ist der Flexibus?

Mit einem Kleinbus die Mobilität auf dem Land verbessern: Das ist die Idee des Flexibusses. Die Betreiber bemühen sich, jede Fahrt zu ermöglichen – das klappt oft, aber nicht immer.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Das Angebot will den Spagat zwischen individuellen Fahrtwünschen und der Planbarkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln vereinbaren. Das gelingt nicht immer.

Anrufen, einsteigen, mobil sein. Der Werbeslogan des Flexibusses kommt an. Im vergangenen Jahr nutzten 153000 Menschen die kleinen Busse. Der Erfolg der 2012 flächendeckend eingeführten neuartigen Personenbeförderung ist unzweifelhaft, selbst wenn nicht jeder Transportwunsch erfüllt werden kann. Doch gerade auf dem Land war die Anbindung der Dörfer über den Linienverkehr bis vor wenigen Jahren streckenweise am eigentlichen Bedarf vorbei gelaufen. Großraumbusse, die zu festen Zeiten auf festgelegten Routen unterwegs sind, können nur wenig zu einer echten Mobilität der Landbevölkerung beitragen, die in extrem hohem Maße auf den Individualverkehr setzt.

Mobilität mit dem ÖPNV will und kann der Flexibus bieten. Das Ideal: Ein Kleinbus, der dann kommt, wenn ein echter Bedarf da ist. Eine geniale Idee, ausgedacht von Busunternehmer Josef Brandner, der Verkehrskonzepte in ganz Bayern entwickelt hat und es verstand, im Landkreis die notwendigen Mitstreiter für das Vorhaben zu gewinnen: seine Kollegen mit Liniengenehmigungen, denn ohne deren Zustimmung ging nichts. Aber auch der Landkreis und der Freistaat, die die Infrastrukturverbesserung umsetzen mussten. „Es war“, erinnert sich die im Landratsamt für den ÖPNV zuständige Anita Müller, „eine Sisyphosarbeit.“

Der Flexibus soll und darf den Linien nicht die Kunden wegnehmen, sondern die Zwischenzeiten abdecken. Das Landratsamt legte grundsätzliche Leistungsvorgaben fest: 30-Minuten-Anmeldefrist, die Busse verkehren flexibel innerhalb von Waben statt auf starren Linien, Knotenpunkte und den Fahrplanrahmen. Prinzipiell ist der Flexibus ein privatwirtschaftliches Angebot, das nicht subventioniert wird. Der Landkreis und der Freistaat ermöglichen lediglich, den Fahrpreis günstig zu halten.

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Vorlaufzeit ist oft nur ein frommer Wunsch

Die Fahraufträge gehen im Callcenter, mit dem die Fahrer online verbunden sind, ein. Nur so kann überhaupt die 30-Minuten-Voranmeldung funktionieren, ja manchmal kann sogar eine kurzfristige Anfrage noch bedient werden. Dann muss sich die Dame an der Reservierung allerdings gut auskennen im System und die Blockierung aufheben, wenn sie durch die GPS-Verbindung mit den Fahrern sieht, dass ein Flexibus in der Nähe des Kunden unterwegs ist.

Das Callcenter in Krumbach ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt des Flexibus-Systems. In der perfekten Transportlogistik liegt die größte Herausforderung des Systems. Die 30 Minuten-Vorlaufzeit erweist sich im Alltagsgeschäft oft als frommer Wunsch, das wissen die regelmäßigen Flexibusnutzer nur all zu gut. Es ist ein Spagat, den die beteiligten Unternehmer nicht immer und nicht ohne Mühe vollziehen können. Im Tagesgeschäft werden die Busse so gut gebucht, dass die Busfahrer selten Däumchen drehend auf einen kurzfristigen Fahrteinsatz warten. Immer wieder müssen auch langfristig angemeldete Transportwünsche abgewiesen werden. Familie Clauß aus Krumbach gehört zu den Kunden, die schon mal abschlägige Bescheide bekommen haben.

Fahrgast ärgert sich über die Zahlen

Die Vielnutzer, die zahlreiche Arzt- und Therapietermine einhalten müssen und aus medizinischen Gründen nicht mehr selbst Auto fahren können, gehören mit den unter 18-Jährigen zur typischen Flexibusklientel. „Wenn 20 Prozent der Anfragen abgewiesen werden, obwohl ich die Fahrten zwei Wochen im Vorfeld angemeldet habe, ist das problematisch,“ ärgert sich Horst Clauß. „Dass ich auf meine Beschwerde dann aber einen Anruf bekomme und mir gesagt wird, das Zustandekommen von vier der fünf gewünschten Fahrten sei doch sehr gut, ist das wirklich ein Witz. Das sind immerhin 20 Prozent, die nicht durchgeführt werden. Andererseits passiert es, dass zwei Busse absolut parallel fahren. Das muss doch nicht sein. Ich vermute, das eigentlich sehr gute System hakt in der Logistik.“

Josef Brandner und Petra Wendt-Maisch nehmen die Beschwerde ernst und würden gerne die Ursachen für Verärgerungen von Kunden auf den Grund gehen. „Nur so können wir Fehler im System abstellen und uns weiter optimieren. Wir benötigen dazu allerdings ganz genaue Angaben, um alle Faktoren abgleichen zu können“, erklärt Petra Wendt-Maisch. „Die Kundenzufriedenheit steht bei uns an oberster Stelle“, versichert der Unternehmer Brandner.

Die Bedarfsplanung ist ein wesentlicher Bestandteil

Nach der internen Statistik kommen pro Tag zwei bis drei Fahrten innerhalb der Toleranzgrenze von einer Stunde nicht zustande. Jede nicht geleistete Fahrt ist für die Wahrnehmung des Einzelkunden ärgerlich und für den Betreiber ein wirtschaftlicher Faktor. Deshalb wird in der Organisation des Flexibusses viel Wert auf Optimierung gelegt.

Die Logistik des Callcenters registriert jeden Anruf, die angefragten Orte und Zeiten, das Zustandekommen von Fahrten und den Grund bei Absagen. Es kann auf Knopfdruck auch genau aufzeigen, wie viele Personen an welchem Tag wo transportiert wurden. „Die Bedarfsplanung ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit. Wir müssen die laufend erhobenen Daten hernehmen und mit den gegenwärtigen Umständen kombinieren: der Einfluss von Wetter, gesellschaftlichen Angeboten, Jahreszeit, Urlaubszeit und vieler anderer Parameter auf die Bedarfsstruktur ist riesig. Und danach setzen wir die Busse ein“, erklärt Brandner. Das Flexibussystem muss wirtschaftlich arbeiten, um Bestand haben zu können. Zu viele Busse in Warteschleifen sind ein hoher Kostenfaktor für den Transportunternehmer, ebenso wie unnötige Doppelfahrten.

Umso mehr hängt der Erfolg des individualisierten öffentlichen Personennahverkehrs von der gekonnten Routeneinteilung ab: Der Flexibus lebt vom Callcenter mit seinem ausgefuchsten Reservierungs- und Analyseprogramm. In ihm versuchen zwölf Mitarbeiter an 365 Tagen im Jahr einen möglichst kundenfreundlichen Beförderungsservice zu organisieren und im Gespräch mit dem Kunden wenn nicht die perfekte, so doch eine zeitnahe und preiswerte Transportmöglichkeit im Flexibus zu finden.

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