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Krumbach

17.10.2020

Wie man in Krumbach in Corona-Zeiten mit Abstand singt

Die Chorgemeinschaft Liederkranz bei einer ihrer Chorproben im Saal des Gasthofs Traubenbräu in Krumbach. Die Corona-Regelungen sind streng: Gesungen wird mit zwei Metern Mindestabstand und auch die Dauer ist begrenzt.
Bild: Peter Wieser

Plus Beim Liederkranz in Krumbach finden trotz Corona wieder Chorproben statt. Wie das geht und was Sängerinnen und Sänger dazu sagen.

„Wohin soll ich mich wenden?“ So beginnt das Kyrie der Deutschen Messe von Franz Schubert. Die Messe ist nach wie vor populär, dank Corona ist allerdings auch sie etwas in den Hintergrund geraten. Vor Kurzem hat die Krumbacher Chorgemeinschaft Liederkranz das Kyrie gesungen, nicht in einer Kirche, sondern im Saal des Krumbacher Gasthofs Traubenbräu, wo die Sängerinnen und Sänger jeden Dienstagabend proben.

Chorproben während Corona, wie geht das, wie ist das mit der Maske und überhaupt mit den Abständen? Siegfried Müller, der Erste Vorsitzende der Chorgemeinschaft Liederkranz erinnert an die Zeit als keine Veranstaltungen, keine Versammlungen und natürlich auch keine Chorproben mehr stattfinden durften: Corona habe die Chorgemeinschaft in mehrfacher Hinsicht getroffen. Ohne Proben - kein Auftritt, das sei klar. Das zweite sei, dass für die meisten Chormitglieder die Chorprobe seit Jahrzehnten eine eingeübte Regelmäßigkeit bedeute. „Das war auch von der gesellschaftlichen Seite ein großer Verlust.“ Clemens Kraus, der zweite Vorsitzende bringt es auf den Punkt: „Es war ein absoluter Stillstand mit den Proben.“

Inzwischen wird zwar wieder jeden Dienstag gesungen, aber ein bisschen anders. „Wir richten uns nach dem Hygienekonzept der Bayerischen Staatsregierung und an dieses halten wir uns“, fährt Kraus fort. Nach dessen Bekanntmachung Anfang Juli, habe man erstmals versucht, wieder Chorproben stattfinden zu lassen. Das Hygienekonzept besagt unter anderem, dass Sängerinnen und Sänger während des Singens einen Mindestabstand von zwei Metern einhalten müssen. Um Gefahren durch Aerosolausstoß zu minimieren, darf zudem nur in dieselbe Richtung gesungen werden. Also musste zunächst sichergestellt sein, dass der Saal im Gasthof Traubenbräu überhaupt über die geforderte Größe verfügt - er wurde ausgemessen.

Mit der regulären Anzahl an Chormitgliedern - der Liederkranz ist ein gemischter Chor mit 30 Sängerinnen und Sängern wäre allerdings eine Chorprobe dort nicht möglich gewesen. Siegfried Müller fährt fort: Man habe zwei unterschiedliche Modelle ausprobiert, auch, um überhaupt ein Gefühl dafür zu bekommen, wie man den Saal nutzen bestmöglichst nutzen könne: Einmal in zwei Gruppen mit vier Singstimmen, jedoch mit weniger Sängerinnen und Sängern. Die andere Möglichkeit bestand aus dem Zusammenfassen jeweils zweier Stimmgruppen, Tenor und Alt, und im Anschluss Sopran und Bass. Zwischenzeitlich wird wieder mit allen Registern geprobt. Das ist möglich, nachdem eine größere Anzahl älterer Sänger aufgrund des Risikos unter der derzeitigen Situation auf die Chorprobe verzichten.

An diesem Dienstag sind um die 15 Sängerinnen und Sänger zur Chorprobe gekommen, etwa die Hälfte des Chors. Es stehen Desinfektionsmittel bereit, gesungen wird mit Abstand und auch die Dauer der Probe ist begrenzt: 20 Minuten Singen, dann 10 Minuten Pause und Lüften, dann wieder 20 Minuten Singen. Jede Sängerin und jeder Sänger hat einen festen Platz, erst dort darf der Mundschutz, abgelegt werden. Chorleiter Wolfram Seitz sieht darin nach wie vor ein gewisses Experimentierfeld: Spannend werde es werden, wenn es kälter werde und der Saal auskühle.

Wenn das Ziel vor Augen fehlt

Schlimmer aber sei, dass man aufgrund fehlender Auftritte kein richtiges Ziel vor Augen habe. An das Singen unter den bestehenden Regelungen haben sich Chormitglieder inzwischen immerhin gewöhnt. „Sonst wären sie ja nicht wiedergekommen“, sagt Siegfried Müller. Und wie sehen das die Sängerinnen und Sänger dazu? Nach dem Lockdown habe einem etwas gefehlt. Man sei eine Gemeinschaft, Singen entspanne und bedeute ein absolutes Abschalten vom Alltag und mit den schönen Melodien fühle man sich wie in einer anderen Welt - und es mache Spaß. Seit mehr als 90 Jahren gibt es übrigens einen festen Termin beim Krumbacher Liederkranz: das Singen an Heiligabend vor dem Christbaum auf dem Krumbacher Marktplatz nach Ende der Kinderchristmette in der Kirche St. Michael. Ein Auftritt, der mit entsprechenden Abständen möglicherweise auch in diesem Jahr wieder stattfinden könnte.

Die Chorgemeinschaft Liederkranz zählt zu den ältesten Kulturträgern in der Stadt Krumbach. In der Chronik ist bereits im Jahr 1862 die Rede von einer Vereinstätigkeit, ein Protokoll über die erste Mitgliederversammlung im November 1863 ist ebenfalls vorhanden. Das Repertoire reicht heute von kirchlicher und weltlicher Musik bis hin zu Modernerem.

"Poppiger" Ableger mit 40 Sängern

Höhepunkt ist das Jahreskonzert, aufgetreten wird zu zahlreichen weiteren Anlässen und gesellschaftlichen Veranstaltungen. Unter anderem begleitete der Krumbacher Liederkranz 2018 den Vorbereitungsgottesdienst des Krumbacher Primizianten André Harder. „Das sind Gemeinschaftserlebnisse“, sagt Clemens Kraus. Unter dem Dach der Chorgemeinschaft gibt es auch noch den Chor „popCHORn“, sozusagen der „poppige“ Ableger mit etwa 40 Sängerinnen und Sängern. Einen Partnerchor hat der Liederkranz ebenfalls: Seit 1978 besteht eine Partnerschaft mit dem Trientiner Bergsteigerchor Coro Maddalene.

Max Welcker wirkte zehn Jahre in Krumbach. Hier leitete er den Liederkranz.
Bild: Dr. Heinrich Lindenmayr

Eines aber plagt den Krumbacher Liederkranz, wie viel andere Chöre auch: Die Sorge um den Nachwuchs. Es wurde eine neue Internetseite aufgebaut, auch neue Flyer wurden gedruckt, um nach Mitgliedern zu werben. Hier machte Corona dem Liederkranz ebenfalls einen Strich durch die Rechnung. Dennoch: „Wir freuen uns - wenn die Beschränkungen irgendwann einmal weg sind - über jedes neue Mitglied“, betont Clemens Kraus. Man werde nichts unversucht lassen, um zur alten Stärke wiederzufinden.

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